"Jetzt kommt die ORF-Offensive"

"Jetzt kommt die ORF-Offensive"

Richard Grasl, der kaufmännische Direktor des ORF, hat genug vom Sparen und sagt, warum er wieder Geld hat und worin er es investieren wird.

FORMAT: Der ORF befindet sich in einem rapiden Veränderungsprozess. Innovation ist dabei entscheidend, steht zumindest auf Ihrer Website. Was verbuchen Sie da für heuer auf der Haben-Seite?

Richard Grasl: Die wichtigste Innovationsentscheidung war der Entschluss, ins Smart-TV-Geschäft einzusteigen. Das ist das Top-Projekt dieser Geschäftsführungsperiode, wir investieren zunächst eine Million Euro. Franz Manola, der Erfinder von orf.at, und Alexandra Fida, unsere neue Leiterin für Business Development, haben den Auftrag, mit den besten Köpfen des ORF die Strategie für die digitale Fernsehzukunft zu entwickeln.

Guter Plan, aber ab wann sehen wir den "smarten“ ORF?

Grasl: 2013 lernen Sie Smart-TV mit mehreren Projekten kennen. Für Schladming entwickeln wir ein Second-Screen-Angebot, wo Sie sich Zusatzinformationen zu den Rennen auf Ihr Smartphone, Tablet oder Ihren PC holen können. Wie umfangreich die sein werden, hängt von den rechtlichen Prüfungen ab, weil - nicht alles dürfen wir. Natürlich wäre es uns recht, wenn wir über Twitter auch Kommentare zu den Rennen integrieren könnten.

Womit sich die Katze wieder in den Schwanz beißt. Ein Facebook-Verbot schränkt Sie in Ihren "sozialen“ Vermarktungsambitionen ein.

Grasl: Für uns ist klar, dass wir hier eine Erleichterung brauchen. Wir wollen nicht - wie vielleicht auf Verlegerseite befürchtet - eigene soziale Netzwerke schaffen.

Da hat Ihnen der Verfassungsgerichtshof mit der kurzzeitigen Aufhebung des Facebook-Verbots ja eine Atempause gegönnt …

Grasl: Die Behörde (Anm.: Medien-Regulator KommAustria) entscheidet aufgrund der Gesetzeslage, und die ist leider nicht eindeutig formuliert. Wir suchen ja keine breite Allianz mit den Netzwerken, wir wollen einfach eine Facebook- oder Twitter-Präsenz wie alle anderen auch.

Die technische Logistik für die Plattformen bereitzustellen ist das eine. Ein paar neue App-Programmierer werden aber nicht reichen, um den Inhalt, der ja auch neu gedacht werden muss, zu generieren.

Grasl: Wir haben im ORF vermutlich die umfangreichsten Datenbanken, die ein Sender haben kann. Die kann man dafür nutzen. Das ist Material, auf das zurzeit nur die Reporter Zugriff haben, wenn überhaupt. Wenn der Marcel Hirscher fährt, können Sie nachlesen, welcher Kurs, welche Schneeart ihm besonders liegt. Das muss Ihnen der Moderator gar nicht mehr erzählen. Allein auf der Streif haben wir 30 Kameras, über den TV-Schirm wird aber nur eine Ansicht gezeigt. Da ist viel interaktives Potenzial drin.

Die Leuchttürme im Programm müssen heute stark strahlen, um die Seher zum Einschalten zu bewegen. Es gibt viele, die fast nur mehr über die TVthek ORF sehen.

Grasl: Der non-lineare TV-Konsum nimmt zu. Deswegen wollen wir die TVthek ja auch erweitern und unser Archiv - wie die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland - zugänglich machen. Ein Beispiel: Wenn in Zukunft eine neue Folge von "Schnell ermittelt“ läuft, soll man sich die ersten drei Staffeln online anschauen können.

Wenn es denn gesetzlich geht. Sie wollen die TVthek ja mit Werbung bespielen …

Grasl: Den Antrag haben wir bei der KommAustria eingebracht. Der Verband der Zeitungsverleger hat dazu auch eine positive Stellungnahme abgegeben. Der TV-Konsum verlagert sich ins Non-Lineare, also sollten wir dort auch ein paar Preroll-Spots oder Banner schalten dürfen.

Die TVthek ist ein toller "Teletest“, der Ihnen mehr als der herkömmliche sagt, was die Leute interessiert.

Grasl: Stimmt, ich weiß sogar innerhalb der Sendungen, was die Leute interessiert, etwa einzelne "ZiB“-Beiträge. Im Vergleich zum linearen TV-Konsum ist das zwar noch eine Technologie-affine Minderheit, die es nutzt, aber bestimmte Trends kann man schon herauslesen.

Lange Zeit führte Kampusch die TVthek-Hitliste an, jetzt der Heinzl-Sido -Beitrag. Ich will keine Sido-Diskussion beginnen, aber das zeigt doch, was die Technologie-affine, eher junge Zielgruppe interessiert. Wieso gibt es keinen Spartenkanal für die Jungen, so etwas wie ZDF neo?

Grasl: Wenn man sich ORF eins anschaut, ist das ein sehr jung positioniertes Programm, da sind viele andere Sender "älter“ positioniert. Dass man Fernsehen insgesamt für die Jungen attraktiver machen muss, ist klar. Die tummeln sich fast nur mehr im Internet. Damit wir die Jungen nicht verlieren auf dem Weg dorthin, brauchen wir diese Netzwerke.

Die Generation YouTube fängt mit Sendern nichts mehr an, die kennt die Marke ORF kaum noch ...

Grasl: Da gibt es zwei Möglichkeiten. Man muss die Marke noch stärker machen und auf allen Plattformen hinweisen, von wem der Inhalt eigentlich kommt, den Sie da sehen. "CSI“ kann ich mir im Internet überall ansehen. Mit einzigartigem Content wie "Braunschlag“ stärken wir die Marke auch bei den Jungen wieder. Da ist Kathi Zechner enorm viel gelungen. Wenn ich künftig Smart-TV mit 50 TV-Apps habe, muss mir klar sein, dass ich bestimmte Inhalte nur über die ORF-App bekomme. Österreichische Inhalte kriegen Sie nirgendwo besser als bei uns. Informationen aus dem Gazastreifen kriegen Sie woanders auch - beim ORF auch in guter Qualität von bestausgebildeten Journalisten vor Ort.

Seit drei Jahren fahren Sie einen rigiden Sparkurs. Wie viel kann man kürzen oder auslagern, ohne an die inhaltliche Substanz zu gehen?

Grasl: Die Kernprodukte wie "ZiB“ oder die Wochenmagazine sind unangreifbar, da würde ich weder redaktionell noch technisch was ausgelagert haben wollen. Alles andere steht am Prüfstand. Es gibt viele Dinge, die wir als ORF selbst besser und billiger machen können. Unser Effizienz-Programm "Fokus“ versucht das herauszufinden. Wir durchleuchten Prozess für Prozess, fahren aber nicht mit dem Rasenmäher drüber. Oft waren es kleine Schritte wie sinnvolle Zusammenlegungen, die nicht glamourös klingen, in Summe aber viele einzelne Hunderttausende Euro bringen.

Genug gespart?

Grasl: Die letzten drei Jahre waren hart. In den Budgets haben wir strukturelle Verschiebungen gemacht. Jetzt nehmen wir wieder Geld in die Hand: eine Million für Smart-TV, eine Million für Frauenförderung, Geld für die Ausbildung, und die Problematik der freien Mitarbeiter werden wir in den nächsten Wochen auch lösen. Die Zeit des Verteidigens ist vorbei, jetzt kommt die Offensive.

Wie oft blutete Ihr ehemaliges Journalisten-Herz wenn Sie Projekte aus finanziellen Gründen nicht umsetzen können?

Grasl: Fast täglich. Wir hatten bei den Budgetverhandlungen mit Kathi Zechner so viele Projekte am Tisch, die wir nicht machen können - jetzt. Beeindruckend ist, wie die Mitarbeiter oft mit wenig Budget hervorragende Sendungen produzieren, mit viel Kreativität und Einsatz.

Manche Mitarbeiter haben Sie gehasst für Ihren Sparkurs ...

Grasl: Ich habe diesen Eindruck nicht. Viele verstehen den Sparkurs, wenn ich gemeinsam mit der Fernsehdirektorin die Gründe erkläre. Dann kommt man auch mit negativen Spar-Botschaften besser durch als mit der jährlichen Salami-Taktik, die man den Leuten nicht erklärt. Wir haben ja massiv versucht, die Redaktionen zu verschonen und in der Struktur zu sparen.

Für 2013 haben Sie das Gleiche budgetiert wie heuer. Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?

Grasl: Ja, aber auch bis 2016. Wir haben einen Fünf-Jahres-Finanzplan, wissen, was wir uns leisten können. Wenn es die Gebührenrefundierung gibt, können wir uns Dinge wie Orchester, Ausbau der Spartenkanäle oder Filmförderung leisten. Wenn nicht, sind die Gegenmaßnahmen festgelegt. Bis 2016 müssen noch einmal 250 Mitarbeiter abgebaut werden. Die gröbsten Dinge sind dann erledigt, es gibt keine bösen Überraschungen mehr.

Sie haben eine steile Karriere hingelegt. Wie hat sich der Spirit im ORF verändert?

Grasl: Mit der Funktion ändert sich der Blickwinkel. Vielen ist klar geworden, dass Budgetdisziplin unabdingbar ist. Mir war zu meiner Chefredakteurszeit auch das Programm wichtig und das Budget ziemlich wurscht. Die neue Generation an Führungskräften weiß das. Job der Geschäftsführung ist es, dass aus finanziellen Notwendigkeiten keine Negativspirale in den Köpfen der Mitarbeiter entsteht: "Nutzt eh alles nichts, ist eh kein Geld da.“

Als was würden Sie gern in die ORF-Annalen eingehen? Als Sparmeister wohl nicht …

Grasl: Als jemand, der den ORF saniert und Innovationen ermöglicht hat, gern. Vor 15 Jahren hat man Franz Manola 10 Millionen Schilling gegeben und damit "in die Garage“ geschickt, daraus wurde die erfolgreichste Internetseite des Landes. Wenn man das in zehn Jahren über uns und Smart-TV sagt, waren wir erfolgreich.

Zur Person: Richard Grasl, 39, ist seit drei Jahren kaufmännischer Direktor des ORF. Mit einem harten Sparkurs brachte er den öffentlich-rechtlichen Sender wieder in die schwarzen Zahlen. Während des WU-Studiums hatte der St. Pöltner als Redakteur beim Landesstudio NÖ begonnen. Ab 2002 war er dort Chefredakteur, bevor er 2009 in die ORF-Generaldirektion geholt wurde.

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