Hans Peter Haselsteiner geht in Pension – Der Abgang eines Tycoons

Hans Peter Haselsteiner geht in Pension – Der Abgang eines Tycoons

Nach vier Jahrzehnten an der Spitze zieht sich Unternehmer Hans Peter Haselsteiner zurück. Er schuf ein beeindruckendes Lebenswerk - mit ein paar Baustellen.

Einmal noch gab es das volle Programm, einen dicht gefüllten Terminkalender: Vorstandsmeetings, Telefonkonferenzen, die Vergabe des Strabag-Art-Awards, Interviews und eine Hauptversammlung. Ab kommender Woche sollte es im Leben von Hans Peter Haselsteiner weniger turbulent werden. Sein Amt als Chef des fünftgrößten europäischen Baukonzerns hat er mit 14. Juni an den Deutschen Thomas Birtel übergeben, und damit früher als ursprünglich geplant. Künftig wird HPH als Generalbevollmächtigter noch für spezielle Projekte vor allem im Bereich der Internationalisierung zur Verfügung stehen - "so viel, wie es meine ehemaligen Kollegen wünschen, so viel, wie es im Interesse der Gesellschaft geboten erscheint, und so viel, wie ich es mit meiner Lebensqualität und Lebensplanung in Einklang bringen kann“, wie er sagt.

Der Abschied ist eine Zäsur, nicht nur für die Strabag: In knapp vier Jahrzehnten hat der gelernte Steuerberater Haselsteiner aus dem Kärntner 1.300-Mitarbeiter-Betrieb seines Schwiegervaters einen internationalen Konzern mit 74.000 Beschäftigten geformt. Der 69-jährige Tiroler war immer ein bisschen anders als seine CEO-Kollegen: Durch sein Eintreten für Reichensteuern; sein großes politisches Interesse, das ihn auch für ein paar Jahre ins österreichische Parlament wechseln ließ; durch seinen Mut, Dinge auszusprechen und Schelte einzustecken.

Ein eigenwilliger Grenzgänger

Eine Schublade, in die Hans Peter Haselsteiner passt, gibt es nicht: Er ist Löwe und Lamm; schlitzohrig und aufrichtig; geradlinig, aber mit Brüchen, Ecken und Kanten. Beruflich blitzgescheit, in der Schule aber wenig erfolgreich. Er ist bekennender Agnostiker und Freimaurer, war Duzfreund von Jörg Haider, kann bestens mit der Wiener Flüchtlingshelferin Ute Bock. Er hat den russischen Oligarchen Oleg Deripaska vom Einstieg in die Strabag überzeugt. Er machte überraschend den roten Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zum Strabag-Aufsichtsratschef.

Auch sonst ist HPH für Überraschungen gut: er hat dem wegen Bestechlichkeit und Untreue verurteilten Ex-Manager der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, eine Stelle verschafft. Der Mann, der Millionen von Formel-1-Boss Ecclestone kassierte, darf während seiner Haftfreigänge bei der Strabag in München tätig werden. Intern irritiert das erheblich, zumal jeder Angestellte einen E-Learning-Kurs in Ethik absolvieren muss. "Man soll nicht päpstlicher sein als der Papst“, meint HPH dazu. Jeder verdiene eine zweite Chance.

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Auch im Unternehmen ging es mitunter vor und zurück und dann doch wieder nach vorne. Haselsteiner hat seine Bau-Holding 1987 an die Börse gebracht und 1999 viele Aktionäre enttäuscht, als er die Firma wieder zurückkaufte. 2007 erfolgte ein neuerlicher IPO, diesmal unter der Marke Strabag. Die Papiere waren dermaßen begehrt, dass der Kurs am Beginn steil nach oben schoss. Mittlerweile ist aber sowohl die Liebe Haselsteiners zur Börse als auch die der Kleinaktionäre zur Strabag-Aktie deutlich abgekühlt. Ein Lichtblick: Fast alle Analysten, die sich mit der Aktie beschäftigten, rechnen derzeit wieder mit höheren Kursen - trotz Haselsteiners Abgangs.

Auch die großen Anteilseigner wollen dem Unternehmen treu bleiben: "Wir ändern nichts an unserer Strategie, was die Beteiligung an der Strabag betrifft“, betont Klaus Buchleitner, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Ob der Russe Oleg Deripaska allerdings seine Option ausübt, bis zum Sommer 2014 sein Paket von 18,2 auf 25 Prozent aufzustocken, ist weniger sicher, auch wenn der für Deripaska tätige Topmanager Siegfried Wolf vor kurzem im "trend“ sagte, man werde vertragsgemäß die Option ziehen.

Russland macht Sorgen

Innerhalb der Strabag ist man enttäuscht darüber, dass der russische Markt deutlich schwieriger ist als gedacht. Jetzt liegt es an HPH-Nachfolger Thomas Birtel, aus der großen Russland-Fantasie endlich was zu machen. Davon, dass das riesige Land zum dritten Kernmarkt neben Österreich und Deutschland für den Baukonzern wird, ist die Strabag noch weit entfernt. Gerade einmal vier Prozent des Konzernumsatzes stammen aus dieser Region. Gehofft wurde, dass die Strabag viele Großaufträge für die Olympischen Spiele in Sotschi erhält. Doch von den rund 30 Milliarden Dollar schweren Aufträgen ging nur ein kleiner Teil an die Österreicher. Deutlich stärker als gedacht machten sich die Türken in Russland breit: "Die bauen mit Billigarbeitskräften billige Qualität, so etwas haben wir schon lange verlernt. Aber für Russland gibt es diesen Markt noch“, sagt Haselsteiner.

Bei einem Meeting, wo es um Sotschi ging, bekam Haselsteiner kürzlich einen Tobsuchtsanfall. Nichts Außergewöhnliches: Aber er kann genauso mitfühlend wie aufbrausend sein. Er kann Geschäftspartnern Hausverbot erteilen, aber auch sehr kooperativ sein.

Probleme gibt es auch bei der Partnerschaft zwischen Strabag und der Transstroy, einer Deripaska-Baufirma. Die Österreicher haben eine Anzahlung von 70 Millionen Euro für 26 Prozent der Anteile geleistet und wollten bis Herbst 2012 auf 51 Prozent aufstocken. Doch der Plan hielt nicht. Die Zahlen und Standards bei Transstroy sollen nicht passen, sodass ein Scheitern nicht mehr ausgeschlossen wird. Aus Sicht von HPH wäre das keine Katastrophe: "Wir würden dann eben keinen Wachstumsschub erhalten, den wir sonst erreicht hätten.“

Auch anderswo häufen sich Probleme: Die schwache Konjunktur und das schlechte Wetter trüben das Baugeschäft, die hohen Staatsschulden lassen wenig Spielraum für Infrastrukturinvestitionen. Dazu kommen interne Schwierigkeiten beim "Tausendfüßler“ Strabag: Angefangen von falschen Kalkulationen über Beteiligungen, die nichts bringen, bis zu den vielen Profit-Centern, die sich selbst Konkurrenz machen und so ein optimales Gesamtergebnis verhindern.

Warum geht er gerade jetzt? Brancheninsider sagen hinter vorgehaltener Hand: "Jetzt, wo es kritisch wird, geht HPH.“ Haselsteiner kontert dieser Kritik mit mehreren Argumenten: Erstens sei er ja nicht ganz weg. Zweitens gebe es eine eigene Arbeitsgruppe, die an besseren Strukturen arbeitet. Und drittens sei das schwierigste Jahr 2012 gewesen, ein Jahr mit vielen eigenen Fehlern und wenig erfreulichen Ergebnissen: Der Konzerngewinn brach um zwei Drittel ein.

Haselsteiner glaubt, dass es für die Strabag jetzt wieder aufwärts gehen wird, weil sich das Unternehmen an die neuen Marktgegebenheiten angepasst hat und es auch zu Insolvenzen der Konkurrenz kommt. Auch Aufsichtsratschef Alfred Gusenbauer ist optimistisch. "Ich habe ein gutes Gefühl“, meint er. Das Unternehmen sei viel besser aufgestellt als die meisten anderen europäischen Bauriesen.

Wachstumschancen ortet Gusenbauer vor allem im "Service-Teil“, also wenn die Baufirma nicht nur ein Bürohaus baut, sondern gleichzeitig auch das Facility Management anbietet oder Autobahnen selbst betreibt. "In diesem Bereich wird die Strabag expandieren“, sagt Gusenbauer. Im Gegensatz zum volatilen Baugeschäft sind hier fixe Einnahmen auf längere Zeit möglich. Auch der geografische Fokus wird erweitert: Nach einem Tunnel am Niagara-Wasserfall bohrt das Bauunternehmen nun in Chile für eine US-Firma ein knapp 50 Kilometer langes Tunnelsystem, ein 500-Millionen-Dollar.-Auftrag "Man muss für solche Aufträge offen sein“, sagt Gusenbauer.

Markenzeichen Offenheit

Schon in der Vergangenheit war Offenheit ein Markenzeichen von Haselsteiner. Die ersten Schritte ins Ausland übernahm die Ilbau, wie das Kärntner Unternehmen damals hieß, in den 70er Jahren nicht ins benachbarte Italien, sondern nach Libyen. "Die IBG Bau Baden, eine mittlere Industriebaugesellschaft, hat uns gefragt, ob wir mit ihr nach Libyen gehen wollen, denn sie hatten dort ein Projekt akquiriert“, erzählt Haselsteiner. "Es war Abenteuer pur und sehr anstrengend.“ Jeden Freitag flog er damals nach Tripolis, jeden Sonntagabend wieder zurück.

Später ging die Ilbau nach Wien und bereits vor dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Osteuropa. Gewachsen ist Haselsteiners Reich aber vor allem durch Übernahmen, es waren so viele, dass selbst er die genaue Zahl nicht kennt. Zuerst wurde mit Soravia der Kärntner Konkurrent geschluckt, später kamen Wiener Betriebe dazu, dann die deutsche Strabag und Walterbau. "Als wir in Deutschland die Nummer eins waren, war es naheliegend zu sagen: Was gibt es noch?“, sagt Haselsteiner - und fortan hieß das Ziel, die Strabag solle zum größten Baukonzern Europas werden.

Dass Haselsteiner diesen Triumpf nicht mehr erreicht hat, scheint ihm egal. Wehmut zum Abschied schleicht sich bei ihm nicht ein: "Vieles, was ich nicht vermissen möchte, muss ich auch künftig nicht vermissen. Daher ist es durchaus erträglich“, sagt er. Sein Terminkalender hat ab kommender Woche schon deutlich mehr Lücken.

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