Wie Schimpftiraden das Leben erleichtern

Der eine rüttelt am Watschenbaum, der andere haut ihm dafür ordentlich eine in die Goschn und kassiert a Flack. So einfach könnte man Aggressionsabbau ins bairische Sprachidiom übersetzen, nimmt man etwa das jüngst erschienene Wörterbüchlein "Der kleine Wappler“ von Astrid Wintersberger zur Hand.

Wie Schimpftiraden das Leben erleichtern

So einfach ließe sich auch der momentan auf allen Medienkanälen hitzig debattierte Raufhandel zwischen dem schlagfertigen Rapper Sido und dem österreichischen Societyreporter Dominic Heinzl zusammenfassen. Und doch lässt sich tiefer in die Streitmaterie eintauchen, denn bevor die Faust flog und Heinzl aufs glatte Küniglbergparkett ging, fielen recht explizite Worte.

Die Drohung "Du kriegst eins auf die Fresse von mir, dass sich dein Gesicht dreimal im Kreis dreht“, machte den Anfang, darauf folgte die wüste Beschimpfung der Mutter von Heinzl. Sido, seinen Jurorenjob beim ORF recht schnell losgeworden, entschuldigte sich tags darauf via Twitter für die derben Worte in Richtung Heinzls (verstorbener) Mutter. Die unterste Beschimpfungs-Schublade, deren er sich ziemlich sicher nicht zum ersten Mal in seinem Leben bediente, war ihm peinlich.

Lass es raus!

Damit ist man bereits mittendrin in der äußerst komplexen Phänomenologie des Fluchens, Schimpfens, der Tabuwörter und Kraftausdrücke, die von physisch-neuronalen, psychischen und sozialen Faktoren bestimmt wird. Geflucht wird nämlich schon, seit es Sprache gibt. Und schon seit frühesten Kindheitstagen gehören Worte wie "Kacka“, "Lulu“ oder "blöde Kuh“ zum Sprachschatz. Man spricht halt nicht so gern darüber, dass der hochbegabte Nachwuchs neben "Mama“, "Papa“ und "Ente“ auch noch anderes vor sich hin brabbelt.

Der Wortschatz des Vulgären und die Verwendung nicht ganz sauberer Ausdrücke nimmt zudem - wenig überraschend - ab, wenn man sich in höheren sozialen Schichten bewegt. "Es ist ein Faktum, dass die Oberschicht das derbe Schimpfen vermeidet. Der Eindruck, dass es im Dialekt, der ja weniger prestigeträchtig als die Hochsprache ist, mehr Schimpfwörter gibt, stimmt aber nicht. Man ist nur kreativer bei der Schaffung und dem Umgang mit dem Schimpfwortmaterial“, sagt der Wiener Soziolinguist Manfred Glauninger.

Wie wichtig der kreative Umgang mit dem Schimpfwortmaterial ist, belegt eine britische Studie. Die fand heraus, dass Fluchen den Herzschlag steigert und schmerzlindernd wirkt. Bei Tests mit 64 Freiwilligen hielten Probanden ihre Hand durchschnittlich länger in eiskaltes Wasser, wenn sie dabei Schimpfworte rauslassen durften.

"Wenn man den Affekt kontrollieren kann, kann das Dampfablassen in dieser Form sehr konstruktiv und entlastend sein“, ergänzt die Psychologin Eva Mückstein vom Österreichischen Bundesverband für Psychologie.

Schimpfen, aber richtig

Auswahl an Schimpfwörtern ist jedenfalls massenhaft da. "Alles, was sprachlich vorhanden ist, kann zum Schimpfwort werden, durch Handlung und Kontext wird es als Schimpfen erkennbar“, erklärt der Sprachwissenschafter Glauninger. Wenn der Computer zum zehnten Mal hintereinander abstürzt, man wegen Falschparkens abgeschleppt wurde oder intensiv streitet, kann man also auch laut "Tisch“, "Anzeigenleiter“ oder "lösungsorientierter Schöngeist“ in die Welt schreien, es kann aber etwas befremdlich wirken, da man sich nicht über kulturelle Tabus hinwegsetzt - und das gehört zum Wesen des Fluchs. Umgekehrt kann aber auch jedes Schimpfwort, jeder derbe Ausdruck zur Liebesbekundung werden, wenn er entsprechend formuliert und mit situationsadäquater Körpersprache und Stimmlage formuliert ist.

Glauninger macht dabei drei große Tabufelder aus, die sich dabei durch fast alle Kulturen ziehen: "Fluchen und Schimpfen konzentriert sich auf die Bereiche der Verunreinigung und den damit einhergehenden Ekel vor Körperausscheidungen, die Sexualität und die Religion.“

Geschimpft wird trotzdem überall ein wenig anders. Haut sich etwa ein Österreicher mit dem Hammer auf den Finger, wird ihm wohl eher ein herzhaftes "Scheiße“ entfahren und nicht gleich, wie weiter südlich in Europa, die Gottesmutter sexuell geschändet. Außerdem: "In Beschimpfungen taucht immer auch das auf, was in Kulturen verankert ist. Das kann Religion sein, das können über Jahrhunderte gewachsene gesellschaftliche Strukturen, aber auch gewisse Codes von Gemeinschaften und Subkulturen sein“, erörtert Glauninger.

Interessant wird es also, wenn man ins Detail geht. Bleiben wir bei Sido, der - so will es seine öffentliche Vita - in übel beleumundeten Gegenden Berlins sozialisiert wurde. Er ist der Sohn einer Sintiza und eines Deutschen und als Rapper auch noch in der Hip-Hop-Kultur verhaftet. Die ist - grob zusammengefasst - von Afroamerikanern in den Ghettos der Megamoloche geschaffen worden, und Aggressionsabbau erfolgte zu einem guten Teil über kreative Verbaläußerungen.

Der 31-jährige Sido, bürgerlich Paul Würdig, bewegt sich in einem stark patriarchal geprägten System, in dem die "Ehre“ der Frau auch als Besitz des Mannes gedeutet wird. Wer die Mutter oder die Schwester beleidigt, trifft den Sohn. Die Mutterbeleidigung ist die schärfste sprachliche Waffe in diesem System. Wer dieses Tabu bricht, dem droht Bestrafung. So gesehen, hat Sido letzten Freitag in Sachen Beschimpfung eigentlich einen doppelten Tabubruch begangen, denn nach der Verbalentgleisung gegen Heinzls Mutter hätte er eigentlich Heinzls Faust spüren müssen.

Wie das richtig geht, zeigten Marco Materazzi und Zinédine Zidane während des WM-Finales 2006 vor. Der Italiener zupfte im Zweikampf am Trikot von Zidane. Der bot es ihm provokant zum Tausch nach Spielende an. Materazzi raunte dem Franzosen dann zu, dass er statt des Trikots lieber seine käufliche Schwester hätte. Dafür hat er den mittlerweile zur Legende gewordenen Kopfstoß gegen die Brust eingefangen. Die heißblütige Reaktion ist verständlich, es gehört aber bei aller Antipathie, die man gegenüber Materazzi hegen darf, auch erwähnt, dass die doppelte sexuelle Anspielung auf die Schwester Zidanes in die Champions League der Beleidigungen gehört.

Verfluchter Job

Jedenfalls gab es arbeitsrechtliche Konsequenzen. Zidane wurde vom Platz gestellt. Das kann durchaus auch Arbeitnehmern passieren, die mit regelmäßigen Schimpftiraden auffällig werden und sich nicht mehr unter Kontrolle haben. Irene Holzbauer von der Arbeiterkammer Wien erzählt: "Wenn durch lautes, unpassendes Fluchen Kundenverkehr gestört wird, kann dies durchaus Konsequenzen haben. Der Brotverkäufer, der sich beim Aufbacken der Semmeln am Ofen verbrennt, hat allerdings nicht wirklich was zu fürchten. Ein kurzer Fluch ist schließlich auch menschlich.“

Nicht ratsam ist es, in seinem ersten Zorn, und sei er auch noch so gerecht, gegen den Chef loszudonnern. Das ist keinesfalls zulässig und ein Kündigungsgrund, wenn erhebliche Ehrverletzungen fallen. "Sagt man Trottel zum Chef, hat man ein Problem.“ Juristisch trickreich wird es, wenn etwaige Ehrbeleidigungen auf gleicher Hierarchieebene erfolgen. Wird man gegenüber Kollegen verbal ausfällig, prüfen Gerichte den Umgangston im Unternehmen. "Ist der branchenbedingt rüde, kann man damit durchkommen“, so die Expertin.

Erektions- und Potenzstörungen sind weiter verbreitet als man denkt, doch kaum jemand sucht professionelle Hilfe.
#Gesundheit #Sexualität
 

Erektionsstörungen: Das ist bei Potenzproblemen zu tun

Potenzstörungen können jeden treffen und bedürfen grundsätzlich einer …

Die Voestalpine liefert 120.000 Tonnen Bleche für den Bau der South Stream Pipeline von Russland nach Österreich.
#ukraine #south stream #russland #putin #omv
 

Voestalpine ist bei South Stream als Lieferant im Geschäft

Mit dem Gemeinschaftsprojekt South Stream soll russisches Gas nach …

Der japanische Konzern präsentiert auf der IFA die neue Flaggschiff-Reihe Z3. Das Acht-Zoll-Tablet ist ein Angriff aufs iPad mini.
#sony
 

Sony stellt Produkte der Z3-Reihe vor

Sonys Highlights auf der IFA 2014 in Berlin: Das Android-Smartphone …

Im zweiten Quartal machte der Online-Händler Zalando ("Schrei vor Glück") einen kleinen Gewinn. Somit ist auch das ganze erste Halbjahr leicht positiv.
#zalando
 

Zalando: Das kleine schwarze Plus ist erstmals da

Die Berliner rüsten sich immer mehr für den bevorstehenden Börsengang. …