Die Pracht der Tracht

Die Pracht der Tracht

Das Geschäft mit Dirndln, Lederhosen und Haferlschuhen brummt wie nie. Vor Oktoberfest, Ausseer Kirtag und Wiener Wiesn rittern Billigbieter mit Schnäppchenpreisen um junge Trachtenpärchen.

Bei diesen Preisen kracht die Lederhose. Während man bei traditionellen Anbietern aus dem Salzkammergut für eine handgenähte Hirschlederhose locker 700 bis 1.000 Euro auf den Tisch legen muss, jodeln Diskonter und Billig-Textilketten die Krachlederne schon um 49,90 Euro ins Schaufenster. Um denselben Preis gibt es auch ganze Dirndln bei Hofer & Co. Von authentischer Schuhplattl-Atmosphäre ist da allerdings nichts zu spüren - die Trachtenschnäppchen kommen in der Regel aus Indien, Pakistan oder Indonesien. Den Kunden ist das offenbar egal. Für die bevorstehenden Rustikal-Events wie Trachtenpärchenball, Ausseer Kirtag oder die Vorstadt-Variante des Oktoberfests auf der Wiener Wiesn wird geshoppt, dass die Dekolletés platzen.

Tatsächlich ist der Boom bei Trachten der wachstumsstärkste Trend in der Textilbranche. In den vergangenen vier Jahren haben sich die Dirndl-&-Lederhosen-Umsätze weit mehr als verdoppelt. Und ein Blick auf einschlägige Messen, wie zuletzt in Salzburg, zeigt, dass der Zenit zumindest im Billigsegment bei weitem noch nicht überschritten ist.

Hurra die Gams

Um in der großen Schar der Dirndlanbieter von C&A, Vögele, Otto Versand, Raiffeisen Lagerhaus oder Tchibo/Eduscho aufzufallen, sind entweder brutale Schnäppchenpreise oder prominente Testimonials gefragt. Auf solche setzt Thomas Dims, Chef der Zillertaler Trachtenwelt. Für ihn zeigen "Baywatch“-Legende Pamela Anderson, "Bauer sucht Frau“-Moderatorin Katrin Lampe oder Ex-Playmate Gitta Saxx ihr Holz vor der Hütte. Offenbar mit Erfolg: Immerhin zählt Dims’ Unternehmen mit einem Umsatz von 30 Millionen Euro (2011) zu den Marktführern und ist vor allem in Österreich und Bayern der Platzhirsch.

Im heurigen ersten Halbjahr wurden bereits 16,5 Millionen Euro erwirtschaftet und 65.000 Lederhosen sowie 47.000 Dirndlkleider verkauft. Der öffentlichkeitsscheue Eigentümer Dims lässt über seine Sprecherin ausrichten: "Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Von derzeit 33 Filialen wollen wir bis 2013 auf 40 Standorte ausbauen.“

Angestachelt wird das Geschäft von der gut geschmierten Volksmusik-Industrie, die mit Stars à la Andreas Gabalier oder Hansi Hinterseer ein extrem breites Publikum anspricht. Vor allem die Jungen sind es nämlich, die gerade vor angesagten Trachtenveranstaltungen die einschlägigen Geschäfte oder Online-Shops stürmen. Ob das Dirndl dann aus Polyester oder die vermeintlich Krachlederne aus Imitat und Velours besteht, ist zweitrangig. Minidirndln oder der Bestseller Badehose in Lederhosen-Optik bestätigen diese Entwicklung. Vorteil für Kunden und Handel: Tropft zu viel Zirbenschnaps oder Bier auf den Stoff, wird kostengünstiger Ersatz angeschafft. Bemerkenswert: Der Trachtenboom hat für einen Engpass am Ledermarkt gesorgt. So lässt die Zillertaler Trachtenwelt in der Türkei und Indien produzieren, da in Europa gar nicht so viele Ziegen und Gerbereien vorhanden sind.

Im Windschatten des Booms segeln auch traditionellere Anbieter mit unter dem Schlagwort "Landhaus-Stil“ angesiedelter Mode. Giesswein, Gössl, Sportalm, Luis Trenker & Co pirschen im hochpreisigeren Segment und verzeichnen durchwegs ebenfalls zweistellige Umsatzzuwächse. Gepunktet wird vor allem bei weiblichen Kunden, die sich jedes Jahr nach den neuesten Trachten-Trends einkleiden. Bei Männern ist das Rustikal-Reportoire traditionell begrenzt. Eine gute Lederhose hält praktisch ewig, und auch der Trachtenanzug trotzt dem Zeitgeist. Hinzu kommt, dass diese Kleidungsstücke nicht täglich, sondern eben nur bei passenden Anlässen aus dem Kleiderkasten geholt werden.

Blickfang

Eine Sonderrolle spielen die handwerklich geprägten Trachtenmanufakturen wie Tostmann in Wien und Seewalchen am Attersee oder die bundesländertypischen Heimatwerke. Hier wird von österreichischen Näherinnen gefertigt, und zum Großteil kommt auch der Stoff aus den Alpen. Die Handarbeit hat ihren Preis, doch neben der älteren Stammkundschaft gibt es auch hier regen Zulauf der Jugend. Besonders beliebt: das Hochzeitsdirndl der Großmutter ändern zu lassen und auf gehobenen Trachtenveranstaltungen mit besonderer Authentizität zu punkten. Es soll ja Hietzingerinnen geben, die sich stundenlang über die verschiedenen Variationen des Farbtons Altrosa unterhalten können.

Leise Mahner

Gexi Tostmanns Tochter Anna, mit der sie gemeinsam das Traditionsunternehmen führt, zeigt auch die Schattenseiten des Booms auf: "Mir tun die Fernost-Plastikdirndln weh. Dabei glauben viele Kunden, dass Dirndln fast zwingend aus Österreich kommen. Die sind dann regelrecht schockiert, wenn sie merken, dass es sich nicht um ein heimisches Produkt handelt. Wir bekommen übrigens zehn E-Mails pro Woche, wo indische Fabrikanten für uns produzieren wollen.“

Heiterer zeigt sich das Geschäft von der Volksmusikbühne aus. Es ist ein offenes Geheimnis der Branche, dass die Jodelstars von Trachtenherstellern kostenlos ausgerüstet werden und so zu Werbeträgern werden. Die Jungen Zillertaler - Shootingstars der Alpinschunkelszene - pressen sich etwa ausschließlich in Hosen der Zillertaler Trachtenwelt. Selbst Knight Rider David Hasselhoff wird als Testimonial genützt. Weitere prominente Herren werden wohl folgen.

Auch soll das Geschäft mit Accessoires erschlossen werden. Eine breite Palette aus Lodenhüten, ländlichen Halstüchern, Haferlschuhen und Hirschfängern soll die Umsätze weiter hochtreiben. Selbst Flachmänner und krumme Virginia-Zigarren liegen im Trend. Inspiriert wird der Trend neben den einschlägigen feuchtfröhlichen Festen auch durch Magazine wie "Servus in Stadt & Land“ oder rockartige Bühnenshows und agrarische Casting-Formate mit Pfiff und einem Hauch Sex-Appeal statt des verstaubten "Musikantenstadls“ im TV.

Schließlich gilt im Trachtengeschäft die bodenständige Devise: "Heugn muasst, wann d’Sunn scheint“ - hochdeutsch: "Man muss das Heu einfahren, solange die Sonne noch scheint.“ Denn so plötzlich wie die Alpin-Romantik über Österreich hereingebrochen ist, so schnell kann sie auch wieder vorbei sein. Und während international agierende Diskontketten ihr Sortiment rasch umstellen können, sind spezialisierte Ketten weniger flexibel. Bis es so weit ist, klingen aber langgezogene Juchaza aus den Kassen.

Erektions- und Potenzstörungen sind weiter verbreitet als man denkt, doch kaum jemand sucht professionelle Hilfe.
#Gesundheit #Sexualität
 

Gesundheit

Erektionsstörungen: Das ist bei Potenzproblemen zu tun

Die Voestalpine liefert 120.000 Tonnen Bleche für den Bau der South Stream Pipeline von Russland nach Österreich.
#ukraine #south stream #russland #putin #omv
 

Börse Wien

Voestalpine ist bei South Stream als Lieferant im Geschäft

Der japanische Konzern präsentiert auf der IFA die neue Flaggschiff-Reihe Z3. Das Acht-Zoll-Tablet ist ein Angriff aufs iPad mini.
#sony
 

Mobile

Sony stellt Produkte der Z3-Reihe vor