Der diskrete Charme des
Thaddaeus Ropac

Der diskrete Charme des
Thaddaeus Ropac

Mit Künstlern wie Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Joseph Beuys oder Andy Warhol spielt der Salzburger Galerist Thaddaeus Ropac seit über 20 Jahren auch international in der obersten Liga. Am 14. Oktober eröffnet er in Paris das größte Galerienareal Europas.

Zum großen Ball der Salzburger Festspiele in der Felsenreitschule am 1. September wird er nicht kommen, auch bei der neuen „Viennafair“ wird Thaddaeus Ropac „eventuell“ nicht dabei sein. Denn der 52-jährige Salzburger Galerist und internationale Kunstmarkt-Player, der alljährlich zur Festspielzeit die Stadt an der Salzach mit diskretem Charme, Savoir-vivre und noblen Gästen aufmischt, eröffnet in Paris am 14. Oktober das größte Galerienareal Kontinentaleuropas.

Der gebürtige Kärntner, der 1983 seine erste Galerie in Salzburg eröffnete, wohnt und arbeitet höchstens drei Monate im Jahr an der Salzach. Den Rest des Jahres lebt er in Paris, wo er 1990 im Marais seine zweite Galerie eröffnet hat, die mittlerweile aus allen vier Stöcken platzt. In Pantin, im Nordosten von Paris, hat er nun eine Eisenwarenfabrik aus dem 19. Jahrhundert gekauft und zum größten Multimedia-Areal umgebaut, auf 4.700 Quadratmeter Gesamtfläche. Mit voller Konzentration wird dort für die Eröffnungsausstellungen mit Großformaten von Anselm Kiefer und 300 Exponaten von Joseph Beuys gearbeitet. Seinen Mitarbeiterstab hat Ropac dazu auf 60 Personen aufgestockt und alles minutiös geplant. Denn da oben sei die Luft sehr dünn, wie er im Interview erklärt.

FORMAT: Andy Warhols Manager war angeblich entsetzt, als er 1983 Ihre erste Galerie „über einem Army-Shop in der völlig falschen Gegend“ von Salzburg sah. Mittlerweile wissen Sie, wie es geht, sind ein Topplayer in der internationalen Kunstliga. Was muss ein guter Galerist können?

Ropac: Das Wichtigste für einen Galeristen ist, dass er etwas davon versteht, wohin die Kunst geht, und davon, wie man mit Künstlern umgeht, und sie dahin bringt, ihr Bestes zu geben.

FORMAT: Klingt einfach, basiert aber auf 30-jähriger Erfahrung …

Ropac: Mein Glück war, dass ich schon sehr jung, Anfang der 80er-Jahre, mit großen Künstlern in Berührung kam, mit Joseph Beuys etwa, bei dem ich als Praktikant arbeiten durfte, und mit Andy Warhol, über den ich dann mit Künstlern meiner eigenen Generation in Kontakt kam: Mit Jean-Michel Basquiat, Keith Haring und Robert Mapplethorpe. Aber die Kunstwelt hat damals anders funktioniert. Es war alles wesentlich kleiner und übersichtlicher. Da ging es nicht um den großen Kapitaleinsatz, sondern um einen ideellen Einsatz!

FORMAT: In den letzten 20 Jahren ist der Kunstmarkt explodiert…

Ropac: …und auf ein Niveau gestiegen, das wir alle zusammen nie für möglich gehalten haben. Weltweit haben sich Galerien zu Großunternehmen entwickelt. Künstler sind in ihren Ansprüchen gewachsen, Karrieren entwickeln sich schneller, nicht zuletzt aufgrund der Medien. Es war ein international überschaubarer Kreis, der sich für zeitgenössische Kunst interessiert hat. Heute ist sie Teil unserer Lebensumstände. Das hat auch etwas Positives.

FORMAT: Der Kunstmarkt ist eine Riesenmaschinerie aus Messen, Galerien, Auktionshäusern, der Investmentgedanke steht zunehmend im Vordergrund. Ist Kunst die bessere Anlage?

Ropac: Wir sind da sehr vorsichtig. Die Devise in meiner Galerie lautet: Wir verkaufen nicht an Art Funds. Wir müssen das zum Glück auch nicht, weil wir mehr Nachfrage haben, als wir anbieten können. Wir sind vor allem an Privatsammlern und an Museen interessiert. Natürlich geht es bei Kunst heute um sehr viel Geld. Dadurch muss man einem Käufer vermitteln, dass sein Geld nicht verloren, sondern richtig eingesetzt ist. Man hat da eine Verantwortung großen Summen gegenüber und kann den Investmentgedanken nicht ganz außer Acht lassen. Aber es geht vor allem darum, ein großartiges Kunstwerk zu erwerben, und nicht darum, sein Geld klug zu investieren.

FORMAT: Hat die Wirtschaftskrise den Hype aus dem Markt genommen?

Ropac: Sie hat bestimmte Marktteilnehmer abgeschreckt, aber das hat nicht die Nachfrage verringert.

FORMAT: Unter den von Ihnen vertretenen 58 Künstlern sind nur wenige Österreicher. Die heimische Kunst spielt am Weltmarkt kaum eine Rolle, rangiert auch preislich weit unter internationalem Niveau.

Ropac: Österreich hat für seine Größe eine durchaus gute Position und ist bei wichtigen Präsentationen vertreten: Gerwald Rockenschaub war bei der Documenta, Markus Schinwald bei der Biennale, Franz West wie Walter Pichler sind auch am US-Markt präsent. Aber Österreich hat mit der sehr kleinen Struktur zu kämpfen. Der österreichische Kunstmarkt passiert eigentlich nur in Wien. Ich kann aber zu Wien, wo ich nie gelebt habe, nicht viel sagen.

FORMAT: In Wien lebt auch Ihr Bruder, der Maler und Performer Julius Deutschbauer. Auch Sie wollten doch eigentlich Künstler werden. Gibt es da noch ein Bedauern?

Ropac: Nein! Ich habe schnell bemerkt, dass das nicht mein Weg ist. Mein Bestreben war immer, zu den Gestaltern zu gehören: Mit Künstlern zusammenzuarbeiten, die besten Werke zu bekommen, beflügelt mich. Dass es mir immer noch Spaß macht, zeigt sich wohl daran, dass ich nach all den Jahren nun eine neue Galerie dieses Formats eröffne, mir so etwas noch mal antue! Das fordert mich heraus. Das erwarten auch die Künstler. Der Kunstmarkt treibt dazu an. Wenn man in der oberen Liga mitspielen will, wird es härter. Da kann man sich nicht auf dem erreichten Erfolg ausruhen, sonst hat man schnell an Gestaltungsmöglichkeit verloren.

FORMAT: Zwei Galerien in Salzburg, zwei in Paris, Storages in London und New York – wie schaffen Sie die Balance zwischen Pragmatismus und dem nötigen Enthusiasmus in dieser Größenordnung?

Ropac: Wir sind mit den Künstlern und den Ansprüchen gewachsen. Ich habe sehr klein in Salzburg begonnen. Mit 1. September habe ich 60 Mitarbeiter. Paris ist das Flagship, aber auch Salzburg hat mit der Villa Kast und der Vilniusstraße eine wichtige Funktion. Hier war bisher unser Zentrallager. In Paris entsteht nun, zusätzlich zur bisherigen Galerie im Marais, im Nordosten in Pantin, unweit der Cité de la Musique von Pierre Boulez, Jean Nouvels neuer Philharmonie und neben dem Centre national de la Danse mit acht Gebäuden, die größte Galerie Kontinentaleuropas. Hier können Künstler ihre Visionen ohne räumliche Einschränkung umsetzen, hier haben auch die Vier-Tonnen-Skulpturen von Anthony Gormely Platz. Eröffnen werden wir mit einer 300 Objekte umfassenden Beuys-Ausstellung und einer neuen Werkgruppe von Anselm Kiefer. Dafür Käufer zu finden ist eine Herausforderung. Damit erreichen wir einen neuen Level. Man muss sich dazu neue Märkte suchen, abseits von Europa und Amerika. Wir haben schon gute Kontakte nach Asien und zum arabischen Raum.

FORMAT: Wo alle abspecken, bauen Sie aus?

Ropac: Ein Zeichen dafür, dass ich an die Zukunft der Kunst glaube, daran, dass die besten Jahre noch vor uns sind. Einfach weil Asien mit geballter Kraft auf uns zukommt und mit einer Neugier, die man stillen muss. In China werden 100 Museen gebaut! Noch verlieren wir in China Geld mit unseren Projekten, aber es ist die Zukunft. Paris, London und New York sind dafür die Umschlagplätze. Salzburg und Wien sind es nicht.

FORMAT: Branchenkollegen sagen über Sie: „Ropacs Schlüssel zum Erfolg ist harte Arbeit. Wenn er einen Künstler übernimmt, dann steigt er in einen Rolls-Royce ein und macht einen Ferrari daraus, weil er den Motor verstärkt.“ Dazu kommen Empfänge, Vorträge – wie schaffen Sie das körperlich?

Ropac: Zum Glück brauch ich nicht so viel Schlaf. Ich laufe jeden Tag von halb sieben bis viertel nach sieben, ab acht habe ich die ersten Termine, um neun die ersten Meetings. Ich bin straff durchorganisiert.

FORMAT: Gibt es das Wort Urlaub in Ihrem aktiven Wortschatz?

Ropac: Ich habe ein kleines Haus in Griechenland, da bin ich zwei verlängerte Wochenenden im Jahr. Manchmal würde ich aber auch gerne in meinem Haus in Salzburg länger bleiben. Man verliert natürlich den Kontakt zum Ort, aber Salzburg ist mir schon noch nahe. Gar nicht so sehr wegen des Business. Die wichtigen Ausstellungen sind ja schon vor der Eröffnung der Festspiele verkauft. Aber wir nutzen den Sommer, um Projekte zu planen und Kuratoren und Künstler zu vernetzen.

FORMAT: Sie sind in Salzburg auch in viele kulturelle Entscheidungen eingebunden.

Ropac: Das schmeichelt mir natürlich. Es gibt während der Festspiele eine Magie des Ortes, aber die Stadt selbst ist schon sehr konservativ, oft mutlos. Wenn man sieht, wie das Festspielkuratorium entscheidet, da wird kaum über den Tellerrand geblickt. Vor allem bei den Kuratoriumsmitgliedern des Bundes aus Wien fragt man sich oft: Kommen die aus Wien oder von einem Dorf an der ungarischen Grenze? Da wundert man sich ob der Engstirnigkeit und zutiefst provinziellen Einstellung.

FORMAT: Sie haben schon früh mit Ihren Festen und Empfängen etwas vorweggenommen, was heute in der Kunst eine große Rolle spielt: den Glamfaktor.

Ropac: Meine Position wird immer überschätzt. Ich will nicht der Salzburger Paradegastgeber sein. Ich möchte diese Rolle nicht spielen. Natürlich habe ich das selber zu verantworten. Ich habe am Anfang in der Euphorie des ersten Erfolges einiges falsch gemacht, mich mit dem Boulevard eingelassen. Das hat auch der Galerie geholfen, einen gewissen Schub gegeben, vor allem in Deutschland. Aber heute bin ich vorsichtig. Meine Einladungen müssen sich vor allem um die Künstler drehen. Zum Glück werde ich in Paris anders wahrgenommen, auf einer professionelleren Ebene. Paris fällt nicht so leicht in diese Glamourfalle, das hat so etwas Österreichisch-Bayerisches.

FORMAT: Was geben Sie diesbezüglich den jungen Künstlern beim Making-of ihrer Karriere weiter?

Ropac: Ich werde oft eingeladen, Gastvorträge zu halten, und merke, wie marktorientiert die jungen Künstler heute sind. Früher ging es um die Stellung im künstlerischen Kontext, heute interessiert vor allem, wie man als Künstler schnellstmöglich Karriere macht und von Kuratoren und Medien bemerkt wird. Aber die Kriterien, die einen Künstler ausmachen, heißen: Wie sehr ist er in der Lage, Kunst neu zu definieren?

FORMAT: Ihre Investmenttipps für junge Kunst?

Ropac: Wir haben im Team den jungen Iraner Ali Banisadr aufgebaut, eine Erfolgsgeschichte von null bis in die großen Museen und Wartelisten. Aber ich halte nichts von Hipness-Listen. Jeder Sammler muss seinen eigenen Interessenkreis finden. Wenn jemand bei der jungen Kunst einsteigt, braucht er dazu gar nicht viel Kapital, das beginnt bei viertausend Dollar – aber er braucht einen Galeristen seines Vertrauens. Ich selber beobachte derzeit den Iran und natürlich China und Brasilien. Wir treten in eine gute Phase ein. Künstler arbeiten wieder individuell und nicht nur als Teil einer großen Strömung: Privat habe ich zuletzt Arbeiten von Walead Beshty aus Los Angeles gekauft, halte den jungen Iraner Mahmoud Bakhshi für hochinteressant und habe auf der Documenta den Koreaner Jeon Joonho entdeckt.

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