"Ich bin gerade zwei Stunden beim Steuerberater gesessen..."

"Ich bin gerade zwei Stunden beim Steuerberater gesessen..."

FORMAT: Sie sind 54 Jahre, haben als Skispringer, Trainer und Sportdirektor alles erreicht und haben dennoch im Vorjahr eine Karriere als Unternehmer begonnen. Warum tun Sie sich das an?

Toni Innauer: Mir macht dieses Abenteuer und die feststellbare eigene Entwicklung Spaß. Einige gehen in meinem Alter gerade in Pension - ich aber ringe mir noch gern einige Anstrengung ab: Manchmal fühle ich mich in einem Pilotprojekt. Ich spüre, dass künftig viele Menschen sich in meinem Alter oder etwas früher beruflich neu orientieren werden müssen.

Würden Sie sich wünschen, dass mehr Leute nicht in Pension gehen und den sicheren Hafen ansteuern?

Innauer: Für die Gesellschaft und manchmal auch für die Einzelperson wäre das besser.

Provokant eingeworfen: In der ersten Hälfte Ihres Lebens sind Sie ein paar Mal pro Woche über eine Schanze gesprungen, während andere am Bau geschuftet haben …

Innauer: Das Vorurteil ist natürlich so nicht hinzunehmen. Das, was ich gemacht habe, war hackeln. Seit meinem 15. Lebensjahr, als ich in die Nationalmannschaft kam, und dann mit der Gesamtbelastung Schule, Ausbildung, Studium. Ohne jemals einen Schilling Stipendium bekommen zu haben. Während des Studiums habe ich ständig gearbeitet. Als Trainer, als Journalist, für eine italienische Sportartikelfirma, für den internationalen Skiverband. Später haben meine Frau Marlene und ich uns zusätzlich der Aufgabe gestellt, drei Kinder ins Leben zu begleiten. Ich kann da schon mitreden, was Lebensbelastung betrifft.

Sie sind ein leistungsorientier Mensch. Wird der Drang dazu in Österreich ausreichend anerkannt?

Innauer: Ich bin gerade zwei Stunden beim Steuerberater gesessen. Es ist wenig motivierend, wenn man sieht, was man übers Jahr leistet und was dann unterm Strich bleibt. Wenn man da nicht sehr gefestigt ist, kann ich nachvollziehen, dass Leute auf den Gedanken kommen: So schaffe ich es nie - ich muss das irgendwie anders machen. Aktuell ist Österreich ein Schaukasten, um festzustellen, wie Menschen Abkürzungen, Privilegien und Besserstellungen gesucht haben. Das schadet der Gesellschaft.

Ist unser Steuersystem ungerecht?

Innauer: Wir sind schon sehr, sehr hoch besteuert. Man muss sich selbst gerade als Selbständiger sehr gut motivieren können, um nicht frühzeitig zu resignieren. Es gibt Länder, wo Leistung direkter honoriert wird als in Österreich.

Um die Leistung zu steigern, setzen manche Sportler auf Doping. Gibt es dazu Parallelen im Wirtschaftsleben?

Innauer: Ja, Vorgaben, die über das Menschenmögliche hinausgehen. Man nützt etwa junge Leute aus und verlangt Dinge, die nur Maschinen aushalten würden. Dabei wird die Regenerationsfähigkeit weit überzogen, im Sport spricht man von "Übertraining“, und nach drei Jahren tauscht man diese Mitarbeiter einfach aus. Manche machen zu wenig oder falsch Urlaub und "strecken“ die Belastungsfähigkeit mit Alkohol oder Psychopharmaka. Der prinzipielle Unterschied zum Sport ist, dass es nicht verboten ist und nicht kontrolliert wird.

Sportlich gesehen läuft es in Österreich in den Winter-Disziplinen deutlich besser als beim Sommersport. Woran liegt das?

Innauer: Es liegt daran, dass der Wintersport eine jahrelange Tradition und Kultur darin hat, Weltmeister zu formen. Und der Skisport hat sich gegenüber den Medien und der Wirtschaft eine Verhandlungsposition geschaffen, die außer Fußball kein Sommersport hat. Mit ÖSV-Chef Schröcksnadel hat man einen Kopf, der das Potenzial erkannt, den "schlafenden Riesen“ geweckt und wirtschaftliche Fakten geschaffen hat. Da wurden Entscheidungen bis zum OGH durchgekämpft. Außerdem produziert z. B. das Skigymnasium Stams nicht nur gute Sportler, sondern auch hochkarätigen Betreuer- und Managernachwuchs. Man kann solche Voraussetzungen nicht auf Zuruf oder per Verordnung in zwei, drei Jahren schaffen.

Gibt es überhaupt den Willen dazu, das zu verändern?

Innauer: Es gibt sicher Vertreter von Sportarten, die das wollen. Der ÖSV aber ist viel breiter aufgestellt: Ski alpin, Skispringen, Kombination, Biathlon, Snowboard. Irgendwer hat immer Erfolg. Das ist ein rot-weiß-rotes Flaggschiff mit Quoten- und Erfolgsgarantie und ist für Sponsoren hochinteressant. Dadurch ist der ÖSV kaum von Förderungen abhängig. Man nimmt sie gerne, aber sie machen einen geringen Teil des Gesamtbudgets aus.

Es gibt auch etwas zu verdienen.

Innauer: Ja, und es gibt dort attraktive Berufsbilder, Sicherheit für Betreuer und Sportler, das schafft Nachhaltigkeit. Das lässt sich vielleicht noch mit Fußball vergleichen - aber alle anderen sind da untermotorisiert. Der Skiverband ist wie ein Industriebetrieb. Das Produktionsziel heißt Medaillen.

Man hat Sie gefragt, ob Sie Sportminister werden wollen. Schließen Sie das gänzlich aus, oder interessiert Sie Sportpolitik?

Innauer: Das sind reine Spekulationen. Mich ehrt, dass man mir das zutraut. Ich glaube auch, dass das nicht zufällig der Fall ist. So viel Selbstbewusstsein besitze ich. Aber ich muss für eine Sache brennen, um etwas positiv zu bewegen. Für die Politik würde ich nicht brennen. Was mich beschäftigt, sind faire, kluge Spielregeln in Sport und Gesellschaft. Denn die Gesellschaft braucht als Modell sauberen Sport und Wirtschaft. Jahrelang wurde gepredigt, der Wettbewerb unter gierigen Egoisten regelt sich auf wundersame Weise selbst. Jetzt spürt man die Auswirkungen auf uns alle.

Das klingt nach Kapitalismuskritik.

Innauer: Ist es wahrscheinlich. Es ist aber nicht Wettbewerbskritik. Ich möchte es verstanden wissen als Kritik am rücksichtslosen Neoliberalismus. Der Kollaps der Oststaaten war der Startschuss. Das war die Legitimation: Der Kapitalismus glaubte auf allen Linien gewonnen zu haben und hat sich keine Schranken mehr verordnet.

Sie waren Vorzeigeathlet des Bundesheeres. Wie stehen Sie zur Wehrpflicht?

Innauer: Für uns war die Verbindung Sport und Heer eine super Sache. Das kann aber kein Argument pro oder contra Wehrpflicht sein. Ich habe mich damit nicht intensiv genug beschäftigt, und die öffentliche Diskussion ist unsachlich. Ich könnte aber einem Sozialdienst für alle, auch für Mädchen, Sinn abgewinnen. Dem stehen aber aktuell die Verfassung und Angst um Wählerstimmen entgegen.

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