"Die Demokratie ist ein gläsernes Gefäߓ

Das Interview findet an einem Dienstag, 12 Uhr, im Cafe neben dem Burgtheater statt. Ich komme 30 Minuten zu früh, Manstein aber ist schon da, er verabschiedet sich gerade von seinem Gesprächspartner und winkt mich freundlich mit großer Geste an seinen Tisch.

"Die Demokratie ist ein gläsernes Gefäߓ

Es ist sein Reich hier. Und er stellt auch gleich die erste Frage: "Was und wie lesen Sie?" Nach kurzem Plausch kommen wir dann zur korrekten Rollenverteilung und ich frage nach dem Leseverhalten des 68-jährigen Verlegers, der in seinem Manstein-Verlag 14 Publikationen herausgibt. Er sagt, er lese im Büro täglich nur rund 20 Minuten, aber zwei Stunden zu Hause. "Von 20 bis 22 Uhr, nachdem ich meine kleine Tochter zu Bett gebracht habe." Und was? "Österreichische Zeitungen – natürlich. Dazu: SZ, NZZ, FAZ und Guardian und einiges mehr. Und viele Magazine." Hans-Jörgen Manstein ist ein klassischer Verleger. Er liebt Zeitungen und Magazine. "Ich lese gerne", sagt er.

FORMAT: Herr Manstein, die Österreichischen Medientage, die Ihr Verlag in der Wiener Stadthalle (24.-26. September) veranstaltet, feiern heuer ihr 20-jähriges Jubiläum. Wie hat sich diese Plattform entwickelt?

Hans-Jörgen Manstein: Es gab früher die werbewirtschaftliche Tagung, die von den Bundeswirtschaftskammern beziehungsweise vom WIFI veranstaltet wurde. Diese Veranstaltung wurde dann aus welchen Gründen immer zu Grabe getragen. Die Medien sind die Klammer des gesellschaftlichen Zusammenlebens, so sind die Medientage entstanden. Medien, das heißt auch Werbewirtschaft, Auftraggeber, Agenturen, Marktforschung und Kreative. Wir haben ja erst in den 1970er Jahren eine Magazinlandschaft bekommen. Trend und Profil waren die ersten Magazine in diesem Land. Vorher waren unsere Lesemedien deutsche Magazine. Wir haben damals eine österreichische Medienlandschaft aufgebaut.

Medien stellen ja Öffentlichkeit her. Wie hat sich das Verhältnis zwischen Gesellschaft, Politik und Medien in diesen 20 Jahren verändert?

Manstein: Naja, wir haben jetzt schon ein großes Problem. In den 1980er- und 90er-Jahren haben die Medien eine ganz wichtige Rolle gespielt. Eine kontrollierende Kraft gegenüber der Politik auf der einen Seite, auf der anderen Seite eine gesellschaftspolitisch hoch angesehene Rolle.

Ein Mehr an Relevanz und Aufklärung als heute, meinen Sie?

Manstein: Eher mehr eine Art Tiefeninformation. Herr und Frau Österreicher brauchen da ja manchmal Hilfe. Gesagtes geht verloren, am gelesenen Wort kann man sich anhalten. Im neuen Jahrtausend haben die Print-Medien gewaltig an Bedeutung verloren. Zu diesem Zeitpunkt sind die Krawallmedien, wie Hans Rauscher sie immer bezeichnet hat, aufgetaucht. Und die haben in einem hohen Maße dazu beigetragen, dass die Medien in ihrer Gesamtheit an Akzeptanz und an gesellschaftlicher Relevanz verloren haben.

Diese Entwicklung ist doch auch einem gesellschaftlichen Bedürfnis an Society- und People-Berichterstattung geschuldet. In allen Medien kommt immer mehr Society vor. Auch im "Spiegel“.

Manstein: Es ist natürlich auch eine Frage von Angebot und Nachfrage. Früher gab es jedoch von der politischen Seite nie ein Angebot. Ja, irgendein Ministerium hat irgendwann eine Anzeige geschalten. Jetzt befinden wir uns in einem Zeitalter, in dem die Bevölkerung mehr Informationen braucht.

Eben auch von öffentlichen Stellen bzw. von der Politik, die ja einiges zu kommunizieren hat.

Manstein: Das ist ganz, ganz wichtig. Ich finde es auch nicht richtig, dass der Herr Minister auf den Inseraten nicht mehr abgebildet ist (Anm.: Vorgabe des Mediengesetzes). Denn er trägt ja juristisch die Verantwortung. Die Medien haben noch immer eine ganz wichtige Funktion innerhalb der Gesellschaft.

Das Motto der Medientage lautet "Medien, Politik & Demokratie - ein Widerspruch?“ Ein wenig provokant, besonders so kurz vor der Nationalratswahl, nicht?

Manstein: Schauen Sie: Wir haben eine Politik, und das ist ein Problem, das ich als Staatsbürger habe, die das Land nur noch verwaltet. Politik muss Akzente setzen, Visionen aufzeigen. Die Politik ist nicht mehr in der Lage, unangenehme Themen durchzubringen. Das verlange ich aber von der Politik. Wenn wir so weitermachen, das möchte ich klar und deutlich sagen, herrschen bei uns irgendwann Zustände wie in Spanien oder Portugal. Das möchte ich nicht. Unser Land muss "gesund“ bleiben.

Was können wir als Medien konkret dazu beitragen?

Manstein: Die Politiker mehr daran erinnern, dass sich nachhaltig verantwortlich sind. Die Demokratie ist ein gläserenes Gefäß. Wenn sie das Glas auf den Boden werfen, ist es kaputt. Wir müssen mit der Demokratie sehr sorgfältig umgehen. Daher verlange ich Politiker, die den Österreichern, auch Ihnen und mir, sagen: so geht es nicht weiter.

Vielleicht ist der Leidensdruck noch zu gering?

Manstein: Aber müssen wir unbedingt durch das Tal der Tränen wandern? Dann ist schnell ein Stück vom Sozialstaat weg und das möchte ich 'Herrn und Frau Österreicher' nicht antun. Und die Politiker, glaube ich, auch nicht!

Verkommt nicht Politik, wie sie öffentlich verkauft oder präsentiert wird, immer mehr zur Show. Vielleicht ist die Politik in Wahrheit viel besser, als man gemeinhin glaubt.

Manstein: Es erinnert manchmal an den Kampf der Gladiatoren in Rom. Damit wird aber keine Wahl geschlagen.

Man wählt ja auch keine Personen, sondern Parteien und ihre Konzepte, Programme und Ideen.

Manstein: Man wählt aber einen, der für die Partei steht. Diese Art der inhaltsleeren Kommunikation, wie in vielen Fernsehdebatten, ist mir sehr fremd. Beim Duell Steinbrück-Merkel wurden großteils Worthülsen und Verbalinjurien ausgeschüttet. Ich glaube, die große Koaliton in Österreich hat sehr viele Chance vergeben. Hoffen wir, dass sie in der zukünftigen Regierung besser wird. Man muss das auch psychologisch sehen. Wenn Faymann und Spindelegger in die nächste Legislaturperiode gehen können, gewinnen sie an Sicherheit. Sie werden mutiger.

Also die vielzitierte 'Chance der zweiten Amtstzeit'?

Manstein: Vollkommen richtig, ja.

Zurück zu den Medien. Es ist ein radikaler Umbruch im Gange. Mr Amazon kauft spottbillig die Washington Post, der Springer-Verlag trennt sich von den Lokalzeitungen, auch Gruner+Jahr (Mehrheitseigentümer der VGN News) strukturiert um. Alles redet von Häusern of Content. Journalismus ist aber keine Fließbandarbeit, wo kluge Texte automatisch vom Band purzeln. Es braucht Zeit und Geld. Qualität also. Wo sollen die Inhalte herkommen, wer soll sie finanzieren?

Manstein: Zur Qualität. Erstens: Ich bin oft mit den österreichischen Medien ins hart Gericht gegangen. Oft überzeichnet, denn nur wer überzeichnet, wird gehört. Aber Zweitens: So schlecht sind unsere Medien nicht! Das möchte ich klar und deutlich sagen. Die Tageszeitungen sind grosso modo qualitativ vergleichbar mit den deutschen. Aber ich würde mir schon mehr Anspruch wünschen. Bei manchen Magazinmedien muss ich sagen, es gibt zu viele am Markt. Kann die Werbewirtschaft diese vielen Medien mittragen? Beispiel Frauenzeitungen? Ist da nicht zuviel am Markt?

Vielleicht reicht die Fnanzierung von Print-Medien durch Werbung nicht mehr aus um langfristig profitabel zu sein. Man könnte, um den rückläufigen Werbeanteil am Print-Sektor auszugleichen, den Verkaufspreis zu erhöhen. Das brächte zusätzliches Geld, das in die Redaktion reinvestiert werden könnte. Die Folge: mehr beziehungsweise bessere Qualität.

Manstein: Vielleicht. Die Zeitungen haben ihre Verkaufspreise ja auch massiv erhöht in den vergangenen Jahren. Das heißt: Leistung kostet Geld und Leistung sollte bezahlt werden. Vom Konsument und von der werbetreibenden Wirtschaft. Weil auch eine Zielgruppe erreicht werden kann. Wir haben viele Zielgruppenmedien in diesem Land.
Aber es gibt eben eine Verantwortung der Politik. Die Frage ist: Will unsere Demokratie einen pluralistischen Medien-Markt?

Dem wird doch niemand wiedersprechen!

Manstein: Aber das kostet auch Geld. In anderen Ländern, wie Schweden, sind die Medien von der Mehrwertssteuer befreit.

Sie fordern also eine höhere Presseförderung?

Manstein: Ja, wir müssen darauf pochen, dass eine breitere Medienförderung entsteht. 50 Millionen hat der VÖZ (Verband österreichischer Zeitungen) gefordert. Das ist durchaus machbar.

Wir haben jetzt fast nur vom Print gesprochen, wie sehen Sie die Online-Entwicklungen?

Manstein: Ich glaube, dass in Österreich nur der Standard Profit mit Online macht. Online ist für uns alle ein Kostenfaktor, der zu stützen ist.

Einspruch! Trend-format.at läuft sehr gut und hat sich als Wirtschaftsseite Nummer 1 etabliert. Mit sehr erfreulichen Zahlen. Da war eine Nische offen, ein „Window of Opportunity“, und das haben wir genutzt.

Manstein: Gut, in einer Nische tut man sich immer leichter. Da gibt es keine Diskussion. Da spreche ich auch für mein Haus. Wir sind
zwar noch in den roten Zahlen, aber wir machen große Fortschritte. Der Break-Even rückt näher.

Interview: Marko Locatin

Zur Person: Hans-Jörgen Manstein, 68, ist Aufsichtsratsvorsitzender des 1978 gegründeten Manstein Zeitschriftenverlages. Mit 14 Publikationen, u. a. Horizont, Bestseller, CASH, Hotel & Touristik, Österreichische-Textilzeitung, HGV-Praxis, Traveller ist der Manstein Verlag einer der größten und wichtigsten Fachverlage des Landes.

Erektions- und Potenzstörungen sind weiter verbreitet als man denkt, doch kaum jemand sucht professionelle Hilfe.
#Gesundheit #Sexualität
 

Erektionsstörungen: Das ist bei Potenzproblemen zu tun

Potenzstörungen können jeden treffen und bedürfen grundsätzlich einer …

Die Voestalpine liefert 120.000 Tonnen Bleche für den Bau der South Stream Pipeline von Russland nach Österreich.
#ukraine #south stream #russland #putin #omv
 

Voestalpine ist bei South Stream als Lieferant im Geschäft

Mit dem Gemeinschaftsprojekt South Stream soll russisches Gas nach …

Der japanische Konzern präsentiert auf der IFA die neue Flaggschiff-Reihe Z3. Das Acht-Zoll-Tablet ist ein Angriff aufs iPad mini.
#sony
 

Sony stellt Produkte der Z3-Reihe vor

Sonys Highlights auf der IFA 2014 in Berlin: Das Android-Smartphone …

Im zweiten Quartal machte der Online-Händler Zalando ("Schrei vor Glück") einen kleinen Gewinn. Somit ist auch das ganze erste Halbjahr leicht positiv.
#zalando
 

Zalando: Das kleine schwarze Plus ist erstmals da

Die Berliner rüsten sich immer mehr für den bevorstehenden Börsengang. …