"Ich bin sogar sehr eitel"

Elfie Semotan hat sich nie um Schubladisierung von Hoch- und Populärkultur geschert. Jetzt zeigt die Kunsthalle Krems alle Aspekte ihres Grenzgangs zwischen Kunst und Mode.

"Ich bin sogar sehr eitel"

FORMAT: Sie kennen Modeshootings von vor wie hinter der Kamera. Dreht es einem mit solchem Backgroundwissen bei Shows wie "Germanys Next Top Model“ den Magen um?

Elfie Semotan: Diese Shows sind weit weg von der Wirklichkeit. Was stimmt, ist, dass Modelsein ein harter Job ist. Ein gutes Model muss auch was im Kopf haben. Ansonsten geht es hier doch nur um eine Plattform für Heidi Klum, die sich als Alleswisserin zeigt und die Models als Hühner, die belehrt werden müssen. Das ist respektlos und passt mir überhaupt nicht. Die Grundaussage ist verkürzt: Man muss sich durchsetzen, womit, ist egal. Es gibt mir auch zu denken, dass das schon so viele kleine Mädchen toll finden und tatsächlich glauben, sie lernen bei den Shows etwas.

Sie haben immer mit signifikanten Typen gearbeitet, was gilt heute als schön? Bei BestAger- wie Big-Size-Models, könnte man meinen, wir sind viel liberaler geworden…

Semotan: Natürlich gibt es das alles, aber auf hohem Niveau. Auch in der Kategorie: älter oder dicker müssen die Vertreter gut ausschauen und etwas Spezielles haben. Aber die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Ich habe gerade für Liska fotografiert, und mit einem Mädchen gearbeitet, das von anderen als hässlich bezeichnet wurde. Mir hat sie sehr gut gefallen und ich habe mich bemüht, zu zeigen, was das Schöne an ihr ist: ihre visuelle und persönliche Qualität.

Die US-Fotografin Cindy Sherman rangiert an der Spitze der Foto-Weltrangliste. Sie arbeitet, ihnen ähnlich, mit Mode und Dekonstruktion, allerdings in Selbstinszenierungen. Verspüren Sie keine Lust, verstärkt hinter dem Selbstauslöser zu stehen?

Semotan: Das wird sogar demnächst passieren. Ich muss meinen eigenen Zugang zum Selbstporträt aber noch finden. Dazu braucht es allerdings Zeit. Ich habe immer Geld verdienen müssen, hatte Kinder, einen Alltag. Und Selbstporträts sind etwas sehr Langwieriges.

Das Spiel mit Licht und Schärfe spielt eine signifikante Rolle in Ihrer Arbeit. Was halten Sie von Digitalfotografie? Für viele Ihrer Kollegen ist der Computer bereits wichtiger als die Kamera.

Semotan: Man hat ja sogar bei einem berühmten Kriegsfotografen nachgewiesen, dass die Leichen woanders hingeschoben wurden, weil sie dort passender waren - solange man da nicht von der absoluten Reinheit und Glaubwürdigkeit der Fotografie spricht. Es ist auch nicht mein Hobby, wie das von LaChapelle, alles schön und glamourös zu inszenieren. Ich habe auch immer schon Retusche möglichst wenig eingesetzt. Retusche, um Leute schöner zu machen, interessiert mich nicht. Diese Art der Verfälschung hat längst ihren Reiz verloren. Aber wenn die Technik Sinn macht, wie etwa in der Arbeit von Andreas Gursky, ist das in Ordnung.

Manche junge Fotografen arbeiten als Statement bereits nur mehr analog…

Semotan: Ich richte mich nach den Bedürfnissen der jeweiligen Fotoserie und den Aufgaben, die ich mir stelle. Ich finde die digitale Fotografie hat sich so toll entwickelt, man kann wunderbare Dinge machen. Vor allem sensationelle Prints, die nahe an die besten analogen herankommen.

Heute kann jeder mit Handy fotografieren. Trägt das zur visuellen Erziehung bei oder vermehrt das nur die Bilderflut?

Semotan: Beides findet statt. Manche Leute entdecken so erst ihre Affinität zur Fotografie, andere fotografieren sich ewig lachend über der Torte und machen nie einen Fortschritt. Eine visuelle Erziehung findet bestenfalls bei einigen wenigen statt. Dieses andauernde und überall Fotografieren nervt mich teilweise so, dass ich manchmal überhaupt keine Kamera mehr mitnehme. Dass man wahllos alles fotografiert, verstehe ich nicht. Für mich gilt: will ich etwas erleben oder will ich es fotografieren. Manche fotografieren ja ohne die Dinge überhaupt richtig zu betrachten.

Macht Elfie Semotan Schnappschüsse?

Semotan: Natürlich. Manchmal entdeckt man etwas in der Unbefangenheit. Ich habe eine eigene Gruppe von Wegwerfbildern, die wir auch in der Ausstellung zeigen - wie abstrakte Malerei, mit dem Medium der Fotografie. Im Zuge der Digitalfotografie kann man aus diesem ganzen Wust von Aufnahmen interessante Aspekte heraussuchen. Manchmal findet man so sein visuelles Glück: Man löst sich von den vorgefertigten Wunschvorstellungen:. Es muss nicht jeder gerade in die Kamera schauen, es muss nicht immer alles scharf sein. Es gibt eine andere Art von Erfüllung. Das bringt mich weiter in meinen ästhetischen Interessen.

Wann sortieren Sie ein Foto wirklich aus?

Semotan: Wenn ich einen grauslichen Moment festgehalten habe. Aber ich trenne mich schwer von Filmen. Ich werfe ungern etwas weg.

Auch das Polaroid unterliegt dem Retrotrend.

Semotan: Polaroids waren für mich immer wie erste Skizzen zu Fotografien - für all das, was man heute digital checken kann. Nun ist das Polaroid plötzlich zu einer Kostbarkeit geworden.

Die Fotokunst selber ist hip geworden, hat einen großen Sammlerkreis und ihren Preis, drei Millionen Euro für einen Gursky etwa...

Semotan: Das hat einfach mit unserem Wirtschaftssystem zu tun. Plötzlich ist vieles nichts mehr wert, was einmal Wert hatte und die Leute merken, auf Kunst kann man setzen. Keine schlechte Erkenntnis. Natürlich gibt es da auch einen anderen Umgang mit der Fotografie als Kunst, das zeigt sich in Magazinen wie auf Messen.

Bezeichnen Sie sich als Fotokünstlerin?

Semotan: Ich bezeichne mich als Fotografin. Ich habe mich immer geweigert, mir sagen zu lassen, dass ich kommerzielle Fotografin, Modefotografin oder Künstlerin bin. Ich möchte mich gar nicht festlegen, weil das auch nicht notwendig ist.

Von der Palmers- bis zur Römerquelle-Kampagne - Sie haben auch mit Ihren Werbefotografien immer gesellschaftspolitische Statements abgegeben. Was reizt Sie heute noch, einen Auftrag anzunehmen?

Semotan: Shootings, wo man die Mode in den Wald platziert und die Frau als Tier zeigt, interessieren mich nicht. Es ist mir wichtig, ein Frauenbild zu zeigen, das ich gut finde. Es geht mir um meine Interpretation. Manche meine Auftraggeber fürchten sich davor, aber meine Bewegungsfreiheit ist größer geworden.

Womit könnte man heute noch so provozieren wie dereinst mit der Pin-up-Palmers-Kampagne?

Semotan: Die Provokation ging damals ins Sexuelle, Erotische. Da ist man heute natürlich viel freizügiger. Andererseits ist man weniger zu klaren Statements bereit. Die meisten Fotoserien sind Spielerei, ergehen sich in Andeutungen und ästhetischen Versprechungen. Aber Kurven nackter junger Frauen wie ein Ornament zu fotografieren, erzählt wenig. Ich lese auch immer, dass wir die sexuell freieste Gesellschaft sind, aber, wenn ich mich so umhöre, hat sichtlich niemand wirklich Sex. Vielen ist das mittlerweile zu anstrengend, wenn sie sich gerade schön angezogen und hergerichtet haben. Es gilt eher: Oversexed und underfucked. Am amerikanischen Markt ist das noch ärger.

Die Schau zeigt auch starke Fotos von Maria Lassnig oder Franz West. Was macht ein gutes Porträt aus?

Semotan: Porträts sind eine Never-Ending-Story für mich. Letztendlich ist ein gutes Porträt eines, das die Person nicht bloß zeigt, sondern intensiviert.

Aktuell beschäftigen Sie sich verstärkt mit Stillleben. Haben sie von Gesichtern genug?

Semotan: Mit Stillleben kann man einfach Stimmungen und starke Gefühle transportieren. Das Erkennen eines solchen hat sehr viel mit dem persönlichen ästhetischen Anspruch zu tun. Damit, wie man auf seine Umgebung reagiert.

Sie sind langjährige Wegbegleiterin von Helmut Lang, engstens mit Cordula Reyer befreundet, waren mit dem Maler Kurt Kocherscheidt und danach mit Kunststar Martin Kippenberger verheiratet. Wann gibt es Ihr pralles Leben als Biographie?

Semotan: Ich habe so etwas schon angedacht, um all die Querverbindungen textlich wie visuell aufzuzeigen. Aber Frauen führen immer noch ein anderes Leben als Männer. Frauen müssen den Beruf stärker ins Familienleben integrieren. Auch ich habe zwischen Kochen und Windelwechseln an meine Fotos gedacht, - alles ein einziges Durcheinander. Ein Chaos, das ich nun erst ordnen muss.

Das Werk von Martin Kippenberger wird international neu bewertet, Kurt Kocherscheidt wird im September im Essl Museum gewürdigt…

Semotan: Das freut mich wahnsinnig. Ich bleibe deswegen ja auch den Sommer über in Österreich, um nach meiner eigenen Ausstellung die Kocherscheidt-Retrospektive als Kuratorin vorzubereiten.

Haben Sie ein Lieblingsfoto in Ihrer Schau?

Semotan: Manche Fotos gefallen mir für eine gewisse Zeit. Im Zuge der Ausstellungsvorbereitung habe ich das Mädchen, das die Sprossenwand hinaufklettert, wiederentdeckt. Das hat so eine Energie. Es zeigt eine Frau, die alles macht, was man eben normalerweise nicht macht, wenn man ein Kleid anhat.

Es gibt kaum Fotos anderer Fotografen von Ihnen. Sind sie eitel? Oder ist das eine Qualitätsfrage?

Semotan: Ich bin sogar sehr eitel. Um die Fotoqualität geht es da erst in zweiter Linie.

Zur Person: 1941 in Wels geboren, startete Semotan ihre Karriere als Model und Designerin, ehe sie Ende der 1960er Jahre hinter die Kamera wechselte. Die langjährige Helmut Lang-Vertraute war mit Kurt Kocherscheidt (†1992) verheiratet - mit dem sie zwei Söhne hat - und dem 1997 verstorbenen Martin Kippenberger. Sie lebt in Wien, New York und im Burgenland.

Die von Hans-Peter Wipplinger und Stephanie Damianitsch kuratierte Personale zeigt 180 Arbeiten aus 30 Serien und setzt erstmals alle Arbeitsfelder der Fotografin in Relation. KunstHalleKrems Eröffnung: 13. 7., 18 Uhr.

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