"Es fehlt in Osteuropa ein robustes, lange andauerndes Wachstum"

"Es fehlt in Osteuropa ein robustes, lange andauerndes Wachstum"

FORMAT: Herr Kremlicka, wie hat sich der Standort Österreich als Drehscheibe der Finanzwirtschaft nach Osteuropa entwickelt?

Robert Kremlicka: Eine nur scheinbar einfache Frage. Österreich hat sich vom Tor nach Osteuropa tatsächlich zur Drehscheibe entwickelt. Wir konnten die Dividenden der Ostöffnung einstreifen. Die EU-Erweiterung hat uns Wohlstand gebracht, wegen drei entscheidender Kriterien: unternehmerischer Mut, geographische Nähe und kulturelle Affinität. In Osteuropa selbst wurden ja über die steigende Inlandsnachfrage hinaus überregionale Impulse geschaffen für ganz Europa. Das war auch von den Exporten nach Westeuropa getragen. Doch mit der Krise sind diese rückläufig. Zu den Banken: Die haben großen Mut und Leadership gezeigt. Das Ergebnis sind exzellente Marktpositionen. Aber jene Faktoren, die uns zur Drehscheibe gemacht haben wirkten vor allem in der Aufbauphase sie haben ein Ablaufdatum.

Den Banken wird bewusst sein, dass sich die Umstände ändern.

Kremlicka: Die Banken haben vermutlich kein dramatisches Problem, sollte Österreich als Standort an Attraktivität verlieren. Das Hauptgeschäft liegt in CESEE. Sie bedienen vor Ort ihre Kunden und durch die steigende Qualifikation ihrer Töchter verlagern sich selbst Konzernfunktionen von Österreich in die jeweiligen Staaten.

Trotzdem wird das Engagement der Banken in Osteuropa als Risiko für Österreich gesamt gesehen, nicht nur von Ratingagenturen.

Kremlicka: Für die österreichische Finanzwirtschaft ist das Engagement in Osteuropa nicht nur strategisch wichtig, es ist auch der wichtigste Ertragsbringer. Das gilt auch für den Ertrag: Bei der wichtigen Kennzahl des Verhältnisses zwischen Aufwand und Ertrag stehen die Töchter der österreichischen Banken in Ost- und Südosteuropa deutlich besser da als die Banken in Österreich selbst.

Doch wie geht es nun weiter?

Kremlicka: Die Banken haben ein Deleverage (Abbau der Schulden, Anm.) mit Augenmaß gemacht. Das war gar nicht leicht, weil die österreichischen Banken ja in Osteuropa eine kritische Marktgröße haben, die Auswirkungen auf die jeweilige Volkswirtschaft hat. Bezüglich des Ratings muss man sagen, dass es ja keinen Wirtschaftsraum Osteuropa per se gibt. Hier muss genau zwischen den einzelnen Ländern unterschieden werden. Ein Problem ist jedoch das Fehlen eines robusten, lange andauernden Wachstums in der Region. Die starke Schattenwirtschaft und die hohe Arbeitslosigkeit bleiben in manchen Ländern ein Problem. Zusammengefasst: Es bleibt auch für die Banken ein großes Fragezeichen, ob wir je wieder die historischen Wachstumsraten sehen werden. Strategien und Businesspläne sind neu zu schreiben.

Über Osteuropa hinaus gilt die Türkei als Wachstumsmarkt. Ergeben sich da auch für österreichische Banken und für österreichische Unternehmen generell weitere Chancen?

Kremlicka: Die Türkei ist an der Peripherie Europas sicherlich der attraktivste Markt und ist für Banken, aber generell für jede Branche interessant. Russland ist zwar auch attraktiv, doch die weitere Entwicklung hängt zu stark vom Ölpreis ab.

Zurück nach Osteuropa: Sind die Banken in Osteuropa auch ein Türöffner für andere Branchen?

Kremlicka: Mit Sicherheit. Wenn sich österreichische Unternehmen dort engagieren wollen, helfen die Top-Kontakte der Banken vor Ort. Zwar müssen sich die Banken nun ihr Portfolio genau ansehen, denken Sie nur an Basel III, aber sie machen das sehr behutsam. Jedenfalls helfen die bewährten Synergien gerade in dieser schwierigen Phase.

Wie beurteilen Sie generell die Zukunft des Standortes Österreich?

Kremlicka: Österreich hat in den nächsten fünf Jahren die enorme Chance, sich als Wirtschaftsstandort weiter zu entwickeln. Ich denke da zum Beispiel an asiatische Unternehmen, die in Europa Fuß fassen wollen und nun Standorte suchen. Hier sollten wir Österreich stärker vermarkten, das wäre eine riesige Chance. Ein Erfolg hätte zweifellos auch positive Auswirkungen auf die heimische Finanzwirtschaft. Ich muss aber ergänzen, dass Österreich unter zu hohen Arbeitskosten und zu hohen Steuern leidet. Die geringe Planbarkeit unserer Wirtschaftspolitik macht es zunehmend schwierig, den Standort zu promoten. Massive Verbesserungen sind notwendig, sonst gefährden wir unseren Wohlstand.

Zur Person
Robert Kremlicka ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens A.T. Kearney in Wien und berät Unternehmen aus Branchen wie Finanz, Telekom und Industrie in den Bereichen Strategie, Organisation und Business Transformation. Kremlicka, der an der WU Wien studiert und u.a. bei Veitsch Radex tätig war, ist seit 1998 bei A.T. Kearney. 2005 ist sein Buch „Wohlstand sucht Wachstum“ über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Österreich erschienen.

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