Hillary Clinton zieht sich zurück

Noch nie war Hillary Clinton in ihrer Heimat so angesehen wie heute. In Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Gallup erreicht die US-Außenministerin einen Beliebtheitswert von 66 Prozent, die "New York Times" feiert die Demokratin als "Rockstar-Diplomatin".

Hillary Clinton zieht sich zurück

Clinton will ihr Amt niederlegen, auch wenn Obama noch einmal gewählt wird. Dem US-Magazin "Marie Claire" sagte sie jüngst, sie habe zwei Jahrzehnte auf dem "Hochseil" der nationalen und internationalen Politik verbracht. "Ich möchte jetzt wirklich einfach meine eigene Zeit zurückhaben, ich will einfach ich selbst sein", sagte sie. Spekulationen über eine Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2016 erteilte die Noch-Außenministerin erneut eine klare Absage.

Mehr als hundert Länder besuchte Clinton in ihrer Amtszeit. Die Vielfliegerin bemühte sich um bessere Beziehungen zu Russland, polierte nach acht Jahren George W. Bush das Verhältnis zu den alten Verbündeten in Europa auf, ermutigte die Militärjunta in Burma zu einer Öffnung. Nach dem Beginn der Proteste in der arabischen Welt setzte sie sich für mehr Freiheit und Demokratie in der Region ein. Und als eine US-Eliteeinheit im Mai 2011 Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in seinem Versteck in Pakistan tötete, verfolgte Clinton den Einsatz gebannt im Lagezentrum des Weißen Hauses.

Zunächst soll Clinton gezögert haben, den von Obama angebotenen Posten als Außenministerin anzunehmen. Der erste afroamerikanische Präsident hatte in einer erbitterten Vorwahlschlacht ihren Plan durchkreuzt, als erste Frau an der Spitze der USA zu stehen. Trotz der schwierigen Vergangenheit entwickelten die beiden aber eine enge Arbeitsbeziehung.

"Einzigartiger Beitrag"

Vermutungen, dass die Außenministerin ihrem Chef gemeinsam mit Ehemann und Ex-Präsident Bill Clinton Konkurrenz auf dem internationalen Parkett machen würde, erwiesen sich als unbegründet. Mitte Oktober stellte Clinton ihre Loyalität noch einmal unter Beweis, als sie die politische Verantwortung für die tödliche Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Benghazi übernahm und Obama damit im Wahlkampf den Rücken stärkte.

"In einer immer komplexeren, turbulenteren und gefährlicheren Welt hat Außenministerin Clinton einen einzigartigen Beitrag zur Stärkung der Beziehungen zu Verbündeten, Partnern und Freunden geleistet", schrieb der frühere US-Verteidigungsminister Robert Gates im Magazin "Time". Dass die hochfliegenden Pläne Obamas in der Außenpolitik mittlerweile ziemlich zusammengeschrumpft sind, wird der Chefdiplomatin jedenfalls nicht angekreidet.

Hillary Diane Rodham wurde im Jahr 1947 in Chicago geboren, ihr Vater war ein Textilunternehmer. Landesweite Aufmerksamkeit erregte sie erstmals im Jahr 1969 mit einer Rede bei ihrer Abschlussfeier am Elite-College Wellesley. Sie ging für ein Jusstudium an die Universität Yale, wo sie den jungen Bill Clinton traf. In den 1970er Jahren arbeitete sie als Anwältin und engagierte sich bei den Demokraten, dann wurde Tochter Chelsea geboren, und ihre Karriere trat hinter der ihres Gatten zurück.

Zunächst folgte sie Bill in den Gouverneurssitz von Arkansas, ab dem Jahr 1993 dann in das Weiße Haus in Washington. Die First Lady mischte sich ein, ihre Pläne für eine Gesundheitsreform scheiterten aber an den Republikanern im Kongress. In der zweiten Amtszeit ihres Manns wurde sie gedemütigt, als die ganze Nation über dessen Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky sprach.

In aller Stille feilte Clinton aber an ihrer Karriere und gewann im Jahr 2000 einen Senatssitz in New York, das Sprungbrett für ihre Präsidentschaftsbewerbung. Mit ihrem Rückzug scheint Clinton dieses Ziel nun zu begraben. Eine Präsidentin Hillary Clinton wäre bei einem Amtsantritt im Jahr 2017 bereits 69 Jahre alt.

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