"Es gibt nichts Besseres, als ein Kind aufwachsen zu sehen"

"Es gibt nichts Besseres, als ein Kind aufwachsen zu sehen"

FORMAT : Doppelten Glückwunsch! Mitten in einer Schwangerschaft in eine Führungsposition zu wechseln, ist nicht alltäglich. Wie kam es dazu und wie wird das funktionieren?

Corinna Milborn : Eine Beförderung im fünften Monat ist sicher ungewöhnlich, da landet man sonst eher am Abstellgleis. Nach der offiziellen Meldung meiner Schwangerschaft beim Arbeitgeber, habe ich im Gespräch mit Markus Breitenecker (Anm.: Puls-4-Chef) ein Arbeitsmodell gefunden, das eine Leitungsfunktion in Teilzeit möglich macht. Ich übernehme die Info-Direktion und bin für die journalistische Leitung unserer Eigenproduktionen verantwortlich: "Guten Abend Österreich“, die "AustriaNews“ auf Pro Sieben und Sat 1, "Cafe Puls“, "Pro & Contra“ sowie die Talk- und Interviewsendungen zum Wahljahr.

Ein solches Pensum geht in Teilzeit?

Milborn : "Guten Abend Österreich“ werde ich in der neuen Funktion nicht mehr moderieren. Wir haben die Info-Direktion geteilt. Philipp Tirmann ist für Organisation, Management, Budget verantwortlich, ich für Inhalte und Journalismus. Bis August werde ich als Chefredakteurin für alle Sendungen in jeder Sitzung sein. Dann werden wir mit starken Sendungsverantwortlichen so gut aufgestellt sein, dass das auch halbtags in einer Art Herausgeber-Position geht.

Wie schwer ist es, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen?

Milborn : Kinder gehören zum Leben. Ich habe mein erstes Kind mit 26 bekommen. Da war ich ein Jahr in Karenz und habe meine Diplomarbeit fertig geschrieben. Seitdem meine Tochter ein Jahr alt war, habe ich wieder gearbeitet und mein damaliger Partner ging in Karenz. Danach haben wir beinhart Halbe-halbe gemacht. Es gibt nichts Besseres im Leben, als ein Kind aufwachsen zu sehen, aber dieses Hausfrauenmodell, wo Mütter zu Hause bei den Kindern sind und keine Kontakte mehr haben, führt zu einem verdammt hohen Valiumverbrauch und zu Depressionen. Ich bin immer gefragt worden, wie ich mit Kind arbeiten konnte, Männer werden das nie gefragt. Die Lösung heißt Halbe-halbe, dann funktioniert es. Wenn Väter ihre Hälfte erledigen sogar ziemlich easy. Als Frau allein für ein Kind zuständig zu sein und das mit dem Job zu vereinbaren, das geht nicht. So viel Organisationstalent kann man gar nicht haben.

Und mit Halbe-halbe können beide Partner auch Karriere machen?

Milborn : Voraussetzung dafür ist eine pädagogisch sinnvolle ganztägige Kinderbetreuung. Ich glaube nicht, dass es irgend einen Job auf der Welt gibt, bei dem man nicht zweimal pro Woche um halb fünf gehen kann. Wenn sich jemand für so unentbehrlich hält, macht er etwas falsch. Man sieht ja auf den hinteren Seiten der Magazine, dass sich Manager Zeit für Hobbys schaffen und Golf spielen, Oldtimer fahren oder Segeln gehen. Es ist aber auch so, dass Männer in Führungspositionen oft stolz durchs Büro gehen und jedem erzählen, sie gehen jetzt ihr Kind abholen, während Managerinnen eher sagen, sie müssten zum Zahnarzt, wenn sie ihr Kind von der Schule abholen, damit bloß nicht der Eindruck entsteht, sie würden durch die Familie gebremst.

Das Problem ist das Rollenbild?

Milborn : An dem liegt es auch, dass die Väterkarenz immer noch so "halbschief“ angeschaut wird. Die soziale Anerkennung für Kinderbetreuung ist niedrig. Und die Gehaltsschere fördert, dass eher Frauen als Männer in Karenz gehen.

Läuft da bei der Familienförderung in Österreich etwas schief?

Milborn : Die Familienförderung fördert das Zuhausebleiben der Frauen. Es ist ein System, in das sehr viel Geld und politischer Wille hineinfließen. Wenn man damit das Ziel verfolgt, die Geburtenrate zu steigern, ist der Output ganz offensichtlich nicht der erwünschte. Statt zu fördern, dass man nach drei Jahren Karenz im Job weg vom Fenster ist, sollte man besser fördern, dass man Jobs aufteilen kann. Das würde auch die Burnout-Problematik entschärfen. Dazu braucht man gute Ganztagesbetreuung für Kinder ab drei Jahren. Kinder dieses Alters wollen in Gruppen mit anderen zusammen sein. In Frankreich oder Belgien ist es etwa total schlecht angesehen, wenn Mütter ihren Kindern diese sozialen Beziehungen vorenthalten.

Wird sich dieses gesellschaftliche Klima Ihrer Meinung nach in Österreich je ändern?

Milborn : Selbst ehemalige VP-Ministerinnen und Managerinnen der älteren Generation sagen: Wir konnten schon Karriere machen, aber mussten dafür auf Kinder verzichten. Das wollen Frauen heute nicht mehr. Es muss doch möglich sein, eine Gesellschaft so zu organisieren, dass Kinder ganz selbstverständlich dazugehören.

Zur Person
Corinna Milborn, Jahrgang 1972, studierte in Wien und Spanien, war Menschenrechtsbeobachterin in Guatemala und WWF-Pressesprecherin für Globalisierungsfragen. Journalistisch arbeitete sie als Politikredakteurin für FORMAT, Club-2-Moderatorin und stellvertretende NEWS-Chefredakteurin. 2012 wechselte die mehrfache Buchautorin ("Gestürmte Festung Europa“, "Ware Frau“) und Mutter einer 13-jährigen Tochter zum Privatsender Puls 4, wo sie jetzt zur Info-Direktorin aufstieg.

Erektions- und Potenzstörungen sind weiter verbreitet als man denkt, doch kaum jemand sucht professionelle Hilfe.
#Gesundheit #Sexualität
 

Gesundheit

Erektionsstörungen: Das ist bei Potenzproblemen zu tun

Die Voestalpine liefert 120.000 Tonnen Bleche für den Bau der South Stream Pipeline von Russland nach Österreich.
#ukraine #south stream #russland #putin #omv
 

Börse Wien

Voestalpine ist bei South Stream als Lieferant im Geschäft

Der japanische Konzern präsentiert auf der IFA die neue Flaggschiff-Reihe Z3. Das Acht-Zoll-Tablet ist ein Angriff aufs iPad mini.
#sony
 

Mobile

Sony stellt Produkte der Z3-Reihe vor