Marianne Faithfull – Baronesse Tristesse

Marianne Faithfull – Baronesse Tristesse

Die britische Popikone Marianne Faithfull kommt Anfang Juni nach Wien. Mit FORMAT sprach sie über ihren Bezug zu Österreich, die Rolling Stones, ihr Problem mit Intimität und neue Projekte.

Ihre Stimme ist rau, das Timbre brüchig und tief, die Phrasierung präzise und originell - eine Stimme, die man nicht so leicht vergisst. "I have a funny voice“, kommentiert Marianne Faithfull selbst mit britischem Understatement trocken ihr Markenzeichen.

Faithfull ist aber nicht bloß gefeierte Singer- und Songwriterin und Interpretin überlebensgroßer Songs wie "The Ballade of Lucy Jordan“. Die ehemalige Rolling-Stones-Muse, das Ex-Model und Sexsymbol ist auch eine respektierte Film- und Theaterschauspielerin. 2007 etwa feierte sie die internationale Filmpresse für ihre schonungslose Darstellung als alternde Sexarbeiterin "Irina Palm“.

Nach zahlreichen Erfolgen und Rückschlägen, gefeierten Auftritten, Drogenproblemen sowie einer überstandenen Brustkrebserkrankung, feiert die 67-jährige Diva kommendes Jahr ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. FORMAT erreichte Faithfull in Paris, wo die Britin heute lebt.

FORMAT: Mrs. Faithfull, wie geht es Ihnen dieser Tage?

Marianne Faithfull: Ich fühle mich gesund und gut. Vielen Dank der Nachfrage.

Anfang Juni führt Sie ihre aktuelle Konzerttour nach Wien. Auch Ihr Leben weist zahlreiche Bezüge zu Österreich auf.

Faithfull: Ja, ich fühle mich stark verbunden mit Österreich durch meine Mutter und ihre Familie. Ich erinnere mich, dass ich erstmals zu Weihnachten nach Wien kam. Ich war damals drei Jahre alt. Es ist meine erste Erinnerung an Weihnachten. Mit Großmutter und Großvater. Es war wunderschön.

Interessiert Sie eher Klimt und Schiele oder Freud und Schnitzler?

Faithfull: Natürlich liebe ich Klimt und Schiele, genauso wie Freud und Schnitzler. Vor einigen Tagen war ja Freuds Geburtstag und ich dachte sehr viel an ihn. Ich mag seinen Stil und einige seiner Schriften. Nicht unbedingt die großen, eher die kürzeren Aufsätze, wie seine Abhandlung über Melancholie von 1919. Die ist wirklich sehr gut.

Apropos Melancholie. Die gilt, wie Weltschmerz und Sentimentalität als österreichische Spezialität. Der Österreicher blickt hoffnungsfroh in die Vergangenheit, heißt es. Sind Sie sentimental?

Faithfull: Ich weiß nicht. Dinge kommen und gehen und ich lasse sie gehen. Ich bin kein Mensch, der in der Vergangenheit lebt.

Sie sind eine "Baronesse von Sacher-Masoch“, ein dekadenter Titel.
Sie sagten in einem Interview, sie müssten dekadent sein. Warum?

Faithfull: Ich denke, ich bin eine sehr dekadente Person. Es ist einfach da. Ich muss nichts dazu tun. Andererseits lebe ich überhaupt nicht dekadent: Ich stehe früh auf und arbeite hart.

Letztes Jahr gastierten Sie im Landestheater Linz mit dem Brecht/Weill-Abend "Die sieben Todsünden“. Wie wird nun der "Intimate Evening“ ablaufen, mit dem Sie nun nach Wien kommen?

Faithfull: "Die sieben Todsünden“, das war wirklich eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Es war fantastisch. Eine tolle Besetzung. Leider wurde Ballett-Direktor Jochen Ullrich sehr krank und starb noch während der Proben. Eine große Tragödie! Jetzt aber bin ich für fünf intime Shows mit meinen eigenen Songs in Wien, begleitet von meinem wunderbaren Gitarristen Neill MacColl.

Was bedeutet denn Intimität für Sie?

Faithfull: Intimität ist eine schwierige Erfahrung für mich. Ich lebte lange Zeit alleine und gehe sehr bewusst mit meinen Freunden und meiner Familie um. Aber es war und ist nie einfach für mich. Vielleicht findet die größte Intimität, zu der ich fähig bin, auf der Bühne mit dem Publikum statt. Deshalb sind diese Abende auch so intensiv.

Ihre Karriere startete 1964 mit dem Mick Jagger/Keith Richards-Song "As Tears Go By“. Sie stehen fast 50 Jahre auf der Bühne. Sehen Sie sich mehr als Pop-, Jazz- oder Blues-Interpretin?

Faithfull: Ich bin Marianne Faithfull und ich vereinige all diese Dinge.

Sie waren bekanntlich in den 1960er Jahren sehr eng mit Mick Jagger und Keith Richards verbandelt. Haben Sie heute eigentlich noch Kontakt zu den beiden?

Faithfull: Es war eine tolle Zeit in den 60er Jahren, nicht nur mit Mick und Keith. Da war eine ganze Reihe von Menschen, die mir viel bedeuteten. Obwohl ich den Rummel nie gesucht habe. Natürlich, die Zeit vergeht, und alle leben mittlerweile ihr eigenes Leben. Ich sehe Mick und Keith fast nie, fühle mich aber mit ihnen nach wie vor stark verbunden. Daher war es auch sehr schön mit Keith 2008 den Song "Sing me back home“ auf meinem Album "Easy Come Easy Go“ aufzunehmen.

Sie waren schon immer eine Muse und Inspiration für viele Menschen. Die amerikanische Modeschöpferin Anna Sui bezieht sich sogar in ihrer aktuellen Kollektion explizit auf Ihr Styling in den 1960er Jahren. Was denken Sie über sich als Fashion-Ikone?

Faithfull: Mir ist es wichtig, dass man eine gewisse Stärke in dem sieht, wie ich Dinge mache, wie ich es geschafft habe, mein Leben in den Griff zu bekommen. Aber Mode? Da denke ich wirklich nicht drüber nach. 2014, zu meinem 50-jährigem Bühnenjubiläum, bringe ich aber ein Buch heraus mit allen diesen Bildern von 1964 bis jetzt. Wenn sich Menschen durch mich inspiriert fühlen, bin ich glücklich und dankbar.

2011 erschien Ihr bis dato letztes Album "Horses and High Heels“. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Faithfull: Ich nehme eine neue Platte auf und gehe damit wieder auf Tour. Ich hätte niemals gedacht, mein 50-jähriges Bühnenjubiläum zu erleben. Ich bin verblüfft und erstaunt, sehr glücklich und sehr stolz.

Zur Person: Marianne Faithfull wurde am 29. Dezember 1946 in London geboren. Der Vater war britischer Offizier, Mutter Eva von Sacher-Masoch die Enkelin des österreichischen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch. 1964 gelang der Sängerin der Durchbruch mit der Ballade "As Tears Go By“. Von 3. bis 8. Juni gastiert sie mit "An Intimate Evening“ im stadtTheater in der Walfischgasse.

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