Lettland – "Jeder hier kennt mindestens einen, der auswandert"

Lettland – "Jeder hier kennt mindestens einen, der auswandert"

Die Menschen in dem kleinen baltischen Land gehen nur selten auf die Straße – und das, obwohl die Regierung innerhalb der vergangenen fünf Jahre mit einem rigorosen Reform- und Sparpaket mehr als genug Anlässe dafür geliefert hätte. In Lettland überwiegt vielmehr der stille Protest. Auswanderung ist das Gebot der Stunde. Rund 30.000 Menschen kehren Lettland jährlich den Rücken.

"Jeder hier kennt mindestens einen, der auswandert", erzählt die junge Journalistin Igita in Riga. Ob sie auch darüber nachdenkt? "Nein, ich habe einen Job, und der ist gut bezahlt". Tatsächlich ist Arbeitslosigkeit einer der Hauptgründe für die Abwanderung. 40 Prozent aller Emigranten sind arbeitslos, darunter viele junge, gut ausgebildete Menschen. Fast die Hälfte aller Studenten möchte auswandern. Frustration und Unsicherheit treibe die Menschen aus dem Land, meint Mihails Hazans, Professor für Ökonometrie an der University of Latvia im Gespräch mit der APA. Unsicherheit, weil die Sozialleistungen dramatisch gekürzt worden sind, aber auch, weil die Angst vor einer neuen Krise noch immer präsent ist.

Dabei hat Lettland die Krise, die – wie auch anderswo – 2008 über das Land hereinbrach, in ökonomischer Hinsicht relativ gut überstanden. Knapp fünf Jahre nach dem Einbruch kann das Zwei-Millionen-Einwohnerland nun die am stärksten wachsende Wirtschaft innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten vorweisen. Aber zu welchem Preis? Die Gehälter sind niedriger, Sozialleistungen wie Kinder- oder Arbeitslosengeld wurden gekürzt. Derzeit bekommt eine Familie pro Kind acht Lats (etwa elf Euro) im Monat. Verliert man den Job, muss man nach neun Monaten (während der Krise sogar nur sechs) ohne staatliche Hilfe zurechtkommen.

Die Regierung sieht Hazans trotzdem nur teilweise in der Schuld. "Es hätte nicht viel gegeben, dass sie während der Krise machen hätten können", sagt der Experte. Außer, betont er, die Einrichtung eines "Stabilisierungsfonds" vor Beginn der Krise, wie es die estnische Regierung tat. Dort sei die Abwanderung deshalb viel geringer. Die durch das "heftige Sparpaket" der Regierung verursachten demografischen Kosten seien jedenfalls zu hoch gewesen, so Hazans.

Wie hoch diese tatsächlich sind, wird sich schon in wenigen Jahrzehnten zeigen - dann, wenn das Pensionssystem aufgrund fehlender Einzahlungen zusammenbricht. Dessen sind sich sowohl die Bevölkerung als auch Politiker bewusst und versucht deshalb, den Auswanderern Anreize zur Rückkehr bieten. Neue Arbeitsplätze, finanzielle und praktische Unterstützung sollen die Reintegration erleichtern. Die Initiative hätte nach Hazans Ansicht jedoch schon viel früher lanciert werden müssen.

Hoffnung: Zuwanderung

Die fehlende Einnahmen in der Pensionskasse könnten aber auch durch "kontrollierte Zuwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte" ausgeglichen werden. "Dies ist der einzig realistische Weg, um die Bevölkerungsstruktur irgendwie ausgeglichen zu halten", meint der Universitätsprofessor. Zuwanderungspotenzial sieht er dabei vor allem in Russland bzw. den ehemaligen Ländern der Sowjetunion.

Für Raivis Dzintars, Chef der rechtskonservativen "Nationalen Allianz", kein wünschenswertes Szenario. Im APA-Interview betont Dzintars, dass sich das Pensionsproblem nur durch einen "radikalen Anstieg der Geburtenrate" lösen lasse. Natürlich sei das eine "idealistische Lösung", gibt er zu, aber man müsse irgendwo beginnen. Selbst geht der 30-jährige Parteivorsitzende mit gutem Beispiel voran: Erst kürzlich wurde er zum dritten Mal Vater. "Wir wollen eine Lösung aus "eigenen Ressourcen", betont Dzintars. Das optimale Modell sieht seiner Ansicht nach wie folgt aus: "Je mehr Kinder, desto höher die Pension". Ob sich dies allein das Problem löst, ist fraglich.

Zwar zogen 2012 um 20 Prozent weniger Letten weg als im Jahr zuvor, dennoch ist die Zahl noch immer um ein Vielfaches höher als vor der Krise. Trotz der positiven Entwicklung ist Hazans Ansicht nach eine "kontrollierte Zuwanderung" nach Lettland notwendig. Politisch ist dieses Thema jedoch heftig umstritten, fürchtet man dadurch einen wachsenden Einfluss Russlands. Lettland war zweimal (1918 bis 1920 und 1940 bis 1990) Teil der Sowjetunion und ist seit 1991 wieder unabhängig.

Aber bei all den Problemen, die die extrem hohe Abwanderung für Lettland mit sich bringt, sieht Hazans auch positive Effekte – beispielsweise die geringere Arbeitslosigkeit: "Ohne die Emigration hätten wir heute eine viel höhere Arbeitslosigkeit." Zusätzlich kurbeln die Überweisungen der hauptsächlich nach Großbritannien und Irland Emigrierten an ihre daheimgebliebenen Familien sowie mögliche neue Kontakte, die Auswanderer knüpfen und bei ihrer Rückkehr mitbringen, die Wirtschaft an.

Davon profitiert auch Igita. Als sie im Vorjahr eine nach London ausgewanderte Freundin besuchte, lernte sie ihren jetzigen Freund kennen. "Wir führen zwar eine Fernbeziehung, aber vielleicht zieht er ja bald zu mir nach Riga", lacht die 25-Jährige.

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