Franz Mayr-Melnhof – Das russische Abenteuer

Franz Mayr-Melnhof – Das russische Abenteuer

Die Expansionspläne von Österreichs größtem privatem Waldbesitzer, Franz Mayr-Melnhof, sind ins Stocken geraten. Ein riesiges Sägewerk in Russland, das auch Anlass für einen pikanten Rechtsstreit gibt, verschlang bisher mehr als 100 Millionen Euro.

Es ist ein Fall, wie er sich im Wirtschaftsleben zuweilen ereignet. Ein Geschäftsmann hat ein Projekt an der Hand und führt dazu zwei Partner zusammen, die sich gut für die Umsetzung eignen könnten. Die schließen sich kurz, machen das Geschäft allein und lassen den Vermittler außen vor. Das passiert auch in feinsten Unternehmerkreisen und innerhalb nobler Verwandtschaft. Zumindest Alexander Maculan, 70, der ehemalige Bautycoon, sieht das so. Er hat den Neffen seiner Exfrau, Franz Mayr-Melnhof VI., geklagt, weil er sich von ihm bei einem Russland-Geschäft in dieser Weise ausgebootet fühlt (siehe Kasten).

Sägewerk in Efimovskij

Der Prozess um die Provision läuft noch. Und die Auseinandersetzung rückt auch das Streitobjekt selbst, ein Sägewerk in der Nähe von St. Petersburg, in den öffentlichen Fokus. Für die Mayr-Melnhof Holz AG (MM Holz) in Leoben handelt es sich dabei um ihr derzeit wichtigstes und größtes Investment, mit dem viel auf dem Spiel steht - und das nicht gar so gut zu laufen scheint.

Laut Maculan gelang es ihm vor einigen Jahren, die LSR-Gruppe, einen der größten russischen Anbieter von Allround-Leistungen in der Baubranche, der in Moskau und London an der Börse notiert, für die Errichtung eines Sägewerks - kombiniert mit einem Forstbetrieb - zu gewinnen. Maßgeschneidert für Franz Mayr-Melnhof, 35, der schon länger ehrgeizige Expansionspläne wälzte. LSR brachte in das Joint Venture ein Waldgebiet in der Taiga ein und erhielt dafür einen Anteil von 30 Prozent, MM Holz hält 70 Prozent. Während die Russen nur einen Naturalanteil leisteten - der Forst ist an MM Holz auf 49 Jahre verpachtet -, musste das steirische Unternehmen für die Errichtungskosten des Sägewerks in Höhe von 80 Millionen Euro zur Gänze allein aufkommen. Am 25. September 2009 rollten in Efimovskij die ersten Baumstämme über die Bänder.

Abenteuer Russland

Die Ausgangsbedingungen schienen optimal. Der Wald sollte mit jährlich 450.000 Festmetern in bester Rundholzqualität genügend Rohstoff liefern. Die geografische Lage in der Nähe russischer Ballungszentren sowie Häfen ermöglicht ein kostensparendes Erreichen der Absatzmärkte. Trotzdem ist offenbar der Wurm in dem Projekt. Denn inzwischen ist Mayr-Melnhof-Partner Mikhail Romanov, Managing Director für neue Projekte der LSR Gruppe, offenbar unzufrieden. Über einen Vermittler lässt er FORMAT ausrichten, dass nach dreijähriger Laufzeit des Werks "nichts weitergeht und nichts passiert“. Das klingt nicht wirklich optimistisch.

Schon die Eröffnung erfolgte um zwei Jahre zu spät, was zu erheblich höheren Baukosten führte. In Summe hat die Großsäge bisher deutlich mehr als 100 Millionen Euro verschlungen. Eine Größenordnung, die auch MM-Holz-CEO Michael Spallart bestätigt, der aber einschränkt: "Natürlich treten bei so einem Großprojekt immer wieder kleinere Schwierigkeiten auf; wir sehen uns trotzdem auf einem guten Weg und in Russland nach wie vor großes Potenzial.“

Harter Boden

Dass die waldreichen Weiten Russlands ein harter Boden sind, wissen auch andere. Vor Jahren mussten das auch die Österreichischen Bundesforste schon erfahren, die mit 25 Prozent Minderheitsgesellschafter an der MM Holz sind. Das Russland-Engagement der Bundesforste endete damals mit einem Verlust von rund 10 Millionen Euro. "Wir haben uns vor drei Jahren vom russischen Markt komplett verabschiedet“, zieht auch der österreichische Holzindustrielle Gerald Schweighofer eine nüchterne Bilanz und meint: "Für Russland muss man eine bestimmte Unternehmensgröße haben, kapitalstark, politisch bestens vernetzt sein und Erfahrung haben.“

Expansions-Flops

Zusätzliches Problem des jungen Forsterben Mayr-Melnhof: Auch außerhalb Russlands lief die Expansion nicht so wirklich erfolgreich. 2008 erwarb Mayr-Melnhof sechs Werke von der heimischen Stallinger Holzverwertungsgruppe, darunter auch ein Sägewerk in der Schweiz. Kolportierter Gesamtpreis: 200 Millionen Euro. Lediglich ein Jahr später musste das Stallinger-Sägewerk in Amstetten zusperren, zwei Jahre später ging das Schweizer Werk in Konkurs. Hauptgläubiger ist die Erste Bank, der daraus ein Verlust von rund 20 Millionen Euro droht. Auch das ehemalige Stallinger-Werk Frankenmarkt läuft derzeit auf Kurzarbeit. Branchenkenner schätzen, dass MM Holz allein mit den Schließungen in Amstetten und in der Schweiz einen Verlust von 90 Millionen Euro realisierte, dazu kommt der hohe Einsatz in Russland.

Neues Management

2011 zog Franz Mayr-Melnhof als Aufsichtsratschef deswegen die Konsequenzen und wechselte das Management aus. Mit Michael Spallart, 48, ist ein neuer CEO angetreten, der das Unternehmen auf internationalen Kurs bringen soll. Und er zeigt sich zuversichtlich: "2011 ist es gelungen, den Umsatz um zehn Prozent auf 568 Millionen zu steigern und das EBIT um sechs Prozent.“ Intensiviert wird die Division Holzverarbeitung, wo im aktuell schwierigen Wirtschaftsumfeld noch vernünftige Margen zu verdienen sind. Im Sägegeschäft geht die Schere zwischen hohen Rohstoff- und sinkenden Verkaufspreisen durch Überkapazitäten immer weiter auseinander, klagt die Branche. Neue Investitionen sind bei MM Holz in nächster Zeit daher nicht vorgesehen. "Wir konsolidieren“, sagt Spallart, der nun auch das Russland-Abenteuer auf Schiene bringen muss.

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