Stadt der Fälscher

Stadt der Fälscher

Ein Picasso für 30 Dollar, ein Van Gogh für 50 Dollar oder doch lieber ein Pollock? Auf den unzähligen Kunstmärkten des kleinen chinesischen Städtchens Dafen wimmelt es nur so von Klassikern der Kunstgeschichte. Fast nichts ist hier echt: Es handelt sich vielmehr um mal mehr, mal weniger aufwendig gestaltete Reproduktionen.

Fast 60 Prozent aller Kunst-Reproduktionen der Welt kommen aus diesem Vorort der chinesischen Hafenstadt Shenzhen. Tausende Maler und Kunsthandwerker produzieren hier Klassiker im Akkord. Kaum einer der Künstler in Dafen hatte vor, sein Leben durch die Massenherstellung von Reproduktionen zu verdienen. Viele hoffen auf den großen Durchbruch mit ihren eigenen Werken. Doch dieser Traum wird nur für die allerwenigsten wahr.

Schule des Kopierens

Was Dafen und seine Künstler zu so hervorragenden Imitatoren alter Werke macht, ist vor allem die künstlerische Ausbildung in China: Werden westliche Kunststudenten meist dazu angehalten, einen eigenen Stil zu entwickeln, lernen Schüler an chinesischen Kunstakademien ihr Handwerk durch die Reproduktion alter Meister. Das Kopieren gilt in China als höchste Form der Wertschätzung und ist daher in keinster Weise verpönt. Die Schüler eignen sich so den Stil Alter Meister an und beherrschen die Kunst der Kopie wie kaum irgendwo sonst auf der Welt.

Han Xinho ist einer dieser Künstler in Dafen. Der 29-Jährige hat Malerei studiert - zwei Jahre auch an der Wiener Kunstakademie. Nach Abschluss seiner Ausbildung zog es ihn aber wieder zurück in seine Heimat Dafen. Im Kunstbetrieb seines Vaters malt er heute fast ausschließlich Auftragsarbeiten.

An den Wänden seines kleinen Ateliers hängen Bilder von Goya. Oder besser: Bilder, die denen von Goya zum verwechseln ähnlich sind. "Alles Auftragsarbeiten“, so Han Xinho. "Ein Kunde aus Kanada hat eine Serie von 25 Bildern bestellt. Alles Goya, und alles sehr düster.“ Für Xinho sind diese Auftragswerke ein lohnendes Geschäft. Fast 12.000 Dollar sind dem Käufer die aufwendig gestalteten und absolut authentisch wirkenden Goya-Gemälde wert.

Xinho gehört damit zu den Großverdienern in Dafen. Er beherrscht vor allem die Stile von Van Gogh, Goya und einigen chinesischen Malern. Diese Fähigkeit bringt ihm mittlerweile sogar kuriose Sonderaufträge ein: "Letztes Jahr malte ich auf Kundenwunsch ein Ölgemälde von Barack Obama im Stil eines Selbstportraits von Van Gogh. Inklusive Verband und abgeschnittenem Ohr.“

Dass seine hochwertigen Reproduktionen einmal auf einer Auktion als Originalwerke auftauchen könnten, bezweifelt Xinho: "Ich verwende moderne Farben und moderne Leinwand - das würde einem Sachverständigen bei einer genaueren Untersuchung schnell auffallen.“

Nicht jeder Künstler in Dafen hält sich jedoch an die Spielregeln der Reproduktionskunst - und der Schritt von der legalen Kopie zur Fälschung ist nicht weit.

Künstlerisches Erwachen

Besonders begehrt sind in Dafen seit einigen Jahren "Originale“ chinesischer Künstler. Die Art und Weise, wie alte chinesische Malereien angefertigt wurden, erlaubt es den Fälschern, eine besonders clevere Fälschungstechnik anzuwenden: Chinesische Malereien wurden oft auf langen Reispapier-Rollen mit Tusche aufgetragen. Das Reispapier besteht dabei aus vielen übereinanderliegenden Schichten, die von der Tusche komplett durchdrungen werden. Mit ruhiger Hand und viel Erfahrung können Fälscher die Reispapierschichten voneinander trennen und ein Original so vervielfältigen. "Was ist dann das Original, was die Fälschung?“, fragt auch Harry Shuang, Experte für traditionelle chinesische Kunst am archäologischen Institut in Taiwan. "Dieses ‚Splitting‘ kann mit technischen Hilfsmitteln nicht wirklich festgestellt werden.“

Besonders dramatisch ist die Fälschungssituation auch bei chinesischem Porzellan. "Hier gibt es ein Wettrüsten zwischen Gutachtern und Fälschern“, so Shuang. Gefälschte Porzellan-Vasen werden laut Shuang beispielsweise mit Ton hergestellt, der händisch aus derselben Grube abgebaut wird, die schon für die kaiserlichen Porzellangefäße verwendet wurde. "Da läuft eine chemische Analyse ins Leere, da die Zusammensetzung des Porzellans natürlich stimmt.“ Auch bei der handwerklichen Verarbeitung, dem Bemalen, der Glasur und sogar beim Brennen setzen clevere Fälscher auf absolute Authentizität. Sie arbeiten mit exakt denselben Werkzeugen, die Künstlern in der angepeilten Epoche zur Verfügung standen.

Altern mit Röntgenstrahlen

Um Gefäße altern zu lassen, verwendet man einen Trick: Man legt Vasen unter ein Röntgengerät. Je länger das Objekt der Strahlung ausgesetzt wird, desto älter erscheinen Porzellan und Glasur bei einer Analyse. Fälscher können aber schon mal übers Ziel hinausschießen, wie Shuang erzählt: "Wir hatten eine Vase im Stil der Qing-Dynastie um 1800 zur Untersuchung im Labor. Das Alter wurde nach gängiger Analysemethode mit 7.000 Jahren angegeben. Das ist natürlich unmöglich.“

Die in den letzten Jahren rasant gestiegene Nachfrage nach chinesischen Meisterwerken bringt Chinas Auktionshäuser allerdings zunehmend unter Druck. Der Bedarf an alten Kunstwerken und Antiquitäten wächst von Jahr zu Jahr - doch das Angebot ist begrenzt.

Mehr Siegel, mehr Wert

"Wir haben den Eindruck, dass bei vielen Auktionen der Veranstalter schon mal wegsieht, wenn alte, bisher unbekannte Werke renommierter chinesischer Maler plötzlich auftauchen“, vermutet Frederic Schneider, Kunstsachverständiger für chinesische Malerei. "Nicht selten wird auf eine detaillierte chemische Analyse verzichtet, aus Angst, um den Auktionsprofit gebracht zu werden.“ Schneider sind sogar einige Fälle bekannt, wo Auktionshäuser selbst dem Wert eines Gemäldes etwas auf die Sprünge geholfen haben sollen: "Sie versehen die Werke schlichtweg mit einem Siegel des chinesischen Kaisers - schon kann sich der Wert eines Objektes vervielfachen.“

Eine sichere Methode zur Erkennung von Fälschungen gebe es heute nicht mehr, so Schneider. "Auch wenn ich damit vielleicht meinen eigenen Berufsstand schlecht mache: Mit einer künstlerischen und kunsthistorischen Bewertung eines Bildes kann man gute Fälschungen heute nicht mehr entlarven. Die Fälscher verstehen ihr Handwerk.“ Die einzig wirklich sichere Methode ist eine teure und langwierige chemische und physikalische Analyse in einem Speziallabor. "Da wünsche ich dann aber viel Spaß,“ so Schneider. "Unser Labor ist bis April ausgebucht - April 2015.“

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