Kult! Das Dirndl ist wieder dick da

Kult! Das Dirndl ist wieder dick da

Die Pracht der Tracht! Das Dirndl erobert zur Zeit die Mode und den Party-Mainstream. Eine Spurensuche zwischen Stadt und Land, Tradition und Erotik.

Bunt treibt es das Dirndl dieser Tage und taucht auf an Leibern und Orten, an denen man es gemeinhin nicht erwartet hätte. Die US-Burlesque-Künstlerin Dita von Teese, die sich auf der Bühne gern nackt in überdimensionalen Martinigläsern räkelt, trägt es ebenso wie junge Fashionistas in Paris und London, die es cool finden und ungewöhnlich kombinieren. Das ewige Jetset-Girl Paris Hilton und Hollywood-Star Selma Hayek kleiden sich in Dirndl aus der "Lollipop & Alpenrock“-Linie der Münchner Designerin Lola Paltinger, die auch ein Totenkopf-Dirndl im Repertoire hat. Teenager in Stadt und Land stürmen in quietschbunten, superkurzen "Made in Asia“-Polyester-Dirndln um 59 Euro die Alm-Clubbings und die Zelt- und Wies’n-Feste, die allerorts wie Schwammerln aus dem Boden schießen, als wären solche Veranstaltungen bis vor ein paar Jahren für das hippe Party-Volk nicht das Peinlichste auf der Welt gewesen.

Es gibt Dirndl-Nachthemden und Latex-Dirndl, und das schwarze Hundedirndl "Mizzi“ mit weißem Rock kleidet jeden Zwergpinscher stilgerecht für seinen Oktoberfest-Auftritt.

"Ja, dürfen’s denn des?“, mag man pikiert fragen und auf jene Werte verweisen, die üblicherweise ins Feld geführt werden, wenn von Dirndln, Lederhosen und Trachten die Rede ist: Tradition, Identität und Zugehörigkeit, Wurzeln und Heimat, solide Handarbeit und Nachhaltigkeit.

"Ich finde es sehr positiv und entpolitisierend“, sagt dazu entspannt Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Leiterin des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde und eine der intimsten Kennerinnen der wechselhaften und überraschungsreichen Geschichte des Dirndls. "Etwas, das auf deutsch und national gepolt war, wird frei zugänglich gemacht. Nach dem Motto: ‚Trag’s auf deine Art! Ich erhebe keinen Anspruch mehr darauf.’“ Und auch Gexi Tostmann, Senior-Chefin von "Tostmann Trachten“ in Seewalchen und die Grande Dame der gediegenen, zeitlosen und geschmackssicheren Dirndlkultur, kann den Auswüchsen etwas abgewinnen. Aus ästhetischen und ökologischen Gründen freue sie sich zwar nicht darüber, sagt Tostmann, wohl aber, weil es dazu beitrage, Dirndl und Tracht aus dem ideologischen Zusammenhang herauszukriegen. "Meine Mutter hat immer gesagt: Was kann das Dirndl dafür, dass es von den Nazis missbraucht wurde?“, sagt Gexi Tostmann.

Die Erotik des Tradierten

Was ein Grund dafür sein könnte, dass das Gewand aus Leib und Rock für Pin-ups und biedere Hausfrauen, weibliche Festspielprominenz und Girlies im Teenageralter gleichermaßen attraktiv ist, erklärt Daniela Müller, Co-Autorin des im August erscheinenden Buchs "Alles Dirndl“, unter Berufung auf Sexualexperten so: Das Dirndl sei ein Kleidungsstück, "das entgegen üblichen Modetrends Weiblichkeit zulässt, ja sogar erfordert“, und zwar "zur Freude vieler Frauen, denen die Modewelt sonst die androgyne Frau in Kleidergröße 34 als Maß aller Dinge vorsetzt“. Sexy ist es dabei auf jeden Fall, denn im Dirndl, sagt Müller, "ist der Busen in der Auslage.“ Ein Umstand, den der deutsche Publizist, Film-und Popkultur-Kritiker Georg Seeßlen deutlich zynischer kommentiert, wenn er meint: "Das Dirndl, gewiss in mehr oder weniger frei wählbarer Abstufung, ist eine akzeptierte Art, das Obszöne mit dem Ordentlichen zu verbinden.“ So kann man es natürlich auch sagen.

Designer lieben Dirndl

Eins scheint unbestritten: Im Fahrwasser der Orientierungssuche angesichts von Globalisierung und Wirtschaftskrise erleben auch Dirndl & Co neue Höhenflüge. Sie sind Teil der großen Gegenbewegung zum Einheitsbrei der globalen Konsumkultur, die von Trend- und Zukunftsforschern beobachtet wird. Dazu gehören auch der Garten- und Kochboom, die Raus-aufs-Land-Bewegung, die Nachhaltigkeits- und Bio-Debatte, das Neo-Biedermeier und die Selbermacher-Bewegung. Ein zweischneidiges Schwert, gerade was das Dirndl anlangt: Denn dass es sich, so Georg Seeßlen, bei diesem "textilen Reenactment einer ‚guten alten Zeit’ eben immer auch um die Sehnsucht nach einer vor-modernen, vor-demokratischen und vor-aufgeklärten Gesellschaft handelt“ ist ebenso deutlich, wie dass "der Verlust der Heimat durch die gnadenlose Ökonomie“ umgekehrt "durch gnadenlose Ökonomisierung der Heimat beantwortet“ wird.

Seit ein paar Jahren ist es jedenfalls wieder dick da, das Dirndl - nicht nur in der Kitsch-Kultur. Prächtig gehen die Geschäfte auch für alteingesessene Unternehmen wie Gössl oder Tostmann. Ebenso haben junge, auf handwerkliche Qualität und beste Materialien bedachte Designer es für sich entdeckt. Erneuern, ergänzen und verwandeln es mit adaptierten Schnitten und überraschenden Stoffen. Die Wiener Designerin Susanne Bisovsky vor allem, die mit ihrem fantastischen Spiel mit Trachtenelementen echte Neuinterpretationen des Dirndls - ganz ohne Bluse und Schürze - geschaffen hat und auch für das Kitzbühler Label "Sportalm“ Trachtenmode entwirft. Aber auch Lena Hoschek in Graz oder Tanja Pflaum mit ihrem Label "Ploom“ in Salzburg.

Der Dirndl-Boom

Eine Initialzündung für den aktuellen Dirndl-Boom sieht Gexi Tostmann auch in einem 2001 im Rahmen des "Forums Altaussee“ geäußerten Satz der großen britischen Star-Designerin Vivienne Westwood. Das Dirndl befand sich damals noch in einer schweren (Sinn-)Krise, die Branche jammerte über schlechte Umsätze, das Dirndl musste viel Kritik einstecken. Westwood, die aller Volkstümelei völlig unverdächtige Königin des Punk, schüttelte über all das nur den Kopf und sagte mit großer Bestimmtheit: "Wenn alle Frauen Dirndl tragen würden, gäbe es keine Hässlichkeit mehr.“ Das saß, wurde weithin zitiert und trug sicher zum Aufschwung der letzten Jahre bei. 2010 wurden Vivienne Westwood und ihr Mann Andreas Kronthaler als "Botschafter der Tracht“ ausgezeichnet - einer von Gexi Tostmann 2006 mit großem Erfolg ins Leben gerufenen Initiative mit dem Ziel "die Tracht positiv zu besetzen“.

Ein Kleidungsstück Geschichte

Das Dirndl: Ein "unglaublich anpassungsfähiges Stehaufmännchen“ und ein "Faktotum, das schon viel überstanden hat“, wie Buchautorin Daniela Müller es ausdrückt. Ein paar historische Fakten zur Geschichte des Dirndls gefällig, die gemeinhin nicht allzu bekannt sind?

Erstens: Das, was wir heute Dirndl nennen, war ursprünglich kein ländliches, sondern ein urbanes Modephänomen und hat sich, so die Volkskundlerin Ulrike Kammerhofer, "vor allem in den letzten 150 Jahren als Kulturprodukt der Städter entwickelt“. Denn es war die - besonders im Salzkammergut - sommerfrischelnde Oberschicht aus der Stadt, die ab den 1870er Jahren die beschürzten Arbeitsgewänder ihrer Dienstmädchen zur eigenen ländlichen Freizeitbekleidung uminterpretierte und sich auf diesem Wege - zumindest für ein paar kurze Sommerwochen - selbst von Korsett und Fischbein befreite. Großbürgerlich-aristokratische Vereine veranstalteten verspielte Kostümbälle in ländlicher Adjustierung. Demgegenüber entstanden nach 1900 die ersten national geprägten Trachtenvereine, deren Mitglieder sich aus vom Land in die Stadt abgewanderten Arbeitern und kleinen Angestellten rekrutierten und Dirndl und Lederhose bald zum "Ahnenkleid der Väter“ stilisierten. Von da war der Schritt nicht weit zur Tracht als Vehikel der Ausgrenzung. Schon zu Beginn der 1920er Jahre wurde polemisiert und mit 1938 war Juden in Teilen Salzburgs "das öffentliche Tragen von alpenländischen (echten und unechten) Trachten“ verboten.

Zweitens: Die mondäne, reiche Salzburger Festspielgesellschaft der 1920er und 1930er Jahre rund um Max Reinhardt, dem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Salzburg, wählte Tracht und Dirndl als "Standeskleidung“ für soziale Anlässe der "Leichtigkeit des Seins“ - allerdings nur untertags. Abends folgte auf Festspielebene große Garderobe. Erst in den frühen 1960er Jahren wurde erstmals ein Seidendirndl auch zu einer abendlichen Festspiel-Aufführung getragen.

Drittens: Originale, regionale Dirndl gibt es überhaupt nicht - "das ist eine absolute Fiktion“ - es gibt nur zeitspezifische Standeskleider, sagt die Volkskundlerin Ulrike Kammerhofer. Die NS-Zeit bewirkte einen echten Einschnitt. Denn die Nationalsozialisten bemächtigten sich des verspielten, luftigen Sommerfrische-Dirndls gepaart mit historischen Kostümbildern des 18. Jahrhunderts zur Schaffung ihres neuen Frauentypus. Jetzt ging es um die "saubere Tracht“. Die überzeugte Nationalsozialistin Gertrud Pesendorfer, die nach dem Anschluss Österreichs zur Leiterin der "Mittelstelle Deutsche Tracht“ wurde, entwarf ab 1938 Trachtenblätter, die den "Leibkittel“ nach Regionen normierten. Und was geschah später mit diesen Trachtenblättern? "Sie sind ab 1945 die Vorbilder für die Entwürfe der Heimatwerke“, erklärt Volkskundlerin Kammerhofer.

Viele Dirndl-Wahrheiten

Dieser historische Aspekt des Dirndls ist nicht sehr bekannt. "Viele wollen es auch nicht hören“, sagt der Regisseur Othmar Schmiderer, der sich für seinen Film "Stoff der Heimat“ eindringlich mit den vielen Aspekten des Phänomens Tracht beschäftigt hat. Eins hat Schmiderer jedenfalls festgestellt: Wenn’s um die Themen Dirndl und Tracht geht, besteht jeder, den es angeht, auf seiner Meinung und wähnt sich im Besitz der Wahrheit. "Da geht es viel darum, wer dazu gehört und wer nicht, viel um drinnen und draußen“, sagt Schmiderer. Das ist das Erstaunliche an Dirndl & Co, sagt die Volkskundlerin Ulrike Kammerhofer: "Es ist etwas Identitätsstiftendes, mit dem aber jeder etwas vollkommen anderes verbindet.“ Manche eben auch das Hundedirndl "Mizzi“.

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