Rechtsextreme in griechischen Klassenzimmern

Rechtsextreme in griechischen Klassenzimmern

Schließlich rief ein Abgeordneter der rechtsextremen Partei "Goldene Morgenröte" Schüler bei einem Besuch im Parlament zum Widerstand gegen "Linksterrorismus" auf.

Das Bildungsministerium in Athen ist alarmiert. Es müsse unverzüglich gehandelt werden, sagt Vize-Bildungsminister Theodoros Papatheodorou. Noch seien es sporadische Versuche der Rechtsextremen, Schulen zu infiltrieren und Lehrer wie Schüler einzuschüchtern.

Der Redakteur der in Athen erscheinenden afrikanischen Zeitschrift "Asante", Nikodemos Maina Kiniua, sieht die Lage noch dramatischer: An vielen Schulen gebe es "organisierte Banden, die ausländische Schüler und deren Eltern schikanieren. Noch handelt es sich um verbale Gewalt, die aber jederzeit in physische Gewalt umschlagen kann", sagt der in Kenia geborene 35-Jährige. Das griechische Bildungssystem biete einen fruchtbaren Boden für den Einfluss der Neonazis. "Das vorherrschende Konzept in den Schulen ist, dass die Griechen alles erfunden haben zu einer Zeit, als der Rest der Menschheit noch auf Bäumen saß."

Seit der Wahl im Juni sitzen 18 Abgeordnete der "Goldenen Morgenröte" im griechischen Parlament. Der Ärger über die etablierten Parteien, die für Misswirtschaft und Korruption verantwortlich gemacht werden, bringt den Neonazis Zulauf. Umfragen zufolge unterstützen derzeit zehn Prozent der Griechen die rechtsextreme Partei.

Um einen Vormarsch der Neonazis in den Schulen zu verhindern, plant das Bildungsministerium eine "Beobachtungsstelle für Gewalt an Schulen". Vize-Minister Papatheodorou setzt außerdem auf einen neuen Unterricht in Gemeinschaftskunde, der "soziale Verantwortung, Toleranz und Respekt der Verschiedenheit" lehrt.

Auf der Insel Lefkada schritt die Schulbehörde vergangenen Monat bereits ein. Sie machte die von Rechtsextremen in Gang gebrachte Versetzung einer Vorschullehrerin rückgängig, die das Klassenzimmer vor dem Nationalfeiertag mit griechischen und albanischen Flaggen dekoriert hatte. Gegen den Direktor eines Athener Gymnasiums wurde ein Disziplinarverfahren eröffnet, nachdem er Schülern mit Ordnungskräften der "Goldenen Morgenröte" gedroht hatte.

"Solche Drohungen sind stark in Mode", sagt eine Athener Lehrerin, die anonym bleiben möchte. Sie selbst musste sich kürzlich von drei Schülern ihr gewerkschaftliches Engagement vorwerfen lassen. "Das Schlimmste daran ist, dass zwei Drittel meiner Kollegen den Vorfall als eine vertretbare politische Auseinandersetzung betrachteten", sagt die Lehrerin.

Andere Lehrerinnen und Lehrer sind inzwischen in "antifaschistischen" Kampagnen aktiv. Eine von ihnen ist Artemis Kalogiri, die in einem Gymnasium im Athener Arbeiter-Vorort Kallithea Griechisch unterrichtet. Es sei ein ständiger Kampf, die Denkweise und das Verhalten der Neonazis aus der Schule herauszuhalten. "Besonders Jugendliche aus armen Familien werden rekrutiert und bekommen von der 'Goldenen Morgenröte' eine theoretische und paramilitärische Ausbildung", sagt die Lehrerin.

Die meisten dieser Jugendlichen wollten die Welt verändern, sagt Kalogiri. "Sie betrachten die extreme Rechte als Garantin des Hellenismus und Verteidiger gegen einen drohenden Zerfall, für den sie auch die Einwanderer verantwortlich machen." Die meisten dieser Jugendlichen wollten nach der Schule zur Polizei oder zur Armee.

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