Multimilliardär Richard Branson stattet Wien heute einen Besuch ab – Ein Porträt

Multimilliardär Richard Branson stattet Wien heute einen Besuch ab – Ein Porträt

Dieser Mann passt in keine Schublade - und zieht eine nach der anderen auf. Er trägt Pamela Anderson auf Händen und steckt sich Goldie Hawns Ehering an den Finger, sodass er runtergeschnitten werden muss. Er will mit Nelson Mandela den zweiten Irak-Krieg abwenden und fliegt in Eigenregie britische Geiseln aus. Boulevard-taugliche PR-Posen und Weltrettungsambitionen - Richard Branson bringt das unter einen Hut und ist dabei auch noch glaubwürdig.

Der 63-jährige Brite ist Freak, Familienmensch und Serienunternehmer, der einen 25-Milliarden-Dollar-Mischkonzern mit über 400 Ablegern und 50.000 Mitarbeitern regiert. Prall gefüllt ist seine Privatschatulle mit 4,6 Milliarden Dollar, keine schlechte Bilanz für einen Schulabbrecher mit Legasthenie, dem ein Lehrer prophezeit hatte, entweder im Gefängnis zu landen oder Millionär zu werden. Geschafft hat er beides.

Der rote Faden in Bransons Unternehmerbiografie ist ein unerschütterliches Selbstvertrauen (mütterlicherseits antrainiert), gepaart mit Neugier, hoher Risikobereitschaft und einer charmanten Portion Schlitzohrigkeit. "Meine Mutter hat immer gesagt, dass man etwas investieren muss, um Geld zu verdienen“, sagt Branson. Das mütterliche Startkapital 1966 waren vier Pfund, die er in Briefmarken und Telefonate investierte, um Anzeigen für seine erste Gründung, das Magazin "Student“, zu keilen. Dank Stimmbruch merkten die Werbeleiter nicht, dass hier ein 15-jähriger in der Telefonzelle stand. Nach zwei Jahren hatte er den Dreh heraus. "Ich spielte Coca-Cola gegen Pepsi aus und erzählte dem Werbeleiter der Lloyds Bank, dass Barclays auf der inneren Rückseite werben würde. Erstaunlicherweise funktionierte das.“

Trotz Interviews mit Jean-Paul Sartre, John Lennon und Vietnam-Kriegsreportagen wurde das Projekt nicht profitabel, brachte ihn aber auf neue Ideen. Branson und sein Kompagnon waren die ersten, die in England Schallplatten über den Versandhandel verkauften. Als ein Poststreik den neuen Zweig auszutrocknen drohte, überredeten die beiden einen Schuhhändler in bester Lage, ihnen seine Freifläche zu überlassen und eröffneten dort den ersten Plattenladen, wo junge Leute, auf Pölstern liegend, Platten hören konnten, bevor sie sie kauften. Der Grundstein zum Musikimperium war gelegt, für die blutigen Anfänger der Name "Virgin“ die passende Marke.

Die Idee, als Produzent einzusteigen, keimte, und mit dem heute legendärem "Tubular Bells“-Album von Mike Oldfield hatte Branson einen guten Riecher bewiesen. "Das war aber kein Glücksfall, wie ein Portemonnaie auf der Straße zu finden“, verteidigte er sich später. Weil Oldfield zu schüchtern für Promotion war, produzierte Branson ein Musikvideo, das den Durchbruch erst ermöglichte. Gemütlich die eine fette Kuh zu melken, war aber keine Option. So verkauften die Gründer ihre Autos, kündigten einige Künstler und setzten alles auf einen Deal, der Virgin Records endgültig zum Durchbruch verhelfen sollte - den mit den Sex Pistols. Später folgten viele große Namen, von den Stones bis zu Sting. Damals ging Branson "zu Recht“ ins Gefängnis, für einen Steuertrick, der aus heutiger Sicht rührend wirkt. Er importierte "zollfreie“ Schallplatten aus Belgien, die er vorher selbst außer Landes gebracht hatte.

Als er 1984 ins Airline-Geschäft einstieg, glaubte kein Mensch, "dass es uns länger als ein Jahr geben würde“, erinnert er sich in seiner Biografie "Geht nicht, gibt’s nicht“. Niki Lauda erinnert sich noch gut an ein Gespräch: "Er hat mich gefragt, was man einem Piloten zahlen muss. Er hatte keine Ahnung, aber er hat es nicht schlecht gemacht.“ Menschen sicher durch die Welt zu fliegen und in einen aufgeteilten Markt einzusteigen, war eine größere Nummer, als auf einem Hausboot mit Rockstars zu dealen. Den ersten Jumbo lieh sich Branson von Boeing und feilschte, wie es Lauda nicht besser hätte können. Es ist einfacher, eine ganze Flotte an eine US-Fluggesellschaft zu verkaufen, als einen Jumbo an Virgin, beschwerte man sich danach bei Boeing.

Keine Banker

Wer im illuster-glamourösen Freundeskreis Bransons nicht vorkommt, sind Banker. Das Verhältnis zur Londoner Finanzszene war stets gespannt, was bei dem risikofreudigen Führungsstil wenig Wunder nimmt. "Ob er verrückt geworden sei, die viertgrößte Plattenfirma zu verkaufen, um die 25-größte Airline zu gründen“, fragte ihn ein Investmentbanker 1987. Branson musste das "Familiensilber“, Virgin Music, an EMI verkaufen. Die Banken hatten kein Vertrauen in den Geschäftsgang, die Virgin-Aktie war am Boden. Branson brauchte die halbe Milliarde Pfund aus dem Verkauf dringend, um sich für den Konkurrenzkampf gegen British Airways aufzumunitionieren. "Was British Airways abzog, lief nicht mehr unter gesunder Konkurrenz, das waren schmutzige Tricks“. Als ihm British-Airways-Techniker ein Flugzeug mitten in der Saison 16 Tage lahmlegten und die Strebepfeiler am Pylon verkehrt herum anschweissten, beschwerte er sich beim British-Airways-Boss, dass so ein fahrlässiges Verhalten zu einem Absturz hätten führen können. "Das ist eine der Gefahren im Luftfahrtgeschäft. Wären Sie bei der Popmusik geblieben, hätten Sie dieses Problem nicht gehabt.“

Ein Steilvorlage für Branson, um die Konkurrenz mit unkonventionellen Ansätzen - Bars an Bord, Kosmetikservice in der "Upper Class“ - auszustechen. Die Werbepunkte gingen stets an Virgin, Branson ist ein Marketinggenie, das aus dem Rahmen fällt. Als er bei einer Ballonfahrt über den Atlantik wieder einmal Schiffbruch erlitt, schaltete Virgin Inserate: "Mensch, Richard, es gibt bessere Möglichkeiten über den Atlantik zu fliegen“.

Transatlantische Verbindungen sind Tagesgeschäft, aber Branson arbeitet mit dem Ableger "Virgin Galactic“ seit zehn Jahren auch am Weltraumtourismus. Der "Bahnhof” in New Mexico steht, das Innendesign des Fliegers kommt unter anderem von Philippe Starck, der Bransons Auge auf den Flieger hat applizieren lassen. Als Testimonial karrte Branson vor Jahren Niki Lauda nach Abu Dhabi: "Ich habe gesagt, dafür will ich gratis mit dem Ding fliegen. Erst hieß es: ja, ja. Dann sollte das plötzlich 100.000 Dollar kosten,“ ärgert sich Lauda: "Da kann mich Branson vergessen, ich habe für ihn Werbung im Wert von 300.000 Dollar gemacht.” Hier sind zwei knallharte Rechner zusammengekommen. Noch heuer will Branson mit seinen Kindern und der 90-jährigen Mutter den Jungfernflug im SpaceShipTwo antreten.

Ein Drittel der Zeit verbringt er mit Werbekampagnen, ein Drittel mit neuen Unternehmen, ein Drittel mit "Brandbekämpfung“, sagt er. Die Grenze zwischen Scheitern und Erfolg hat er oft passiert. Das imponiert Lauda: "Er geht hohes Risiko ein, das taugt mir. Von zehn Projekten sind sechs super, der Rest ein Flop.“

Die Fehlschläge quittiert Branson mit britischem Humor. "Warum hat Virgin Brides nicht funktioniert,“ wird er auf einer TED-Konferenz gefragt - "Wir haben keinen Kunden gefunden“. Und das mit den Kondomen? "Das haben wir gelassen, nachdem mir eine Dame Babyfotos zugeschickt hat.“ Um nicht noch mehr Taufpatenschaften übernehmen zu müssen, überlässt er die Aufklärung wieder gemeinnützigen Organisationen, die er in Vielzahl unterstützt.

Branson hat viele Lektionen lernen müssen, durfte ein paar sogar korrigieren. Große Befriedigung hat ihm der Abgang von der Börse verschafft. Nachdem er die Privatanleger nicht hängen lassen wollte, trieb er 182 Millionen Pfund auf, um ihnen das Investierte zurückzugeben. Der Tag, als Virgin wieder privat war, "war wie das Landen nach einem Rekordversuch mit einem Rennboot oder Ballon. Ich war wieder Kapitän und Herr über mein Schicksal.“

Anzeichen von Ermüdungserscheinungen sind bei Branson nicht erkennbar. Genetisch fühlt er sich prädisponiert für ein langes Leben und will sich in den kommenden Jahrzehnten für eine bessere Welt engagieren. Mit Peter Gabriel hat er 2007 den politischen Weisenrat "The Elders“ mit echten Kapazundern gegründet (Bild links). Und seit Al Gore ihm 2006 ein Privatissimum in Sachen Klimaerwärmung gab ("Gore hat mich vom Saulus zum Paulus gemacht“), hat er sein grünes Gewissen entdeckt.

Branson investiert mit dem Virgin Green Fund Hunderte Millionen in Umweltprojekte und versucht sein Virgin-Imperium in einen nachhaltig wirtschaftenden, Ressourcen schonenden Konzern umzubauen. Er nennt es "Gaia-Kapitalismus“. Sicher eines der herausfordernsten Abenteuer, denen sich der Abenteurer Branson je gestellt hat.

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