"Unternehmen haben die Pflicht, ihr Wachstum mit der Gesellschaft zu teilen"

"Unternehmen haben die Pflicht, ihr Wachstum mit der Gesellschaft zu teilen"

Jerry Greenfield steht an der Tür des Londoner Konferenzraums und breitet seine Arme aus. Das zeltgroße blaue Poloshirt spannt sich wie ein Segel. "Bei mir gibt es heute kostenlose Knuddelumarmungen“, hört man noch, bevor man sich in seinem weichen, warmen Bauchspeck wiederfindet. "Dieser Körper wurde geformt von Eiscreme“, sagt der 61-jährige Amerikaner und grinst bis über beide Ohren. Für Nachschub ist gesorgt: Eis bekommt er jedenfalls lebenslang frei Haus. Der von ihm gegründete Eiskonzern Ben & Jerry’s gehört zwar seit einer feindlichen Übernahme vor zwölf Jahren dem Großkonzern Unilever, Greenfield arbeitet aber weiter für das Unternehmen: als Maskottchen, Hippie und Chefdemagoge.

FORMAT: Herr Greenfield, Ben & Jerry’s hat im Jahr 2009 zur Feier der Präsidentschaft von Barack Obama die Eissorte "Yes Pecan!“ eingeführt. Verkauft sich die Sorte noch gut?

Jerry Greenfield: Nein, wir haben sie schon lange eingestellt.

FORMAT: Oh je, Obama ist zum Ladenhüter geworden?

Greenfield: Nein. Es war stets als vorübergehende Aktion geplant, um die Wahl des ersten afroamerikanischen Präsidenten der USA zu feiern.

FORMAT: Was wäre die passende Geschmacksrichtung für Mitt Romney, sollte er gewinnen?

Greenfield (verzieht gequält das Gesicht): Unsere Firma ist unparteiisch. Wir unterstützen weder Parteien noch Kandidaten.

FORMAT: Und wenn Sie persönlich entscheiden könnten?

Greenfield: Ich persönlich würde Romney nicht unterstützen, und er würde von mir sicher auch kein Eis bekommen. Punkt.

FORMAT: Ihr Geschäftspartner Ben Cohen und Sie haben Ben & Jerry’s im Jahr 2000 nach langem Übernahmekampf an den Großkonzern Unilever verkauft. Seitdem arbeiten Sie beide als Markenbotschafter für das Unternehmen. Welchen Einfluss haben Sie heute noch auf das Geschäft?

Greenfield (formt mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis): Null! Na ja, Ben sagt immer null, ganz so dramatisch ist es nicht. Wir sind zwar in keine Managemententscheidungen eingebunden. Der jetzige Ben-&-Jerry’s-Chef Jostein Solheim mag aber unsere Ideen und lässt uns machen, was wir wollen. Wollen wir nicht mal ein Eis essen?

FORMAT: Sicher.

Greenfield: Prima, wir haben hier drei neue Eissorten. Die haben alle einen flüssigen Kern in der Mitte. Es ist eine Wissenschaft, die richtige Proportion aus Eis und Soße hinzubekommen. Aber Sie haben Glück: Ich hab das geübt. (Löffelt die drei Sorten in einen Becher und reicht ihn rüber.) Lecker, oder?

FORMAT: Stimmt, danke schön. Wieso setzt sich Ben & Jerry’s so für Nachhaltigkeit ein?

Greenfield: Ben und ich glauben, dass Unternehmen eine Pflicht haben, ihr Wachstum mit der Gesellschaft zu teilen, anstatt nur den eigenen Gewinn zu maximieren. Das ist fester Bestandteil unserer Firmenphilosophie.

FORMAT: Hatten Sie diese Philosophie schon im Kopf, als Sie Ihre erste Eisdiele 1978 im US-Staat Vermont eröffnet haben?

Greenfield: Gott, nein. Sie müssen wissen, Ben und ich sind Freunde, seit wir 13 Jahre alt waren. Im Sportunterricht waren wir die Langsamsten und die Dicksten (lacht). Das hat uns zusammengeschweißt. Nach der Schule gerieten unsere Universitätskarrieren beide zum Desaster. Weil wir nichts Besseres zu tun hatten und gern Eis essen (streicht sich schmunzelnd über den Bauch), haben wir den Laden eröffnet. Dass daraus ein Unternehmen wuchs, war für uns auch ein Schock.

FORMAT: Zwei Hippies werden aus Versehen zu erfolgreichen Unternehmern. Klingt wie ausgedacht.

Greenfield: War aber so. Wir haben uns dann eine formale Mission gegeben, mit unserem Erfolg etwas Gutes zu tun. Das war unseren Mitarbeitern nicht leicht beizubringen. Es braucht viel Zeit, ihre Gehirne zu waschen. (Schaut seinen Pressesprecher zweifelnd an.) Vielleicht sollte ich das lieber anders ausdrücken …

Pressesprecher: … viel Zeit darauf verwendet, sie zu inspirieren.

Greenfield: Inspirieren! Das ist es! Genau, jedenfalls war das harte Arbeit.

FORMAT: Sie haben sich zwar erst dagegen gewehrt, Ben & Jerry’s dann schließlich doch für 326 Millionen Dollar an Unilever verkauft. Wie kommen Sie heute mit Unilever klar?

Greenfield: Meine größte Angst war, dass Unilever uns nicht mehr erlauben würde, unsere Meinung zu sagen. Es wäre ein Alptraum, wenn Ben & Jerry’s seine Maßstäbe verloren hätte und zu einem gewinnmaximierten Zombie verkommen wäre.

FORMAT: Der Unabhängigkeitsverlust hat Ben & Jerry’s also nicht geschadet?

Greenfield: So weit würde ich nicht gehen, aber es hat zumindest auch Vorteile. Ben & Jerry’s hat sich beispielsweise verpflichtet, dass 100 Prozent der verwendeten Rohstoffe fair gehandelt sind. Unilever hat diese Vorgabe auch bei vielen anderen Marken im Konzern eingeführt und will insgesamt seinen ökologischen Fußabdruck halbieren. Wir verändern das System jetzt von innen.

FORMAT: Beim Verkauf an Unilever haben Sie es damals zur Bedingung gemacht, dass der Konzern fünf Millionen Dollar an Organisationen Ihrer Wahl spendet. Sie haben sich für radikale Antikapitalisten-Gruppen wie beispielsweise die Ruckus Society entschieden. Diese Gruppe will unter anderem die Weltbank und die Welthandelsorganisation zerstören. Mit anderen Worten, Sie haben Leuten Geld gegeben, die das System kritisieren, das Sie steinreich gemacht hat …

Greenfield (hält sich den Bauch vor Lachen): Stimmt. Lustig, oder?

FORMAT: Geht so. Es wirkt eigentlich mehr schizophren.

Greenfield: Okay, wir konnten die Übernahme durch Unilever nicht aufhalten, da wollten wir wenigstens das Beste daraus machen. Neben der Einmalzahlung von fünf Millionen Dollar hat Unilever sich auch verpflichtet, über einen Zeitraum von zehn Jahren jährlich 1,1 Millionen Dollar an die Ben & Jerry’s Stiftung zu zahlen. Dieses Geld fließt in soziale Projekte, nicht an radikale Gruppen. Das Versprechen hat Unilever vor zwei Jahren übrigens freiwillig verlängert. Alles sehr erfreulich; trotzdem glaube ich, dass globale Großkonzerne zu viel Macht über Regierungen haben. Sie scheren sich nicht um das Gemeinwohl, sondern nur um sich selbst. Deswegen hab ich die fünf Millionen Dollar an Gruppen gegeben, die diese übermächtige Marktmacht bekämpfen.

FORMAT: Obwohl Sie selbst ein Teil dieses Systems sind?

Greenfield: Korrekt. Aber der Unterschied ist, dass ich nicht danach strebe, so reich wie möglich zu werden, sondern einen großen Teil meines Geldes spende. Trotzdem wohne ich in einem schönen Haus, fahre einen Toyota Prius und zahle meinem Sohn das College.

FORMAT: Ben Cohen und Sie haben im vergangenen Jahr die Occupy-Wall-Street-Bewegung finanziell und moralisch unterstützt. Der Protest richtet sich unter anderem gegen Großkonzerne wie Unilever. Wie kam das bei Unilever an?

Greenfield: Das war mit Sicherheit eine Herausforderung für den Konzern. Aber sie haben uns machen lassen. Ich habe großen Respekt für die Occupy-Leute und teile ihre Ansicht, dass der Wohlstand zwischen Arm und Reich ungerecht verteilt ist.

Pressesprecher: Sorry, die Zeit ist um.

Greenfield: Schon? Dabei komm ich doch gerade erst in Fahrt. Eine Frage noch.

FORMAT: Ihr Vater war Börsenmakler. Ist er der Grund für Ihre Abneigung gegen den Kapitalismus?

Greenfield: Gar nicht. Ich hab nie verstanden, was mein Vater überhaupt macht.

FORMAT: Was hat er über Ihre Firmenphilosophie gedacht?

Greenfield: Schwer zu sagen. Er ist früh gestorben und kannte Ben & Jerry’s nur als kleine Firma. Aber meine Eltern waren diese Art Eltern, die glücklich und stolz auf mich waren, egal was ich gemacht habe.

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