Sansibar: Religiöser Hass und Flammen im Inselparadies

Sansibar: Religiöser Hass und Flammen im Inselparadies

Es geschieht an einem lauen Mai-Abend unweit von Stone Town, der historischen Hauptstadt der Tropeninsel Sansibar. Bischof Dickson Kaganga arbeitet noch in seinem Büro, als er plötzlich lautes Geschrei hinter der Umzäunung seiner Kirche hört.

Wenige Minuten später brechen etwa 200 Angreifer das Tor auf und stürmen in das kleine Gotteshaus. Sessel und Musikinstrumente werden aufgehäuft und mit Kerosin überschüttet. Dann steht die Kirche in Flammen.

"Ich hatte Todesangst und habe mich in meinem Büro eingesperrt", erinnert sich der katholische Geistliche. Er blieb unentdeckt und überlebte. "Sie riefen in lauten Sprechchören: "Wir wollen keine Christen!" und "Wir wollen keine Union!"", sagt er.

Letztere Parole ist seit einiger Zeit immer häufiger auf den Inseln Unguja und Pemba zu hören, aus denen sich das Sansibar-Archipel zusammensetzt. Dabei geht es um die Zugehörigkeit der Inseln zum Festland, die viele als veraltet und aufgezwungen empfinden. Es war 1964, als das damalige Tanganjika die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte und mit Sansibar zur "Vereinigten Republik Tansania" verschmolz. Lange Zeit ging das gut. Aber nun werden kritische Stimmen immer lauter. Einige sind überzeugt, dass Gewalt der beste Weg ist, um sich Gehör zu verschaffen. Die Hintergründe sind vor allem religiöser Natur: Während Tansania etwa zu gleichen Teilen christlich und muslimisch geprägt ist, ist die Bevölkerung auf Sansibar zu über 95 Prozent muslimisch.

Hinzu kommen Drogen: "Der Heroin-Konsum unter Jugendlichen ist auf Sansibar stark gestiegen, und die Arbeitslosenquote ist extrem hoch", erläutert Dadi Kombo Maalim, der Präsident der örtlichen Jugendvereinigung. Schätzungen zufolge sind fast 80 Prozent der unter 30-Jährigen ohne Job. Sie suchen einen Schuldigen für ihre desolate Situation - und haben die Christen zum Sündenbock erkoren. "Die Muslime wollen uns ihren Lebensstil aufzwingen", sagt Kagangas Assistent Solomon Mwale. "Man spürt förmlich die Gefahr." Und die ist real.

Bomben in der Kirche

Unbekannte hatten schon während der Neujahrsmesse 2012 eine selbstgebastelte Bombe in Kagangas Kirche geworfen. Glücklicherweise explodierte sie nicht. "Sonst wären wir alle tot gewesen, auch meine Frau und meine drei Kinder." Drohbriefe gehören ebenfalls zu seinem Alltag. "Dieses Haus wird Dein Grab sein", steht da zu lesen, und: "Wir werden Dich umbringen." Im Februar wurde klar, wie ernst diese Warnungen gemeint sind: Ein Kollege des Bischofs wurde auf offener Straße mit einem Kopfschuss getötet.

Ein politischer Beobachter, der namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt: "Die Muslime denken, dass die Christen sie missionieren wollen." Die Religionsfrage sei derzeit eine Riesen-Bedrohung für sein Heimatland. Ein Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist "Uamsho". Das suahelische Wort bedeutet "Erwachen". Dahinter verbirgt sich eine Gruppe junger Muslime, die keinen Hehl aus ihren Hass auf das Festland macht.

"Etwa zu der Zeit, als die Kirche 2012 angezündet wurde, hatte sich Uamsho gerade formiert", sagt Assistent Mwale. "Ich glaube, dass diese radikale Gruppe dahintersteckt." Festnahmen gab es allerdings nicht. "Wir suchen aber weiter", wiegelten die Behörden ab.

Jüngstes Beispiel für die aufgeladene Atmosphäre: In der vergangenen Woche kam es zu einer Säureattacke auf zwei 18-jährige Britinnen. Sie spazierten am frühen Abend durch das Weltkulturerbe von Stone Town, als die Täter ihnen von einem Motorrad aus ätzende Flüssigkeit ins Gesicht schleuderten. Ob die Attacke religiös motiviert war, ist bisher unklar.

Immerhin wurde nun die Polizei aktiv und setzte eine hohe Belohnung für Hinweise auf die Täter aus. Denn die Gewürzinseln im Indischen Ozean sind alljährlich Ziel Hunderttausender Urlauber. Sansibar lebt vom Tourismus. Wenn diese Einkommensquelle versiegt, ist die Wirtschaft am Boden.

Wohl deshalb fand nun auch der tansanische Präsident Jakaya Kikwete deutliche Worte und verurteilte die Tat als "Schande für unser Land". Ismail Jusaa, ein Mitglied des Parlaments von Sansibar, bezeichnete den Anschlag gar als "Sabotageakt" und meinte: "Wer das getan hat, der wollte Sansibar und seine Menschen verletzen." Er forderte unter anderem erhöhte Polizeipatrouillen und Überwachungskameras.

Kaganga meint, so könne man zwar die Symptome der Unruhen bekämpfen, nicht aber die Ursachen. Er spricht sich deshalb ganz klar für eine Abspaltung Sansibars aus. "Ich bete dafür, dass die Union zerbricht, wenn wir sie nicht reparieren können", sagt er. "Ich möchte nicht, dass meine Kinder und meine Enkel irgendwann wie Aussätzige durch die Straßen Sansibars laufen müssen."

Hat er Angst? "Soll ich ein Loch graben und mich darin verstecken?", fragt der Priester lächelnd. "Nein, ich bin ein Mensch und muss eines Tages sterben. Aber ich gehe hier nicht weg."

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