"Unser Wirtschaftssystem kommt mir vor wie ein Pyramidenspiel"

"Unser Wirtschaftssystem kommt mir vor wie ein Pyramidenspiel"

FORMAT: Haben Sie schon einmal einem Wirtschaftsmagazin ein Interview gegeben?

Hubert von Goisern: Nein. Es gab zwar viele Anfragen, aber ich finde das irgendwie absurd.

Was finden Sie absurd?

Hubert von Goisern: Ich kenne einige Kollegen, die sich zu politischen oder wirtschaftlichen Belagen melden und wo ich mir denke, hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben.

Aber Ihr Hit „Brenna tuats guat“ wird als Anti-Kapitalismushymne bezeichnet und hat sicher dazu beigetragen, die Stimmung gegenüber dem Agrarsprit E10 zu verschlechtern...

Hubert von Goisern: Ich erzähle in dem Lied ja keine neuen Erkenntnisse, ich habe sie nur in Lied-Form gepackt. Der Umstand, dass das so erfolgreich geworden ist, zeigt, dass die Leute wissen, was da abgeht. Dass es falsch ist, wenn Lebensmittel nicht für Menschen sondern für Maschinen da sein sollen. Und die Menschen verhungern daneben. Ich glaube nicht, dass Lieder die Welt verändern. Aber vielleicht hat es dazu beigetragen, dass sich Landwirtschaftsminister Berlakovich schwerer tut, E10 durchzusetzen.

Würden Sie das Lied auch auf einer Betriebsfeier der Agrana, einem Konzern der Bio-Sprit herstellt, singen wollen?

Hubert von Goisern: Ich spiele für keine geschlossene Gesellschaft.

Ist es in Ihrem Sinn, „Brenna tuats guat“ als Anti-Kapitalismushymne zu bezeichnen?

Hubert von Goisern: Wenn das manche so sehen, mag ich es keinem wegnehmen. Kapitalismus ist so ein Wort, bei dem ich mir denke, das ist ungesund. Wenn man die Welt dem Kapitalismus unterordnen möchte, dann bin ich auf jeden Fall dagegen. Ebenso wie dem Kommunismus, dem Nationalismus und all diesen -ismen. Wenn man sich einer Ideologie so unterordnet, ist man schon am Holzweg, weil alle anderen Ideen ja ausgeschlossen werden. Und das große Potenzial ist ja diese Vielfalt an Ideen, Sichtweisen und Lösungsvorschlägen, die es in der Welt gibt.

War eher die Musik oder der Text der Grund, warum das Lied zum Hit wurde?

Hubert von Goisern: Die beiden Dinge sind gleich wichtig. Es ist ein Aufzeigen der Zustände und Umstände gepaart mit wirklich geilem Groove, sodass man nicht denkt „Uh, wie schlimm ist die Welt“. Es ist die Chance, die Krise zu durchtanzen. Das nehmen die Leute auch gern wahr. Es hat keinen Sinn, den Kopf hängen zu lassen und zu schimpfen. Die Grundstimmung der Unlauterkeit, wo die meisten auf sich schauen und ihre Clique, gehört geändert und ich habe das Gefühl, dass der Wellenkamm überschritten ist. Auch wenn Justiz und Gesetzgebung noch hinten nachhinken. Es wäre wichtig, einige Leute noch hinter Gitter zu bringen oder zumindest aus den verantwortlichen Stellen zu entfernen, nicht zuletzt um den Ehrlichen und Verantwortungsbewussten den Rücken zu stärken.

Glauben Sie, gibt es in Österreich besonders viel Korruption?

Hubert von Goisern: Es ist ein viel schlampigerer Umgang als in Deutschland. Was die Selbstreinigung anbelangt, ist Deutschland vorbildhaft, weil Politiker von ihrem Amt zurücktreten. Es sitzen bei uns Leute in Ämtern, die verurteilt sind und haben die Chuzpe, weiter zu bleiben. Das kann einfach nicht sein.

Wie politisch interessiert sind Sie?

Hubert von Goisern: Nicht mehr als die meisten Leute.

Wählen Sie noch?

Hubert von Goisern: Wenn ich da bin schon, klar. Ich habe auch schon via Briefwahl teilgenommen, aber wenn es recht kompliziert ist, sage ich, auf meine Stimme allein kommt es nicht an.

Sind Sie schon einmal von politischen Parteien gefragt worden, ob Sie ein Amt übernehmen wollen?

Hubert von Goisern: Nein. Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich mit den Grünen sympathisiere und seit vielen Jahren auch Wahlempfehlungen abgebe. Aber ich leide wie wahrscheinlich 90 Prozent der Grün-Wähler darunter, dass sie es nicht noch besser machen. Vieles ist für mich unverständlich. Ich habe mich nach einem Wien-Konzert einmal mit ein paar Leuten von den Grünen getroffen und gesagt, eure Öffentlichkeitsarbeit, wie ihr euch präsentiert, könnte besser sein. Ich habe angeboten, einmal zu einem Parteikongress zu gehen und Feedback zu geben. Aber ich darf nicht.

Weil Sie kein Delegierter sind?

Hubert von Goisern: Weil ich kein Parteimitglied bin und nicht die Hierarchien durchlaufen habe. Das hat mich getroffen. Aber eigentlich sollte ich froh sein, sonst wäre ich vielleicht mehr hineingerutscht als mir lieb ist. Ich möchte nicht Politiker sein, denn ich habe nicht diese dicke Haut, dass ich diese dauernden Angriffe aushalten würde. Ich nehme alles persönlich, jede Kritik. Zu den allerschlimmsten Politikern gehören für mich die Klubobleute, weil die grundsätzlich auf jeden Gegner losgehen, egal ob ein Argument oder eine Idee gut ist oder nicht. Dieser Reflex, jeden anderen als Trottel hinzustellen widert mich an.

Halten Sie das Steuersystem in Österreich für gerecht?

Hubert von Goisern: Ich beschäftige mich nicht sonderlich damit. Ich weiß, dass ich in der höchsten Steuerklasse bin und bereit wäre, mehr zu bezahlen.

Fänden Sie Erbschaftssteuern sinnvoll?

Hubert von Goisern: Ich kenne viele Leute, die sagen, das sei nicht sinnvoll, weil das Schaden anrichtet, den Firmenstandort Österreich gefährden würde und Leute zum abwandern veranlassen würde. Da tue ich mir schwer zu sagen: ich bin für Erbschaftssteuer. Ich würde mir – wie auch zu vielen anderen Themen – wünschen, dass nicht polemische Diskussionen, sondern faktische Informationen angeboten werden würden. Etwa bei der Heeresdebatte. Da bekomme ich zu wenig Informationen als dass ich wirklich abstimmen könnte. Wahrscheinlich geh ich da nicht hin zur Abstimmung, weil ich noch zu wenig weiß. Aber einem Verteidigungsminister, der selber Zivildiener war, nehme ich nicht ab, dass er sich in der Causa auskennt. Das ist, wie wenn mir ein Barfüssiger erklären will, was einen guten Schuh ausmacht.

Sie waren ja kürzlich auf der Wiener Wirtschaftsuniversität. Was meinen Sie, sollten angehende Manager lernen?

Hubert von Goisern: Die Zahl der Wirtschaftsstudenten ist in den vergangenen Jahren weltweit stark gestiegen. Da denke ich mir, was wird dort gelehrt, wenn es trotzdem immer schlimmer wird? Oder ist das System etwa gerade deshalb so krank, weil sich mehr Leute mit der Verteilung von Gütern beschäftigen als mit der Produktion der selben? Ich bin entsetzt, dass Leute, die Wirtschaft studieren, nicht checken, dass es so nicht rennt. Es gibt dieses Bild vom Jordan, der zwei Gewässer speist: den See Genezareth und das Tote Meer. Der eine ist ein fruchtbarer See und das andere ohne Leben. Warum? Weil in das eine Gewässer der Fluss nur hineinrinnt und nichts mehr davon heraus. Das sollten sich die Wirtschaftsstudenten vergegenwärtigen, dass auch ein Geben notwendig ist, nicht nur ein Nehmen. Energie muss fließen. Geld ist Energie und muss fließen. Es hat keinen Sinn, das nur zu horten und sich eine depperte Yacht zu kaufen. Unser Wirtschaftssystem kommt mir vor wie ein Pyramidenspiel. Aber man muss sich klar sein, dass irgendwer zahlen muss, wenn man bei so einem Spiel mitmacht. Ich war in Griechenland und habe mit einer Frau gesprochen, die traurig gesagt hat, jetzt sind diese Programme aus Brüssel eingestellt worden, die in der Vergangenheit geholfen haben. Und ich habe sie gefragt, wo glaubst du, wo dieses Geld herkommt? Sie sagte naiv: Aus Brüssel. Aber dass das irgendwer erwirtschaften muss, wird vernachlässigt.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Geld?

Hubert von Goisern: Da fragen Sie wen, der viel Geld hat. Der tut sich leicht zu sagen, es ist unwichtig.

Sie haben ja andere Zeiten auch durchlebt...

Hubert von Goisern: Existenzielle Ängste gibt es mit Geld und ohne. Die wesentlichen Sachen kann man sich mit Geld nicht erkaufen: Gesundheit kann man sich nicht kaufen, Freunde kann man sich nicht kaufen, Liebe kann man sich nicht kaufen, schöne Tage kann man sich nicht kaufen. Glücksgefühle und Glücklichsein hängen sehr viel damit zusammen, dass man die Dinge annimmt, auch wenn sie nicht so sind, wie man es gerne hätte.

Aber was machen Sie mit dem Geld, das Sie verdienen?

Hubert von Goisern: Ich habe einen Teil angelegt, ein Teil ist auf Sparbüchern, eine Riesensumme ist am Girokonto, weil ich einfach keine Zeit habe, mich darum zu kümmern. Irgendwann werde ich mich damit auseinandersetzen. Ich habe eine großartige Bankbetreuerin, mit der sitze ich zweimal im Jahr zusammen und wir überlegen, was gut und sinnvoll ist. Wenn ich schon Geld anlege, sollen es Dinge sein, für die ich mich nicht schämen muss. Grüne Technologie und solche Sachen. Ich suche nicht die große Sicherheit, aber ich bin auch kein Zocker. Es gibt Aktien, mit denen ich mich identifizieren kann und dann ist mir das Risiko nicht so wichtig.

Wissen Sie, wie viel Geld Sie besitzen?

Hubert von Goisern: Nein. Das Bewusstsein, das ich reich bin, habe ich erst seit höchstens fünf Jahren. Aber ich bin eigentlich seit 20 Jahren ein reicher Mann.

Hat dieses Bewusstsein etwas verändert?

Hubert von Goisern: Nein. Die Zeit, als ich arm wie eine Kirchenmaus war und von der Großzügigkeit meiner Freunde abhängig war, die idealisiere ich jetzt vielleicht etwas. Aber damals hatte ich sehr, sehr viel Zeit. Ich hatte kaum Engagements und habe darunter gelitten, aber dafür hatte ich viel Zeit Freunde zu treffen, zu reden, in die Berge zu gehen. Ich habe in Wien gewohnt und bin mehrmals in der Woche in die Oper gegangen auf einem Stehplatz.

In Wien waren Sie ja auch Schwarzfahrer. Fahren Sie immer noch ohne Fahrschein?

Hubert von Goisern: Nein. Aber ich bin der Meinung, öffentlicher Verkehr sollte eigentlich gratis sein.

Sie haben auch gesagt, es stört Sie nicht, wenn man Ihre Musik illegal runterlädt.

Hubert von Goisern: Ich freue mich über jeden, der meine Musik hört, ob er sie kopiert oder kauft, ist egal. Ich kenne viele junge Leute, die sich Musik runterladen ohne Ende und die meisten Sachen hören sie sich gar nicht an. Das tut dann auch niemanden weh, weil die CD würde der ja auch nicht kaufen. Da, wo die Musik wirklich passiert, das ist ja nicht auf dem Tonträger, das ist im Konzert und dieser Augenblick ist nicht reproduzierbar. Durch diese Verlagerung vom Tonträgerverkauf zu den Konzerten ist für mich ein gesunder Schritt passiert. Wenn die Leute von der Musik leben wollen, müssen sie Konzerte spielen.

Aber das ist anstrengender.

Hubert von Goisern: Naja. Wir spielen heuer hundert Konzerte. Das heißt 265 Tage spielen wir nicht. Man muss nicht Mitleid haben für einen Künstler, der hundert Konzerte im Jahr spielt sondern für die, die keine Engagements haben.

Sie sind ja auch ein kleiner Unternehmer und Geschäftsführer und Mitgesellschafter von Synthakus Musikproduktion. Was macht das Unternehmen genau?

Hubert von Goisern: Ich produziere: Musik, Filmmusik, Konzerte... Es gibt auch seit einem Jahr einen angeschlossenen Verlag.

Macht Ihnen der geschäftliche Teil Spaß?

Hubert von Goisern: Nein, aber ich habe Menschen, die sich darum kümmern, für mich ist das alles ziemlich chinesisch. Ein paar Sachen verstehe ich aber inzwischen schon.

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