Dirk Stermann: "Die Deutschen sind Hightech-Tschuschen"

Dirk Stermann: "Die Deutschen sind Hightech-Tschuschen"

Rechtzeitig zur wöchentlichen Aufzeichnung der ORF-Show "Willkommen Österreich" ist Dirk Stermann von einem Kurzurlaub an der Côte d’Azur zurückgekommen. Gerade auch rechtzeitig, um die Promotiontour zu seinem neuen Roman "Stoß im Himmel“ zu starten, der am 8. März in den Buchhandel kommt. Noch hat der 47-jährige ORF-Star aus Duisburg allerdings nicht einmal den Erfolg seines ersten Romans "6 Österreicher unter den ersten 5" so richtig verdaut, der wochenlang auf Platz eins der Bestsellerlisten stand. Immerhin hat er ja schon mit seinem beruflichen Lebensabschnittspartner Christoph Grissemann - mit dem er seit 1989 zur Satirikertrademark "Stermann & Grissemann“ verschmolzen ist - neben den gemeinsamen Kabarettprogrammen auch mehrere Bücher geschrieben. Von denen wurden allerdings, wie Stermann im Interview erzählt, höchstens an die 6.000 Stück verkauft.

Umso mehr sei er also erschrocken, als er in der Buchhandlung Morawa neben seinem Bücherberg ein Riesen-Ganzkörperplakat von sich sah. "Ich hatte keine Meinung zu den Österreichern. Aber womit ich nicht gerechnet hatte: Jeder Österreicher hatte eine Meinung zu den Deutschen“, schildert der Rheinländer darin seinen Wiener-Werdegang und was es heißt, in ein Land zu ziehen, das heute noch von Córdoba schwärmt.

Ein nicht minder skurriles Panoptikum liefert Stermann in seinem neuen Roman "Stoß im Himmel“, benannt nach einer Gasse im ersten Wiener Gemeindebezirk, wo sein junger Held Rudi Gluske als Pädagoge und Autor in den Tag hineinlebt, glücklich verliebt in seine französische Freundin Laetitia. Bis ein vertauschtes Schweinsschnitzel und ein konvertierter Moslem einen Krieg der Kulturen auslösen …

FORMAT: Im Banne der Oscar-Nacht titelte die deutsche "Bild“-Zeitung zu Waltz und Haneke: "Unsere Oscar-Hoffnungen", worauf hierzulande zu lesen war: "Piefke klauen unsere Oscar-Stars. Als wär’s ein Stück aus Ihrem letzten Buch "6 Österreicher unter den ersten 5"? Amüsiert Sie das noch?

Dirk Stermann: Ich stehe mein Leben lang dazwischen und habe das immer grotesk gefunden, Deutscher in Wien zu sein. Ich verstehe aber beide Seiten. Und beide haben Recht: Die "Bild“-Zeitung hat ja derzeit online eine Uhr laufen, wie viele Sekunden wir noch Papst sind. Also, das muss man den Deutschen dann lassen, wenn sie nicht mehr Papst sind, brauchen sie doch was anderes.

Die Deutschen sind ja mittlerweile auch die größte Ausländergruppe in Österreich …

Stermann: Die Deutschen sind halt so Hightech-Tschuschen.

Sind Sie nach 25 Jahre in Österreich integriert und entpiefkesiert?

Stermann: Nur insofern, als ich jetzt weiß, dass ich ein Piefke bin. Und ich verstehe sehr genau, was dem Österreicher am Deutschen unangenehm ist: allein die Sprache! Ich finde es aber super, dass ich nicht wie ein Wiener rede und dadurch besser höre, wie Wiener reden. Ich liebe die Stadt, finde aber gut, dass ich von woanders bin. Ich bin auch richtig froh, dass ich nicht wählen darf. Dadurch bin ich immer fein raus, wenn ein schlechtes Ergebnis rauskommt. Da seid ihr dann selber schuld!

"Stoß im Himmel“ ist ein sehr persönlicher Roman, obgleich Sie voranstellen, dass alles ausnahmslos fiktiv ist.

Stermann: Ich finde das gut, die Leute anzuspitzen und auf die falsche Bahn zu leiten. Schon der erste Satz ist eine komplette Lüge …

… die exakt beschriebenen Stadtspaziergänge zwischen Schwertgasse und Schottenring?

Stermann: Ich habe mir das alles auf dem Plan rausgesucht. Aber lustigerweise bin ich jetzt, nach Abschluss des Buches, genau in diese Gegend gezogen, die ich den ganzen Sommer über beschrieben habe.

Gäb es diese Neugier auf Romane von Ihnen auch, wenn Sie nicht DER Dirk Stermann wären?

Stermann: Nein. Das würde ohne meinen Job bei Funk und Fernsehen wahrscheinlich keinen interessieren, aber ich bin glücklich darüber. Die Ursprungsidee von mir selber war ja, Schriftsteller zu werden. Ein Teil dieses Romans, die Eiermann-Geschichte, entstammt auch einem Roman, den ich mit 20 Jahren geschrieben habe. Unglaublich schlecht! Ich habe damals auch nur Absagen bekommen. Auch so eine Absage habe ich verwertet.

Apropos Absage: Hatten Sie Hemmungen, nach einem Bestseller was Neues nachzuliefern?

Stermann: Ich habe lange überlegt. Wahrscheinlich denken die Leute, dass ich durchgehend Pointen liefere, ich bin aber nur der Ich-Erzähler in dieser Familiengeschichte des Widerstands. Parallel habe ich darin meine Kindergeschichte "Superknut“ verarbeitet und den Jugendroman, der nach einer Lungenembolie im Spital im Fieber entstand, inspiriert von John Irvings "Garp“ …

Das klingt fast nach Restlverarbeitung.

Stermann: Die Geschichte hat ja vier Erzählebenen, ich habe zwei Sommer lang daran geschrieben. Ich kann ja immer nur im Sommer schreiben. Wenn ich am Abend auftreten muss, kann ich tagsüber nur im Hotel liegen.

Mittlerweile haben Sie abseits der Karriere an der Seite von Christoph Grissemann einige eigene Projekte: Sie haben choreografiert, sich am Wienerlied versucht, schreiben Kochbücher und Romane. Sind Sie um so viel gieriger oder einfach interessierter als Grissemann?

Stermann: Christoph mag nicht kreativ sein. Er hat dafür größeres Interesse am Schauspiel, das ich nur widerwillig mache. Christoph ist faul und macht mehr Werbung, das macht ihm Spaß und bringt auch mehr Geld. Mir macht das keinen Spaß. Aber es hatte natürlich einen Grund, dass ich schon mit dem ersten Buch etwas Eigenes machen wollte. Wir haben uns damals genervt, mich hat vor allem mein Beruf genervt. Wir haben das alte Programm "Die Deutsche Kochshow“ über 400-mal gespielt, und ich habe das einfach nicht mehr ausgehalten. Ich hatte schon Schmerzen auf der Bühne.

Liest Grissemann Ihre Bücher?

Stermann: Er liest viel, aber ob er meine Bücher liest, weiß ich nicht. Er fragt mich nur, wie viel verkauft sind. Sonst interessiert ihn das eher nicht.

Haben Sie selbst mit derartigem Erfolg gerechnet?

Stermann: Ich kann mich halt nicht so ernst nehmen. Ich würde mich auch nie als Schriftsteller bezeichnen. Ich bin mal bei einem Abendessen neben Turrini gesessen, und er hat mich gefragt, ob ich schon vom Schreiben leben kann - absurd. Ich bin ein Unterhaltungsfuzzi!

"Keine Angst vor der billigen Pointe“ ist Ihr Bühnenmotto im Duo. Wie weit hat das auch beim Schreiben Gültigkeit?

Stermann: Ich muss mich konzentrieren, dass ich das nicht anwende. Ich muss mich aber noch mehr darauf konzentrieren, dass ich nicht sentimental beim Schreiben werde. Ich habe oft Tränen in den Augen, weil ich das grad so schön traurig finde, was ich schreibe. Mir geht’s um das banale Gefühl, bei mir ist immer alles großes Kino.

Depression und Melancholie spielen auch im Buch eine große Rolle, ticken Sie nicht doch schon sehr Wienerisch?

Stermann: Ich red ja nur gern drüber, ich bin Rheinländer und natürlich fröhlich, aber eben sentimental. Und das wird mit zunehmendem Alter stärker. Ich bin sehr nah am Wasser gebaut. Ich heule inzwischen schon bei der Merci-Werbung oder wenn das Essen sehr gut ist.

Akzeptanz durch Penetranz ist ein Konzept, mit dem Sie seit 25 Jahren erfolgreich sind. Mittlerweile inszenieren wir uns doch alle zwischen Facebook und Twitter zu Tode. Wie weit darf es bei Ihnen gehen?

Stermann: Mir nützt das natürlich auch alles beruflich. Ich bin aber als Privatperson kein Facebook-Nutzer. Unsere Seite wird von der Agentur betreut. Ich als ICHselber möchte in Ruhe gelassen werden! Ich hasse es, wenn irgendwo Privates von mir steht. Auch Twitter interessiert mich null, Energieverschwendung! Aber das ist natürlich ambivalent zu sehen. Klar will ich, dass mein Buch gelesen wird, also mache ich was dafür. Aber ich weiß, wo meine Grenze ist. Außer ich bin betrunken, da erzähle ich jedem die privatesten Dinge. Ich habe auch manchmal Filmrisse, die ja auch im Buch vorkommen.

Klingt nach Midlife-Crisis …

Stermann: Natürlich. Ich würde auch gerne was anderes probieren. Ich muss nicht jede Woche Fernsehen machen, aber es ist mein Beruf, und es ist gut bezahlt. Ich bin vom Ruhrpott und so sozialisiert: Es muss gearbeitet werden. Und ich arbeite gerne …

Finanziell könnten Sie aber schon privatisieren.

Stermann: Grissemann möchte mit 50 aufhören, mir persönlich ist es aber zu wenig, betrunken auf dem Sofa zu liegen und Skirennen zu schauen. Das ist mir zu fad. Eigentlich bin ich ohnehin zufrieden. Ich gebe mein Geld für Reisen und Essen aus. Und lege was fürs Alter an.

Als Satireduo führt ihr seit 25 Jahren ein Leben zwischen Gitta Saxx & Goethe, Brüllschmäh & Art Entertainment und werdet von der Adalbert Stifter Gesellschaft wie von McDonald’s angefragt. Hat sich mit zunehmender Popularität was verändert?

Stermann: Wir stehen seltener in der Pisse beim Moderieren, etwa in Punklokalen. Solche Jobs bietet uns keiner mehr an. Für diese Zielgruppe sind wir längst Kommerzschweine. Aber ich muss mich auch an nichts abarbeiten und habe kein Anliegen. Ich habe auch noch nie ein Anliegen gehabt.

Eure jungen deutschen Kollegen Joko und Klaas haben mit ihrer neuen Show "Circus Halligalli“ gelangweilt, ihr liefert mit "Willkommen Österreich“ seit über 200 Sendungen intelligentes Fernsehen, mit Topquote, selbst am vorverlegten Termin …

Stermann: Wir haben uns die Vorverlegung auch nicht gewünscht. Aus unserer Sicht ist eine Late-Night-Show besser später angesetzt und nicht parallel zu "Zeit im Bild 2“ oder zur Champions League auf Puls 4. Aber solange es für den ORF kein Flop ist. Unter 200.000 Zuseher darf es halt nicht gehen.

Kultur-Kampf
Wie schon in seinem autobiografischen Romandebüt "6 Österreicher unter den ersten 5“ beschäftigt sich Dirk Stermann auch in seinem neuen Buch "Stoß im Himmel“ (Ullstein, € 10,30) mit dem Kultur-Crash. Als Ich-Erzähler schildert er eine Geschichte des Widerstands und fügt die amerikanische Familiengeschichte seines Freundes Rudi Gluske und die seiner französischen Freundin Laetitia zu einem üppigen Bilderbogen von Herzmanovsky’schem Ausmaß. Auf vier Erzählebenen treibt man durch die Enge Wiens, die Weiten der Prärie, trifft konvertierte Moslems und Transgender-Türken vom Naschmarkt.
Präsentation: Rabenhof, 9. 3., 20 Uhr.

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