"Shades of Grey" - Hardcore-Pilcher

"Shades of Grey" - Hardcore-Pilcher

Die Welt hat einen neuen Erotik-Bestseller. Der schwülstige Sadomaso-Porno "Shades of Grey" der Britin E. L. James hat sich in den USA über zehn Millionen Mal verkauft. Am 9. Juli kommt „Geheimes Verlangen“ auf Deutsch auf den Markt. Michaela Knapp fragt sich, warum das fesselnde Lektüre sein soll.

Gleich vorweg: Ich kann nicht nachvollziehen, warum Frauen auf Erotik- Fiction und Fantasy-Storys stehen. Aber eine aktuelle Studie der US-Wissenschaftler Sai Gaddam und Ogi Ogas belegt, dass sich Damen im Netz vor allem auf Portalen für erotische Kurzgeschichten und Liebesromane herumtreiben. Seiten wie AdultFanFiction stehen hoch im Kurs. Und während Männer als Netz-Stimulanz Bilder von Sekretärinnen oder Krankenschwestern bevorzugen, hat die Weiblichkeit einen Hang zum klassischen Alphatier, also Arzt oder leitender Manager. So gesehen, hat die britische Autorin E. L. James alles richtig gemacht.

Inspiriert von der Vampir-Erotik-Trilogie „Twilight“, hat die 49-jährige TV-Redakteurin und zweifache Mutter gegen die eigene Midlifekrise eine deftige Erotik-Fiction-Trilogie ins Netz gestellt. Die Sadomaso-Einsteiger-Story rund um die Fesselspiele der 21-jährigen jungfräulichen Studentin Anastasia Steele mit dem reichen, dominant veranlagten 27-jährigen Telekom-Unternehmer Christian Grey wurde zum Geheimtipp und kam als „Fifty Shades of Grey“ auf den Buchmarkt. In den USA hat sich die SM-Fabel über zehn Millionen Mal verkauft und ist vor allem via Download für E-Reader bei erfolgreichen, gebildeten Karrierefrauen zwischen 30 und 40 zum „Mummy-Porno“ avanciert. „Noch nie haben Amerikas Kinder ihre Mütter so intensiv lesen sehen“, kommentierte die „New York Post“ zynisch.

In Großbritannien steht „Fifty Shades of Grey“ sogar vor „Her Majesty the Queen: Diamond Jubilee“ auf der Bestenliste und löste „Harry Potter“ als schnellstverkauftes Buch der Geschichte ab. Selbstredend ist bereits ein Film in Vorbereitung, bei dem Angelina Jolie Regie führen soll. Und natürlich hat sich die clevere Autorin E. L. James, mittlerweile selbst Millionärin, auch die Lizenzrechte für „Fifty Shades“-Sexspielzeuge und -Unterwäsche gesichert.

Der Prinz mit der Peitsche

Am 9. Juli erscheint der erste Band der Trilogie unter dem Titel „Geheimes Verlangen“ bei Goldmann auf Deutsch. Bereits nach den ersten Seiten der Selbstfindungsschmonzette fragt man sich, was daran derart fesselnd sein soll. Man hat seinen de Sade gelesen und Sacher-Masochs „Venus im Pelz“, kennt AutorInnen von Anaïs Nin über Cathérine Millet bis zu Charlotte Roche, die sich mit körperlichem Verlangen auseinandergesetzt haben. Auf höchst unterschiedliche Weise und durchaus sprachlich radikal.

E. L. James’ Sex-Seller hingegen ist ein Sadomaso-Märchen, literarisch nicht weit von Rosamunde Pilcher entfernt. Bloß dass die junge Protagonistin hier auf den Prinzen mit der Peitsche wartet. Das Happy End der Trilogie wird bereits im Klappentext versprochen: „Am Schluss sind sie zusammen, haben Liebe, Leidenschaft, Intimität, Reichtum und eine Welt unendlicher Möglichkeiten“.

Der Inhalt im Schnelldurchlauf: Unberührte Studentin lernt bei einem Interview den 27-jährigen Tycoon Christian Grey kennen, einen millionenschweren, dominanten Alphamann, dessen höchste Lust es ist, Frauen zur Hörigkeit zu verführen. Und weil er so überzeugende Sätze wie „Ich schlafe nicht mit jemandem. Ich ficke – hart“ im Talon hat, lässt sie sich auch sexuell versklaven. Freiwillig und unter größter Lustempfindung. Da werden alle Sexualpraktiken und Fantasien aus der BDSM-Ecke (die Anfangsbuchstaben der Begriffe Bondage, Discipline, Submission und Masochism) abgearbeitet. Wie weit es gehen kann, wird gleich im ersten Band zwischen den beiden Protagonisten vertraglich fixiert.

Aber auch nach den gesamten 600 Seiten der repetitiven schwülstigen Prosa, die tatsächlich zum Zuschlagen anregt, fragt man sich, was auch international Psychologen, Feministinnen und Entwicklungspsychologen Rätsel aufgibt: Warum kommt „Fifty Shades of Grey“ derart gut bei gebildeten Frauen an? Eine Frage, die von der „New York Times“ über sämtliche TV-Sender bis zum Fachblatt „Psychology Today“ Diskussionen antreibt: Entsprechen diese Unterwerfungsfantasien tatsächlich den Bedürfnissen der modernen Frau?

Gern wird dann auch auf aktuelle Sexualstudien verwiesen, wonach es vor allem die Frauen sind, die das Besondere im Bett suchen: Spiele, Fantasien, explizites Gerede. 60 Prozent möchten ihr Liebesleben mit „etwas Neuem“ würzen. Eine New Yorker Kulturwissenschaftlerin unterstreicht, dass Frauen zwar Gleichstellung und Macht wollen, aber „nicht immer und überall“. Gerade Karrierefrauen hätten ein wachsendes Bedürfnis, zumindest im Schlafzimmer die Kontrolle abzugeben. Man hat den Eindruck, SM hat sich vom Nischenthema längst zum Trend entwickelt. Aber nur fünf Prozent der Bevölkerung üben tatsächlich Sexualpraktiken aus, die mit Lust an Schmerzen in Verbindung stehen. Darunter allerdings bevorzugt Akademiker oder leitende Angestellte. Psychologen bestätigen SM-Anhänger als glückliche Menschen, die mehr im Einklang mit sich selbst stehen, weil sie etwas Ungewöhnliches mögen und sich gut dabei fühlen.

Realitätsschock

Ob „Fifty Shades of Grey“ auch in Österreich solch geheimes Verlangen auslösen wird wie in den internationalen Onlineforen, wo die LeserInnenschaft ihre Begeisterung austauscht und schildert, wie die Lektüre der Bondage-Bände die eigene Lust entfesselt hat, ist zu bezweifeln. Aber träumen wird man noch dürfen. Wer möchte nicht in den siebenten Himmel gevögelt werden? Der Realitätscheck könnte allerdings einen Schock auslösen: Wenn alle Frauen zwischen Bregenz und Rust darauf warten, dass ihr Schatzi endlich zum Tier wird, oder sich nach dem Manager-Prachthengst sehnen, wird’s eng werden: Hand aufs Herz, wie viele 27-jährige gut gebaute, gebildete wie charmante CEOs mit Schmäh und Helikopter kennen Sie? In der Regel bleibt es beim Sparkassenchef von der Filiale Zwettl Süd.

Einen praktischen Tipp kann man aus der Do-it-yourself-Sadomaso-Saga allerdings mitnehmen. So manches zur Triebbefriedigung findet sich im Baumarkt: Kabelbinder, Kreppband, Naturfaserseile … Also ab mit den Männern in die nächste Heimwerker-Filiale. Bekanntlich gibt es immer was zu tun.

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