Indien: Die Steinbrüche der Kinderhände

Indien: Die Steinbrüche der Kinderhände

In Indien ist Kinderarbeit zwar illegal – doch die Behörden sind entweder überfordert oder haben keine Interesse an der Durchsetzung des Verbots.

In einer Hand hält Sangita einen Meißel, in der anderen einen viel zu großen Hammer. Das etwa achtjährige Mädchen holt aus, immer wieder, und schlägt die Kanten des Pflastersteins gerade, der demnächst auf einer Straße oder einem Platz in Europa landen dürfte. Neben ihr, inmitten der unendlichen Landschaft aus Blöcken und Schutt in Rajasthan in Indien, spielt ihre zweijährige Schwester mit den scharfkantigen Steinen.

Wenige Hügel weiter arbeitet der kleine Anil unter der gleichen brennenden Sonne, bei 42 Grad, ebenfalls in Flip-Flops. "Für einen Pflasterstein bekommen wir eine Rupie (1,4 Euro-Cent). Die ganze Familie schafft 150 Stück an einem Tag", sagt Vater Narpat. Wie so viele der Tausenden Arbeiter in den Steinbrüchen rund um die Stadt Kota hat er keinen Nachnamen. Auch kennt er Alter seiner beiden Söhne und drei Töchter nicht - die Buben wären aber sicher schulpflichtig.

Anil, der zehn Jahre alt sein könnte, zeigt, wie er seinen Namen schreiben kann. Seine seltsam großen Hände, rau und voller Hornhaut, umklammern den Stift und führen ihn langsam. Dilip, der zwei Jahre ältere Bruder, ist noch nie zur Schule gegangen, er musste von Anfang an mitarbeiten. Das gilt auch für meisten anderen Kinder, die jeden Morgen die Nationalstraße nach Kota säumen auf dem Weg zu ihrem Schuttberg.

Vater Narpat ist mit seiner Familie aus dem benachbarten Bundesstaat Madhya Pradesh zugewandert. Sie kommen vom Land, aus ärmlichen Lehmhütten. Rund um die Steinbrüche haben sie zwar Arbeit - aber auch hier ist ihr Haus nur drei auf drei Meter groß, Strom gibt es genauso wenig wie eine Toilette, und Wasser holen die Töchter aus dem milchigen See.

Die etwa 2.000 Steinbrüche rund um Kota sind auch das Arbeitsgebiet von Anwalt und Sozialaktivist Rajnath, der für den deutschen Verein Xertifix überprüft, wo Natursteine ohne Kinder- und Schuldknechtarbeit abgebaut werden. "Aber Xertifix ist nur einer von vielen Akteuren - die meisten anderen sind Geschäftsmänner", sagt er. Der Großteil der Natursteine würden in Indien verbaut. "Aber für diese Pflastersteine gibt es keinen indischen Markt. Die gehen alle nach Europa, auch nach Deutschland."

50 Steinbrüche und drei weiterverarbeitende Betriebe kontrolliert Rajnath regelmäßig und verteilt Siegel. In einem dieser Betriebe zeigt Manager N.K. Shaw stolz Fußplatten, Mauersteine, Begrenzungssteine, Treppenstufen. Rajnath geht die Checkliste durch: Gibt es Trinkwasser? Mund- und Ohrenschutz sowie Erste-Hilfe-Kästen? Haben die 65 Arbeiter Verträge und werden sie pünktlich bezahlt?

"Die Steine sind bei uns etwa 25 Prozent teurer als die von anderen Betrieben mit Kinderarbeit", sagt Shaw. Nicht viele wären bereit, das zu zahlen. Er zeigt eine Kiste voller orange-gemaserter Platten, von Hand gehauen, die ins niedersächsische Laatzen geht.

Nur langsamer Wandel

Der Wandel geschehe langsam, aber er passiere doch, sagt Xertifix-Geschäftsführer Walter Schmidt. Zwar sähen viele Produzenten in Indien nicht von sich aus ein, auf bessere Arbeitsbedingungen zu achten. "Aber das Thema ist dennoch präsent, weil man weiß, dass es sonst Probleme mit den Käufern in den Abnehmerländern gibt". Er sieht hier auch die Verbraucher in der Pflicht, etwa Menschen, die ein Eigenheim bauen, oder Städte, die ihre Fußgängerzonen neu pflastern.

Denn in Indien ist Kinderarbeit zwar illegal - doch die Behörden seien entweder überfordert oder hätten keine Interesse an der Durchsetzung des Verbots, sagt Bhuwan Ribhu von der Kinderrechtsorganisation Bachpan Bachao Andolan. Im vergangenen Jahr seien nur etwa sechs Prozent der Anzeigen überhaupt verfolgt worden, und in weniger als einem Prozent habe es eine Verurteilung gegeben. "Die Minenbesitzer fürchten sich überhaupt nicht vor Strafverfolgung."

Beim jüngsten Zensus 2001 kam heraus, dass in Indien 12 Millionen Kinder arbeiten. Ribhu schätzt, dass derzeit mehr als 100.000 in Steinbrüchen und Ziegeleinen schuften. Viele von ihnen seien Schuldknechte - etwa weil ihre Eltern sich für eine ärztliche Behandlung Geld geliehen hatten.

Das Ausmaß wird in einem der Dörfer am Rand eines riesigen Steinbruchs bei Kota deutlich. Mit Unterstützung der deutschen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW wurde dort eine Schule gegründet, da die nächste staatliche Schule so weit weg ist, dass die Eltern die Kinder nicht hinschicken. Bei der Einschulung hielten die Lehrer auf Fragebögen fest, ob die Kinder schon arbeiten mussten. Mehr als die Hälfte von ihnen gaben an, vorher Pflastersteine geschlagen zu haben.

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