Stephen King avanciert neuerdings zum Kritikerliebling – Ein Porträt

Stephen King avanciert neuerdings zum Kritikerliebling – Ein Porträt

In Cester’s Mill ist die Hölle los. Aus unerklärlichen Gründen ist man im beschaulichem Kleinstädtchen von einem Moment auf den anderen vom Rest der Welt abgeschnitten. Eine transparente, schalldichte Kuppel hat sich über die neuenglische Ortschaft gestülpt. Im Schauer des Unerklärlichen kämpfen die Bewohner nun ums Überleben - dass dabei auch dunkle Geheimnisse und Kellerleichen zu Tage treten, hält den grassierenden Alltagswahnsinn in der Ausnahmesituation schön am Laufen.

"Under the Dome“ heißt das dystopische Mystery-Spielchen, das im Juni der amerikanischen TV-Station CBS einen netten Quotenerfolg einbrachte. 13 Millionen Zuschauer sahen dem makabren Treiben (mitunter fallen Extremitäten und Tierkadaver vom Himmel) zum Auftakt zu. Balsam für den TV-Sender, wohl aber auch für Stephen King. Der Horror-Altmeister lieferte nämlich mit "Die Arena“ die Romanvorlage, für die sich Steven Spielberg kurz nach Erscheinen des Buches im Jahr 2009 die Rechte gesichert hat. Der Oscar-Preisträger produzierte das Fernseh-Spektakel auch mit. Die Realisierung einer zweiten Staffel ist jetzt bereits gesichert.

Under the Dome, ab Mi. 4.9., 20.15 Uhr, ORF eins.

Neues vom King

Für Stephen King läuft es zur Zeit also gut. Wobei das bei einem Star-Autor wie ihm relativ ist. Denn der 66-jährige Gruselmeister ist seit Jahrzehnten einer der kommerziell erfolgreichsten und meistgelesenen Gegenwartsautoren. 45 Millionen US-Dollar verdient der unermüdliche Schreiber, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, mit seinen Horrorstorys pro Jahr. Neu ist, dass der Mann, der mit seinem enormen Output die Horrorliteratur maßgeblich geprägt hat, auch von der Kritik den Bauch gepinselt bekommt. Sein aktueller Roman "Joyland“, Ende Juni erschienen, stieß von der New York Times abwärts auf Wohlwollen. Die Geisterbahn eines Rummelplatzes wird dort zum Tatort. Der Horror hält sich dabei in Grenzen, denn tatsächlich erzählt King eine herzenswarme Coming-of-Age-Geschichte um einen kleinen Jungen, der an einer bösartigen Form von Multipler Sklerose leidet.

Dass dies auf lediglich 260 Seiten stattfindet hebelt vor allem einen Kritikpunkt aus: King verfasse langatmiges, nicht sonderlich originelles Geschwafel. Als man ihn vor zehn Jahren gar mit dem "National Book Award“, neben dem Pulitzer-Preis die renommierteste Literaturauszeichnung in den USA, ehrte, griffen skeptische Kritiker in die Vollen: Wie kann man denn nur einem Fabrikanten von Fließbandliteratur, frei von Ästhetik und literarischem Wert, diesen Preis geben? King selbst soll einst zu Protokoll gegeben haben, dass seine Bücher das literarische Äquivalent zu Big Mac und Pommes seien. Also was jetzt? Ist das Lesen seiner Bücher wie ein Besuch im Fast-Food-Restaurant? Ist der Autor ein Massenabfertiger? Ein literarischer Burger-King?

Rekordverdächtig

Tatsache ist, Steven King hält mehrere sehr beeindruckende Rekorde. Er hat über 400 Millionen Bücher verkauft, 40 Romane und mehr als 100 Kurzgeschichten verfasst. Kündigt er ein neues Werk an, gibt es Vorschüsse in Millionenhöhe. Er ist ein Bestsellergarant. 1996 befanden sich unter den 25 meist verkauften Büchern in den USA sieben Werke von King. Und er hüpft unermüdlich auch in anderen Textsorten herum. Novellen, Drehbücher, Gedichte, Essays, Kolumnen und Sachbücher hat der Horrormeister auf seinem Konto. Fragt man ihn, warum er Schriftsteller wurde, gibt es eine schlichte Antwort: "Ich bin für nichts anderes als das Geschichtenschreiben gemacht worden. Ich kann mir nichts anderes vorstellen.“

Story-Pusher

Bis er davon leben konnte, musste er sich Anfang der 1970er Jahre als Englischlehrer und Arbeiter in einer Wäscherei verdingen. Sein Frühwerk, das er Jahre später überarbeitet und unter dem Pseudonym Richard Bachman erfolgreich veröffentlichte, wurde von zahlreichen Verlegern abgelehnt. Das Manuskript zu "Carrie“ fischte dann seine Frau Tabitha, mit der King seit 1971 verheiratet ist, gar aus dem Müll und spornte den von Selbstzweifel geplagten Gatten an, es fertig zu stellen. Der Rest ist Geschichte. Der Verlag "Doubleday“ publizierte das Buch, die "New American Library“ kaufte die Taschenbuchrechte (um 400.000 Dollar) und Brian De Palma verfilmte den Stoff. King war berühmt.

Danach kamen Kommerzkracher wie "Brennen muss Salem“ (1975) und "The Shining“ (1977). Es folgten Publikationen im Jahres-, ja sogar Halbjahrestakt. Unter anderem "Friedhof der Kuscheltiere“ (1983), "Es“ (1986), "Sie“ (1987), und die "The Green Mile“-Serie (1996).

Auffällig dabei: Die Inszenierung der Handlungsstränge baut das Grauen langsam auf, bis der Horror plötzlich ins eigene Haus kommt und die Helden in eine dunkle Welt hineinkippen. Es trifft meist ganz normale Durchschnittsmenschen, die in einer harmlosen Vorstadtwelt in den Mysterienstrudel hineingesaugt werden. Und das Grauen, das abgrundtief Böse verbirgt sich hinter der Fassade des Trivialen. Autos, Polizisten, Bernhardiner, Clowns. Ein nicht allzu kompliziertes Muster, das King zur Perfektion brachte.

In seinem Sachbuch "Das Leben und das Schreiben“ gibt er auch Einblicke in seine Textproduktion. Er sieht eine Sache, sieht eine zweite, verbindet diese in einer interessanten Weise und stellt sich dann die berechtigte Frage, was wäre wenn? Einfach, effektiv und durchaus faszinierend, denn King ist ein hochgebildeter Mann. Intertextualität und die Anzahl popkultureller Verweise in seinen Werken sind hoch. In seinem Werk tauchen Reminiszenzen, Zitate und Anlehnungen an andere Schriftstellerlegenden wie Robert Browning, Edgar Allan Poe oder H. P. Lovecraft auf. Im King-Mixer vermischen sich tradierte Mythen mit Populärkultur, mehr oder weniger subtil garniert mit "Horror“.

Der König privat

Versucht man zu erkunden, woher Kings Faible für den Horror rührt, wird es psychologisch. Als Kind musste er miterleben, wie ein guter Freund von einem Zug erfasst wurde. Sprachlos und im Schock sei King damals nach Hause gekommen. Das Ereignis bohrte eine Lücke in seine Erinnerung, erst später erzählte ihm seine Familie, was geschehen war.

Ansonsten verläuft das Leben des Autors, der bekennender Demokrat ist, der sich zudem in der Anti-Kriegs-Bewegung engagiert hat, aber unspektakulär. Eine obligatorische Alkohol- und Kokainsucht, irgendwie muss man ja einen derartigen Textoutput bewältigen, überwand er mit Hilfe seiner Frau Ende der 1980er Jahre. Und 1999 wurde er von einem betrunkenen Busfahrer gerammt und wäre beinahe gestorben.

King lebt zurückgezogen in der kleinen Stadt Bangor im US-Bundesstaat Maine. Dort wurde er auch geboren. Unbehelligt von der Außenwelt führt er dort sein Kleinstadtleben. Zum Spaß betreibt er eine Radiostation und fällt als lokaler Mäzen auf. So hat er mehrere Stiftungen und spendete der Ortsbibliothek 2,5 Millionen Dollar. Mit seiner College-Liebe hat er drei Kinder. Die beiden Söhne Owen und Joe sind ebenfalls Schriftsteller. Nur seine Tochter schlug ein wenig aus der Art: Sie ist Pfarrerin. Mit seinem Sohn Joe, der unter dem Pseudonym Joe Hill am Buchmarkt unterwegs ist, veröffentlichte King übrigens dieser Tage auch den Roman "Im hohen Gras“ ein - kaum verwunderlich - Horrorschocker. Es wird wohl ein Bestseller werden, was noch das Normalste bei Kings Büchern ist.

Neue Bücher:

Stephen King, „Joyland“
Ein 60-jähriger erinnert sich an seine Jugend. Devin Jones, geplagt von Liebeskummer, will an einem Rummelplatz alles vergessen. Doch in der Geisterbahn beginnt ein grausiger Spuk. King benutzt sein typisches Setting, um eine herzliche „Coming of Age“-Story zu erzählen – Junge im Rollstuhl inklusive. (Heyne) € 19,99

Stephen King & Stewart O’Nan, „Ein Gesicht in der Menge“
King schreibt auch im Team. Hier eine Version von Dickens Weihnachtsgeschichte.“ (rororo) € 12,–

Stephen King & Joe Hill, „Im hohen Gras“
Vater und Sohn (Foto) King geben sich gemeinsam den Horror. Billiger Kommerzschmäh? Vielleicht, dafür erscheint der Grusel in der Wiese nur als e-Book. (Heyne) € 1,99

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