Dirk Stermann: "Ihr habt den ganzen Osten gekauft"

Dirk Stermann: "Ihr habt den ganzen Osten gekauft"

Der deutschstämmige Kabarettist Dirk Stermann diskutierte in Alpbach über den Wirtschaftsstandort Österreich.

FORMAT: Herr Stermann, Sie sind 1987 aus Düsseldorf nach Wien gekommen. Wie haben Sie damals die Unterschiede in der Wirtschaft und beim Wohlstand erlebt?

Dirk Stermann: Damals war Düsseldorf Bundesrepublik und Weststadt. Wenn man nach Wien reiste, hatte man das Gefühl, im Ostblock anzukommen. Es war wie bei einer Klassenfahrt nach Weimar Mitte der 80er-Jahre. Wien war tatsächlich der Sackbahnhof vom Westen. Es war sehr ostisch.

Damals war Deutschland klar reicher, heute liegt Österreich bei den Wirtschaftsdaten vorn. Ist das auch im alltäglichen Leben spürbar?

Stermann: Das Deutschland, das ich damals verlassen habe, war völlig anders als heute. Mein Deutschland hatte eine andere, starke Währung. Es hatte andere Briefmarken, einen anderen Kanzler. Es war halb so groß wie heute. Es war erfolgreich im Fußball und hat bei internationalen Turnieren gewonnen. Es kamen immer große Autos aus Deutschland, der ADAC-Reiseatlas lag hinten auf der Rückbank. All das war natürlich für Österreich ekelhaft. So wurde Deutschland zum Feindbild.

Deutschland hatte mit der Wiedervereinigung Probleme, viele arme Menschen mussten aufgefangen werden. Wie hat sich Österreich im direkten Vergleich entwickelt?

Stermann: Österreich ist eindeutig ein Gewinner der Ostöffnung. Das sehe ich bei meinem Nachbarn, der bei der Erste Bank arbeitet. In den ersten Jahren dachte man, dass er jeden Tag in eine andere Stadt reist, um die Stadt aufzukaufen. Nach außen hin ging in Österreich wegen der Ostöffnung die Angst um, auch Angst um Arbeitsplätze. Tatsächlich hat aber Österreich den ganzen Osten aufgekauft. Gefühlsmäßig gehört Osteuropa Österreich.

Jahrelang hat die Ostfantasie Österreichs Wirtschaft beflügelt. War das nur eine Illusion?

Stermann: Viele Konzerne wie die OMV und die Wiener Städtische wurden im Osten aktiv. Ich kann mich erinnern, als die Wiener Städtische an die Börse ging. Ich war zur Zeit der Ostöffnung Werbesprecher der Versicherung und musste fast jeden Tag ins Tonstudio, um neue Texte aufzunehmen, weil die Kundenanzahl im Osten ständig von zuerst sechs Millionen auf letztlich 25 Millionen stieg. Mir war klar, dass sich 25 Millionen Menschen nicht irren können. Das war eine einzige Erfolgsgeschichte, der gesamte Osten wurde quasi "Wiener Städtisch“. Es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass Österreich wahnsinnig erfolgreich war und von der Ostöffnung profitierte.

Die Öffnung fiel Österreich bis zu einem gewissen Grad in den Schoß. Aber hätten nicht auch andere Länder früher auf den rollenden Zug aufspringen können? Welche Fähigkeiten machten die österreichische Vorreiterrolle möglich?

Stermann: Das ist aus historischer Sicht zu sehen. In den Köpfen der Österreicher ist immer noch das Weltreich präsent. Man weiß, dass Österreich einmal riesig und sehr wichtig war. Ich glaube, dass die Ostöffnung eine Möglichkeit bot, sich ein Stück davon zurückzuholen. In Österreich leben viele Tschechischstämmige, viele, die aus Ungarn gekommen waren. Es gibt die ganze K.-u.-k.-Posse, die in Österreich gelebt wird. Deshalb war es fast natürlich, dass die Aktivitäten in Richtung Osteuropa von Wien ausgehen. Ich weiß nicht, wer das sonst hätte machen sollen. Die Österreicher tun nur so, als wären sie gemütlich und ein wenig faul. Das Motto "Schauen wir einmal“ oder der Spruch "Wenn nicht heute, dann morgen“ - das trifft ja gar nicht auf Österreicher zu. Ich kenne Statistiken, die belegen, dass Österreicher mehr arbeiten als Deutsche. Ich glaube, dass die Österreicher im Management und in der Geschäftemacherei extrem gut sind.

Zur Person: Der aus Duisburg stammende Dirk Stermann, 46, lebt seit 1987 in Wien und ist als Moderator, Kabarettist und Autor tätig. Seit 1990 bildet Stermann die deutsche Hälfte des Duos "Stermann & Grissemann“, das die ORF-Kult-Talkshow "Willkommen Österreich“ moderiert. Diese Woche nahm der Wahl-Österreicher auf Einladung von SAP beim Europäischen Forum Alpbach am Workshop "Wirtschaftsstandort Österreich: Fit für die Zukunft oder reif fürs Museum?“ teil.

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