Volkskrankheit Rückenschmerz und was Sie dagegen tun können

Volkskrankheit Rückenschmerz und was Sie dagegen tun können

Rückenschmerz bringt Alltagsqualen und verursacht Kosten. Wie man wieder Herr über seine Bandscheiben und Wirbel wird.

Für gut 500 Menschen kam die Nachricht leider zu spät. Sie trudelten Anfang Juni in der Wiener Stadthalle ein und warteten darauf, dass Klampfenvirtuose Eric Clapton erscheint. Der kam allerdings nicht. Er musste sein Wien-Konzert, obwohl bereits in der Stadt, kurzfristig absagen: die Bandscheibe. Das ist zwar sehr bedauerlich, auch für die 500 Fans, die zu spät von der Absage erfahren hatten, aber jetzt weiß zumindest die Welt, dass auch Gitarrengötter einen Stützapparat haben, der ab und zu andere Stücke spielt.

Eric Clapton ist allerdings nicht allein. Rückenprobleme, ein schmerzendes Kreuz, steifes Genick, verspannte Schultern, klopfende Lendenwirbel oder eben Bandscheibenvorfälle, sind die Volkskrankheit schlechthin. Mehr als zwei Drittel aller Österreicher leiden zumindest einmal im Leben unter akuten Schmerzen am Rücken. Und bei rund 38 Prozent der Patienten, die von chronischen Schmerzen durchs Leben begleitet werden, ist die Wirbelsäule als Hauptschuldiger identifiziert worden.

Ursachenforschung

Elisabeth Preisinger, Vorstand am Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation im Krankenhaus Hietzing, zählt einige der gängigsten Ursachen auf, die Schmerzen an der Hinterseite verursachen können: "Lebensstil und Alter spielen eine wichtige Rolle. Zudem wissen wir, dass Rauchen, Stress, Angst und Depressionen akute Rückenschmerzen auslösen können. Auch Sportarten wie Golf, Joggen oder Schilanglauf können Kreuzschmerzen verursachen - und natürlich auch die Bedingungen am Arbeitsplatz.“

So gesehen darf es niemanden wundern, wenn es einem 68-jährigen Rockstar - der sich gerade im Tourstress befindet, hauptsächlich abends arbeitet und der durch jahrzehntelanges Gitarrenspiel vielleicht sogar einen kleinen Haltungsschaden hat - die Bandscheibe raushaut.

Nur in den seltensten Fällen kommt ein Bandscheibenvorfall aus heiterem Himmel. Meist kündigen sich ernsthafte Probleme der Wirbelsäule lange im Voraus an: Es beginnt mit einem leichten Ziehen im Kreuz, einem kurzen Stechen oder schlicht mit Verspannungen im Schulterbereich. Das alles sind Warnsignale, dass mit dem Stützapparat etwas nicht in Ordnung ist. Statt dem Problem auf den Grund zu gehen, greift man gerne zur Hausapotheke und zum gesundheitlichen Selbstmanagement. "Nur rund 30 Prozent aller Personen, die unter Rückenbeschwerden leiden, kommen überhaupt zum Arzt“, zitiert Gerold Ebenbichler (siehe Interview ), Leiter der Abteilung für Physikalmedizin und Rehabilitation am AKH, aus einer rezenten Schweizer Studie. Ein großer Teil der Betroffenen dürfte das Problem außerdem nach dem Prinzip "ein Indianer kennt keinen Schmerz“ schlicht ignorieren - zumindest solange, bis der Leidensdruck die Angst vor der Diagnose übersteigt.

Bewegungstherapie. Das Patentrezept für einen gesunden Rücken heißt Bewegung. Selbst der beste Bürosessel und der ergonomischste Arbeitsplatz können generellen Bewegungsmangel nämlich nicht ausgleichen. Der Rücken ist dabei erstaunlich genügsam: Schon simple Übungen ohne zusätzliche Trainingsgeräte helfen, die für die Wirbelsäule so wichtige Stützmuskulatur vor dem Abbau zu schützen.

Große Unternehmen setzen bereits auf betriebliche Präventionsmaßnahmen. "Ein kurzes Trainingsprogramm für Rücken- und Bauchmuskulatur steigert Effizienz und vermindert Krankenstände“, so Ebenbichler, "zweimal zehn Minuten pro Tag sind dafür ausreichend.” Indirekte Kosten, die durch chronische Rückenbeschwerden entstehen, werden in Zukunft ein starkes Thema für die Wirtschaft werden. Bis zu 4,1 Milliarden Euro an indirekten Kosten - vorzeitige Rente, Arbeitsunfähigkeit, Ineffizienz am Arbeitsplatz, Produktivitätsausfall - verursacht der chronische Schmerz allein in Österreich. Die Kosten tragen Staat und Wirtschaft. "Rehabilitation und Vorsorge senkt - dazu gibt es Statistiken - auch die Quote der Frühpensionierungen“, so Ebenbichler.

Symptome nicht ignorieren

Wer von seiner Wirbelsäule erste Warnsignale in Form leichter Rückenschmerzen empfängt, sollte unbedingt den Weg zum Arzt einschlagen. Allzu dramatische Diagnosen muss man in den meisten Fällen nicht fürchten. Wichtig ist es jedoch trotzdem, die Ursachen für die Schmerzen korrekt zu identifizieren.

Meist hilft es dann schon, das eigene Sportprogramm etwas nach oben zu schrauben und die veränderten Bedürfnisse zu optimieren. Körperliche Betätigung ist und bleibt nämlich die beste Methode, seinen Bewegungsapparat fit zu halten - und dazu zählt nun mal auch die Wirbelsäule. "Bewegung hat eine Reihe von positiven Nebeneffekten. Von Stimmungsaufhellung bis hin zur Stärkung der körpereigenen Schmerzabwehr”, erläutert Experte Ebenbichler. Das gilt auch für Personen, die bereits an Rückenschmerzen leiden.

"Bewegungsarmut fördert Schmerzen”, unterstreicht auch Physiotherapeutin Nina Fischer. Bei Sport und Bewegung muss man sich jedoch von den Weisheiten vergangener Jahrzehte verabschieden. "Noch immer glauben viele Österreicher, dass ‘es wehtun muss, damit’s was bringt’”, so Fischer. "Das ist natürlich völlig falsch. Bewegung sollte immer im schmerzfreien Bereich stattfinden. Ein unangenehmes Ziehen, etwa bei Dehnungsübungen, ist noch in Ordnung, sobald es aber weh tut, sollte man unbedingt aufhören.”

Die richtige Sportart

Nicht jeder Sport eignet sich aber gleich gut für die Rückenschmerz-Prävention: Sportarten, die zusätzliche Belastungen erzeugen, wie beispielsweise Tennis, Jogging oder Golf sind bei ohnehin angeschlagener Wirbelsäule nicht ratsam. "Generell kann man sagen: Das Schlechteste für den Rücken ist die Beugung bei gleichzeitiger Drehbewegung”, sagt die Physikalmedizinerin Elisabeth Preisinger. Deutlich besser eignen sich Fitnessprogramme, die einen möglichst sanften Bewegungsablauf haben. Dazu zählen unter anderem Schwimmen, Pilates, Nordic Walking, Aqua Jogging und das Fitnesstraining im Studio.

Wenn nichts mehr geht. In manchen Fällen ist Sport allerdings keine Option mehr. Wenn jede Regung schmerzt, muss erst mit anderen Therapiemethoden die Bewegungsfähigkeit wiederhergestellt werden. Wer nun an Operation denkt, liegt falsch: Diese radikalste Form der Therapie wird bei chronischen Rückenschmerzen mittlerweile nur noch in Extremfällen angewandt. Im Jahr 2011 mussten sich 29.395 Österreicher am Rücken operieren lassen. Nur 2.380 davon legten sich wegen der Bandscheibe unters Messer.

In der Schmerztherapie hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. "Invasive Therapien wie Spritzen und Thermostimulation sind nicht die Lösung für den Patienten. Operationen werden vermieden“, so Andreas Sandner-Kiesling, Mitbegründer und Koordinator der "Schmerzplattform Österreich“. Sandner-Kiesling will mit seiner gesundheitspolitischen Organisation die sogenannte multimodale Therapie für chronische Schmerzpatienten nicht nur im Spital sondern auch in den Arztpraxen verankern.

Dieser Therapieansatz ist State-of-the-Art der Schmerztherapie. "Wir setzen auf Interdisziplinarität. Das heißt: Wenn jemand mit chronischen Rückenbeschwerden zum Arzt kommt, stellt nicht eine Einzelperson die Diagnose, sondern ein Team aus Orthopäden, Neurologen, Psychologen, Physiotherapeuten und Anästhesisten. In manchen Fällen werden auch Sozialarbeiter hinzugezogen“, erklärt Sandner-Kiesling das Therapiekonzept.

Biopsychosozialer Lösungsansatz

Der Grund für die wahre Heerschar an Medizin- und Gesundheitsexperten: Die multimodale Therapie setzt ganz auf einen biopsychosozialen Lösungsansatz. Neben dem Körper wird also auch der Geist und das soziale Umfeld eines Patienten auf mögliche Ursachen für seine Beschwerden abgeklopft. "Wenn man versteht, was den Patienten ausmacht und bewegt, erkennt man erst, warum jemand chronische Beschwerden hat,“ so Sandner-Kiesling.

Gerade im Bereich der Rückenschmerzen ist eine möglichst breite Expertenbasis für die Diagnose notwendig. Bisher gehen nämlich rund 80 Prozent aller Rückenschmerz-Patienten ohne klaren Befund von Facharzt zu Facharzt. Vor allem psychische und soziale Ursachen, fallen dabei oft unter den Tisch.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt der multimodalen Therapieform: Gut ein Drittel der Behandlungskosten, die bei Rückenschmerzen durch Medikamente, Untersuchungen und Therapien anfallen, kann man hier einsparen. Und das sind österreichweit immerhin stolze 700 Millionen Euro pro Jahr.

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