Karl Lagerfeld: "Ich will nur eine Graue Eminenz sein"

Karl Lagerfeld wird 80. Ein kleiner Blick aufs Imperium des deutschen Modekönigs, der Geburtstage hasst, Musen verärgert und eine ausgefuchste PR- und Ego-Maschine ist.

Karl Lagerfeld: "Ich will nur eine Graue Eminenz sein"

Gut, dass es Hobbyhistoriker gibt. Ein deutsches Ehepaar stieß vor kurzem bei Recherchen für ein Büchlein auf einen Dokumentenschatz und löste damit endgültig ein kleines Mysterium. Eine Geburtsanzeige war es, auf der ein gewisser "Otto Lagerfeld und Frau Elisabeth, geb. Bahlmann“, die Geburt ihres Sohnes "Karl Otto“ und den Tag der Niederkunft desselben bekannt geben: "Sonntag, 10. September 1933“. Modezar Karl Lagerfeld, gerne auch als Karl der Große tituliert, wird also 80.

Lange ließ der deutsche Designer die Welt ob seines wahren Alters im Unklaren und machte sich mit Altersverwirrspielchen einen Karl. So schmiss er 2008 eine Party zu seinem 70er, im Vorjahr dann eine zu seinem 79. Geburtstag und auf direkte Nachfrage von Journalisten packte er die Geschichte aus, dass seine Geburtsurkunde in den Kriegswirren verbrannt sei. Selbst Wikipedia, sonst nicht zimperlich, was Eckdaten im Leben eines Menschen betrifft, ließ Lagerfelds Geburtstag sicherheitshalber zwischen 1933 und 1938 datieren. Womit der Modekönig mit der Sonnenbrille und dem gepuderten Haarzopf allerdings nie hintern Berg hielt, war seine Einstellung zu Wiegenfesten. "Ich hasse Geburtstage, ich hasse alles, was damit zusammenhängt, weil ich das unnötig finde.“

Wenn die Musen spielen

Feiern wird Lagerfeld trotzdem, denn Partys sind immer auch eine willkommene Möglichkeit, Netzwerke zu pflegen. Seines ist legendär. Man verehrt und fürchtet seine gnadenlosen Analysen. Denn lässt der Deutsche, der in Paris lebt, ein scharfzüngiges Satzstakkato auf seine Umgebung los, ist man am Ende in der Branche entweder mausetot oder hat die nächsten paar Jahre keine Sorgen mehr. Ebenso legendär ist sein Musenverschleiß. Lagerfeld, der seit dem HIV-Tod seines Lebenspartners Jacques de Bascher bevorzugt alleine lebt, umgibt sich gerne mit (vorwiegend) weiblichem Frischfleisch zwecks Kreativitätsgewinn. Claudia Schiffer wurde durch ihn zum Weltstar. Schauspielerinnen und Sängerinnen wie Vanessa Paradis, Nicole Kidman, Blake Lively oder Florence Welch stehen auf seiner Liste.

Blöd kommen soll man dem alten Meister allerdings nicht. Als der französischen Schauspielerin Audrey Tautou rausrutschte, dass sie nur selten Chanel trage und dann auch nur Gummistiefel, fiel sie vollends in Ungnade. "Ich wusste nicht einmal, dass wir Gummistiefel herstellen. Nach diesem Kommentar muss ich nicht mehr nett sein zu ihr“, nahm er den Fehdehandschuh auf. Es geht aber auch umgekehrt. Für Beth Dito, stimmstarke und gewichtige Frontfrau von The Gossip, entwarf er zuerst ein Kleid und kam dann mit ihr über Kreuz, als er über die Gewichtsprobleme der britischen Sängerin Adele ("zu fett“) plapperte. Die selbstbewusste Dame ließ Herrn Karl ausrichten: "Er ist ein abgemagerter älterer Herr, der sich in viel zu enge Klamotten zwängt und in seinen Gewohnheiten festgefahren ist.“

Workaholic

Es scheint, dass der König, der seit Jahrzehnten in seiner medialen Selbstinszenierung zwischen garstiger Diva und Gentleman switchen kann, diese koketten Spielchen an der glatt polierten Oberfläche genießt: "Ich will kein Guru sein. Ich will nur eine Graue Eminenz sein, die im Schatten die Fäden zieht“, hüllt er sich im Alter in machtbewusste Bescheidenheit. Dass der Sohn eines Hamburger Kondensmilch-Fabrikanten ein Workaholic ist, der für sein eigenes Label Karl Lagerfeld (2005 an Tommy Hilfiger verkauft), Chloé und Fendi jährlich bis zu 20 Kollektionen entwirft, sollte man - bei aller Bescheidenheit - trotzdem nicht unter den Tisch fallen lassen. Ebensowenig seinen Geschäftssinn, der ihm ein Vermögen von 300 Millionen Euro eingebracht hat. Lagerfeld lässt nichts aus und fungiert als Fotograf, Parfümproduzent, Galerist, Kostümdesigner für Theater- und Opernhäuser, aber auch als Autor und Buchverleger. Seine eiserne Disziplin beim Verfolgen von Zielen und der Verwirklichung von Projekten nötigt einem Respekt ab.

Ein gutes Beispiel, wie das auch von Eitelkeit getriebene Ego-Imperium Lagerfeld funktioniert, konnte man vor zehn Jahren beobachten. Die Karriere von Lagerfeld stockte in den 1990er Jahren ein wenig und er selbst knackte in diesen Jahren die 100-Kilo-Marke. Generalstabsmäßig plante er eine Gewichtsreduktion, um - so das erklärte Ziel - in die schmalen Dior-Anzüge vom aufstrebenden Designstar Hedi Slimane zu passen. Vor den Augen der Medien hungerte der Künstler in 13 Monaten 42 Kilogramm runter und verwandelte sich in den smarten Bizeps-Boy zurück, der er einst war, als er im Paris zur Jahrhundertmitte das Modeschöpferhandwerk lernte. Selbstredend avancierte das hernach veröffentlichte Diätbuch zum Bestseller. Sein Gewicht hält Lagerfeld seitdem - und dass am Körper nichts schwabbelt, oder überschüssige Hautlappen die Sicht auf die Knochen stören, erfüllt den Greis mit Stolz: "Man kann mir gerne in den Oberschenkel kneifen, er ist hart wie Holz, durchtrainiert von täglich 20 Minuten Fitness.“

Masse und Karl

Jedenfalls zeigt das Imperium Lagerfeld kaum Berührungsängste mit dem Massenmarkt. Für den schwedischen Moderiesen H&M entwarf er 2004 eine Kollektion, die in rekordverdächtigen 30 Minuten ausverkauft war, für das Teddybären-Unternehmen Steiff kreierte er einen pelzigen Doppelgänger mit Vatermörderkragen, Autofahrerhandschuhe und Sonnenbrille. Mit der japanischen Kultfirma Tokidoki kooperiert er ebenfalls regelmäßig und baut Uhren, die sich irgendwo zwischen Kitsch, Kunst und Krempel wiederfinden. Und auch an Coca Cola kam er nicht vorbei. Askese hin, Selbstdisziplin her: Eine der kolportierten Schwächen Lagerfelds, der sein Leben eigenen Angaben zu Folge ohne Drogen-, Alk-, und Sexexzesse verbrachte, ist seine Liebe zu Cola light. Mit dem Design von exklusiven, limitierten Gebinden zollte er dieser sprudelnden Amour fou Tribut. Macht Lagerfeld so weiter, wird er wohl auch mit 100 noch Kleider und Accessoires entwerfen, Musen necken und zur zeit- und alterslosen Ikone werden. Vielleicht stellt er sich aber auch selbst unter Denkmalschutz.

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