Der große Snowden-Bluff

Der Urheber war aber kein gut informierter Snowden-Insider, sondern der Wiener Fritz Jergitsch, der seit Ende Mai das Online-Satire-Portal "dietagespresse.com" betreibt.

Der große Snowden-Bluff

In seriösem Kleid berichtet er dort täglich über skurrile Begebenheiten - von einer Business Class in den Wiener Linien über eine Enthaltsamkeits-Kampagne der katholischen Kirche mit dem Känguru Keuschi bis zum Werbedeal von Karl-Heinz Grasser mit Persil. Aber Vorsicht: Alles nur Satire!

"Ich war schon immer ein großer Fan von Seiten wie 'The Onion' oder 'Der Postillon'", erklärte Jergitsch im APA-Gespräch. "Das ist einfach eine besonders lustige und pointierte Form des Humors, weil es ja auch stimmen könnte." Eigene Texte hat der Wiener, der im Juni sein Volkswirtschaftstudium abgeschlossen hat, erstmals diesen Mai verfasst, auf Anraten von Freunden startete er schließlich die Webseite. "Das war wirklich spontan." Einen Bezug zum Journalismus hat er nicht, "DieTagespresse" sei "das erste Schreibprojekt, dem ich mich länger gewidmet habe". Aufgrund des Erfolgs mangelt es derzeit aber nicht an Angeboten. "Ich werde wohl in Zukunft auch für andere Medien schreiben."

Dass es so weit kam, dafür ist auch die Struktur des Webs verantwortlich. "Vor allem mit Facebook ist es doch so, dass die Leute einfach auf den Link in ihrem Newsfeed klicken und dabei oft nicht auf die Quelle achten", meinte Jergitsch. "Und ich habe die Seite so gestaltet, dass sie möglichst seriös wirkt. Wenn alles echt erscheint, macht das den Witz besser. Auch ein Kabarettist ist lustiger, wenn er ernst bleibt." Wer sich aber ein bisschen mit der Seite beschäftigt, stößt schnell auf den Satire-Hinweis.

Mit dem Snowden-Artikel hat Jergitsch jedenfalls einen Coup gelandet, der sogar das Außenministerium zu einem Dementi via Twitter zwang. "Ich dachte nicht, dass der Artikel etwas Besonderes ist. Ich hoffte nur, das er gut ankommt. Aber innerhalb von zwei, drei Stunden hat das eingeschlagen", erinnerte sich Jergitsch daran, wie er am Bildschirm die in die Höhe schnellenden Besucherzahlen verfolgte. "Das war irrsinnig stressig. Kurz bevor die Seite zusammengebrochen ist, waren gut 1.000 Leute online. Da bin ich echt nervös geworden", lachte der Satiriker. "Aber mit so einem Response kann man nie rechnen. Es ist unmöglich vorherzusagen, wie ein Artikel ankommen wird."

Als Steckenpferd gilt ihm jedenfalls die heimische Innenpolitik. "Das bietet sich auch an. Die Gesamtsituation kann man im Moment ja als grotesk bezeichnen. Das Verhalten der etablierten Parteien ist wunderbar, ein wahrer Spielplatz für mich. Und das kommt bei den Leuten auch am besten an." Nicht zuletzt ein Grund, warum er schon derzeit auf die anstehende Nationalratswahl im September hinarbeitet.

Die Beziehung der heimischen Medienbranche mit dem Internet bewertete er indes zwiespältig. "Ich habe das Gefühl, dass sich die Zeitungen selber in eine problematische Situation gebracht haben, weil sie mit dem Aufkommen des Internet ihre eigene Ware, die sie für Geld verkaufen, kostenlos angeboten haben. Und nur mit Werbung kann man das nicht finanzieren." Jergitsch geht davon aus, dass künftig verstärkt Bezahlmodelle - etwa mit jährlichen Abos - dominieren werden. "In Österreich dauert das alles ein bisschen länger." Und wenn es soweit ist, wird man wohl auch auf "DieTagespresse" einen bissigen Artikel dazu finden.

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