Die Macht der Alten

Jung und Alt unterscheiden sich in Interessen und Werten stark. Wird die direkte Demokratie ausgebaut, wird sich dieser Konflikt verstärken. Dann könnten künftig Pensionisten über die Zukunft der Jugend entscheiden. Es droht eine neue Klassenkampf-Variante.

Die Macht der Alten

Sepp Tschernutter gehört nicht zu den Senioren. Der 46-jährige Wiener ist im besten Manageralter, Chef von Grayling, der größten PR-Agentur des Landes, und agiert in einer dynamischen Branche. Aber selbst er fühlt sich manchmal bereits ein wenig von gestern, angesichts des Tempos und der Karrierevorstellungen junger Mitarbeiter, die - frisch vom Studium kommend - bei ihm anheuern. Es sei erstaunlich, wie schnell und wie sehr sich junge Leute schon am Anfang ihrer Berufslaufbahn selbst unter Druck setzen.

Forschungsarbeiten über Trends und Strömungen in der Wertewelt junger Menschen bestätigen: Die schnelle Karriere spielt bei den Jobeinsteigern eine viel größere Rolle als früher. Beständigkeit ist kein Thema, gesellschaftliche Solidarität oder langfristiges Denken auch nicht so sehr. Motto: Alles fließt. Man schwimmt mit, so gut man eben kann, und achtet darauf, persönlich bestmöglich auszusteigen.

Das genaue Gegenteil der Wertewelt, in der ältere Menschen aufgewachsen sind. Bei ihnen sind, nicht zuletzt als Folge der Erfahrungen aus den Wiederaufbaujahren nach dem 2. Weltkrieg, Sicherheit, Stabilität und gesellschaftliche Solidarität bestimmende Themen. Für sie zählen Disziplin, Gemeinwohl und Stärke durch Zusammenhalt.

Das bringt erhebliche Konfliktpotenziale ins Miteinander von Alter und Jugend. Und ein demografisches Problem: Denn es gibt viel mehr Alte als Junge. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre erst einmal ins höhere Alter kommen, wird sich das Ungleichgewicht noch verstärken. Folge: De facto entscheiden bei Urnengängen durch ihre bloße Zahl die Alten über die Jungen.

Somit ist zumindest theoretisch der Einfluss alter auf die Zukunft junger Menschen umso größer, je öfter irgendwo abgestimmt wird. Je mehr direkte Demokratie, desto offener brechen bei unterschiedlichen Interessen die Konflikte zwischen Alt und Jung auf.

Die Heeres-Volksbefragung, bei der die Mehrheit der Pensionisten über die Minderheit der Wehrpflichtigen bestimmte und beide Gruppen ein sehr unterschiedliches Abstimmungsverhalten an den Tag legten, könnte ein Vorgeschmack darauf gewesen sein, was noch kommen könnte.

Erfolgsstory direkte Demokratie?

Auseinandersetzungen werden nicht ausbleiben. Nach der überraschend hohen Beteiligung an der jüngsten Volksbefragung handeln vor allem die Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP die direkte Demokratie nun als neue Erfolgsstory. Schon wird daran gedacht, das Instrument Volksbefragung künftig öfter zu bemühen. "Heuer wohl nicht mehr“, erteilt SPÖ-Geschäftsführer Günther Kräuter zwar dem Vorschlag eine Absage, das Volk doch gleich auch zum Thema Gesamtschule zu befragen. Aber für 2014 kann er sich ein Plebiszit dann theoretisch bereits wieder vorstellen. Thema: offen. In der ÖVP sieht man das nicht viel anders.

Tut sich also eine künftige Regierungskoalition bei der Klärung sperriger Fragen ähnlich schwer wie die jetzige, bieten sich für Befragungen genug Themen an, die Alte und Junge auseinanderdividieren. Bildung oder Pensionen etwa. Und weil die Alten zahlreicher sind, haben sie bei Abstimmungen automatisch Macht über die Jungen. Kommt mehr direkte Demokratie, kommt somit vielleicht auch eine neue Variante des Klassenkampfes: Alt gegen Jung.

Sozialforscher Christoph Hofinger vom SORA-Institut sieht einen Auftrag an die Gesellschaft, die Menschen - alte wie junge - politisch besser zu bilden, damit mehr direkte Demokratie nicht zu Konflikten führt. Außerdem urgiert er für künftige Volksbefragungen "eine deutlich bessere Fragestellung“.

Alt gegen Jung

Die Meinungen darüber, wie stark mehr direkte Demokratie und deren Instrument Volksbefragung die Auseinandersetzungen zwischen Alt und Jung anheizen könnten, gehen ziemlich weit auseinander.

Bernhard Heinzlmaier vom Institut für Jugendkonfliktforschung sieht eine erhebliche Gefahr - und er findet deftige Worte. Die Alten würden bald "über die Jungen herrschen“, fürchtet er, direkte Demokratie sei dann nichts anderes als ein Instrument zur Benachteiligung jüngerer Generationen. "Ein Bündnis der Alten gegen die Jungen ist im Entstehen“, prognostiziert er. Am Beispiel Pensionen lässt sich das leicht nachvollziehen.

Ganz anders schätzt das naturgemäß Andreas Khol ein, Chef des ÖVP-Seniorenbundes: "Der gesamtgesellschaftliche Konsens funktioniert nach wie vor, einen Generationenkonflikt gibt es nicht.“ Hofinger vom SORA-Institut pflichtet bei: "Aus der Heeres-Volksbefragung schon einen Konflikt zwischen Alt und Jung abzuleiten ist übertrieben.“ Aber klar sei, dass die Älteren bei Abstimmungen für lange Zeit mehr Gewicht haben werden.

Was jedoch auch daran liegt, dass die Wahlbeteiligung älterer Menschen meist deutlich höher ausfällt als die der unter 30-Jährigen. Sie nützen ihre demografisch gegebene Macht somit auch besser.

Jugendforscher Heinzlmaier fürchtet künftig sogar einen noch stärkeren Rückzug junger Wähler aus der Politik. Indizien dafür gibt es, Gegenbeispiele aber ebenfalls: Dass auch junge Wähler Einfluss ausüben können, zeigte sich erst kürzlich bei der Grazer Gemeinderatswahl. Hätten nur die Stimmen der über 60-Jährigen gezählt, hätte Bürgermeister Siegfried Nagl eine satte absolute Mehrheit eingefahren. Tatsächlich kam der schwarze Stadtchef jedoch nur auf etwas mehr als ein Drittel der Wählerstimmen.

Fakt ist jedenfalls: Interessen Junger und Alter decken sich immer weniger. Und in Demokratien entscheiden eben Mehrheiten über Minderheiten. Oder, wie Sozialforscher Hofinger prosaisch formuliert: "Demokratie ist die Weisheit vieler.“ Seniorenvertreter Khol versteht das Problem sowieso nicht: Jüngere würden traditionell von Älteren geführt, schon bei Eltern und Kindern sei das schließlich so.

Er hat natürlich leicht reden, als Vertreter der Pensionisten gehört er der künftigen Mehrheit an.

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