Ulrich Seidl erhält in Venedig den Spezialpreis der Jury

Ulrich Seidl erhält in Venedig den Spezialpreis der Jury

Ulrich Seidl ist bei den 69. Filmfestspielen von Venedig für seinen Film "Paradies: Glaube" mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet worden.

Venedig ist ein guter Boden für Ulrich Seidl. Der österreichische Regisseur hat bei den Filmfestspielen für "Paradies: Glaube" wie schon vor elf Jahren für "Hundstage" den Spezialpreis der Jury erhalten. "Ich bin sehr stolz und freue mich sehr", sagte Seidl unmittelbar nach der Preisverleihung. Der Goldene Löwe ging an das südkoreanische Drama "Pieta" von Kim Ki-duk, wie die Jury am Samstagabend bekannt gab. Weitere Hauptpreise erhielt Paul Thomas Andersons "The Master".

"Paradies: Glaube", der zweite Teil von Seidls "Paradies"-Trilogie, hatte im Verlauf des Festivals für den ersten Aufreger gesorgt: Im Mittelpunkt steht eine streng katholische Krankenschwester (Maria Hofstätter), die missionarisch von Haus zu Haus zieht und eine teils masochistische, teils lustvolle Beziehung mit dem angebeteten Jesus unterhält. Dass sich die Frau selbst geißelt und sogar mit dem Kruzifix masturbiert, hat dem Regisseur, Autor und Produzenten Seidl eine Anzeige wegen Blasphemie eingebracht.

"Ich bin der Meinung, dass da nichts dabei herauskommen wird", sagte Seidl. "Aber natürlich ist es schön, dass die Qualität des Films nun vom Festival und von der Jury bestätigt worden ist." Als erster Gratulant stellte sich am Abend ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz ein, der den Filmemacher und sein Team lobte und hinzufügte: "Wir sind stolz, dass wir diese Produktion unterstützt haben." Und auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) hob lobend die Besonderheit von Seidls Arbeit hervor.

Als großer Sieger des Festivals darf sich dennoch der Südkoreaner Kim Ki-duk fühlen. Der 51-jährige Regisseur hatte 2004 für sein Liebesdrama "Bin-jip" bereits den Silbernen Löwen erhalten und wurde nun für "Pieta" mit dem Hauptpreis in Gold gekrönt. Das Werk erzählt von einem brutalen Geldeintreiber in Seoul. Als eines Tages seine angebliche Mutter auftaucht, verändert sich sein Leben. Kim Ki-duk thematisiert dabei die Gier nach Geld und stellt so Fragen nach Moral und Werteverlust.

Gleich zwei Auszeichnungen gingen an das Sekten-Drama "The Master" von US-Regisseur Paul Thomas Anderson. Das Werk wurde mit dem Preis für die beste Regie geehrt. Außerdem teilen sich die beiden Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix den Löwen als beste Schauspieler. Für ihre Leistung in dem israelischen Film "Fill the Void" wurde Hadas Yaron als beste Schauspielerin geehrt. Für den französischen Beitrag "Après Mai" von Olivier Assayas gab es den Preis für das beste Drehbuch.

Die Preise wurden am Samstagabend von der neunköpfigen Jury unter Vorsitz von US-Regisseur Michael Mann vergeben. Schon am Nachmittag waren die Favoriten mit kleineren Preisen bedacht worden. So kürte die internationale Filmkritikervereinigung FIPRESCI Andersons "The Master" zum besten Film, aber auch Seidl war mit dem CinemAvvenire Award ausgezeichnet worden. Für den Regisseur stand am Abend fest: "Es wird mit Sicherheit eine lange und rauschende Nacht werden."

Die wichtigsten Auszeichnungen im Überblick:

• Goldener Löwe für den besten Film: "Pieta" von Kim Ki-duk
• Spezialpreis der Jury: "Paradies: Glaube" von Ulrich Seidl
• Silberner Löwe für die beste Regie: Paul Thomas Anderson für "The Master
• Preis für die besten Schauspieler: Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix für "The Master"
• Preis für die beste Schauspielerin: Hadas Yaron für "Fill the Void"
• Bestes Drehbuch: Olivier Assayas für "Après Mai"

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