Der Buchhandel erlebt eine Renaissance

"Menschen zum Lesen zu bringen, ist eine Leistung", sagt Anna Jeller. Aber die Gratisbuchverteilung findet sie nicht so ideal. "Die Erfahrung zeigt, da kommen nur Leute, die etwas geschenkt bekommen wollen“, beurteilt die langjährige und engagierte Wiener Buchhändlerin die Aktion "Eine Stadt. Ein Buch“.

Der Buchhandel erlebt eine Renaissance

Im Zuge dieser wurden vergangene Woche zum zwölften Mal in ganz Wien 100.000 Gratisbücher verteilt. Heuer war es T.C Boyles Roman "America“. "Ich finde die Aktion gut, weil ich mich wahnsinnig freue, wenn das Thema Buch in den Schlagzeilen ist und mediale Aufmerksamkeit bekommt“, sieht das Rotraut Schöberl, ebenfalls eine Institution im Buchhandel, pragmatisch.

So unterschiedlich die Meinungen zum Buch-Aktionismus der Stadt Wien sind, so vereint zieht man an einem Strang, wenn es um die Vermittlung von Lesekompetenz geht: Anna Jeller wie Rotraut Schöberl reden seit Jahren übers Lesen als Gewinn und Genuss und geben das in vielen Veranstaltungen weiter, auch über ihre Buchhandlung hinaus. Jeller schätzt Texte, die fordern. "Wenn ein Kunde etwas verlangt, bekommt er es natürlich, wenn er mich nach meiner Meinung fragt, bekommt er diese auch“, setzt sie hart, aber herzlich nach. "Ein guter Buchhändler hat ein Gespür für sein Gegenüber und kann oft besser auf Wünsche eingehen als die Algorithmen der Suchmaschinen. Erfahrung kann man nicht googeln.“

"Der klassische Buchhändler hat etwas von einem Hausarzt und diagnostiziert die Lesewünsche seiner Kunden“, ist sich Rotraut Schöberl sicher, die auch jeden Dienstag im Frühstücksfernsehen des Cafe Puls Büchertipps gibt. Sowohl Jeller wie Schöberl sind auch Teil des Buy-Local-Aufrufs "Ihr Buch hat ein Gesicht. Wiens Buchhandel hat viele“, der Bewusstsein für den nachhaltigen Kauf in der Buchhandlungen schärfen soll.

Keine Krise

Die viel zitierte Krise gibt es im Moment nicht. Es kehren viele Leser zum Inhaber-geführten Buchhandel zurück. Dieser hat gegenwärtig auch wieder eine starke soziale Funktion. Die Menschen kommen nicht nur, um Bücher zu kaufen. Man tauscht sich aus, sucht Ansprache wie Beratung. Das kann auch Christian Schädel vom Phil bestätigen. Seit neun Jahren gibt es das Geschäft in der Gumpendorferstraße, das Buchhandlung mit Gastronomie verbindet. Ähnlich wie in den Trendstadtteilen New Yorks, wo kleine Nahversorger-Buchhandlungen boomen, treffen sich auch im Phil Künstler, Dichter und Intellektuelle zum Austausch oder Kaffee trinken. "Das Lokal soll ein öffentliches Wohnzimmer sein, und da gehören Bücher nun mal dazu“, präzisiert Phil-Chef Schädel.

Das Konzept hat sich über die Jahre erweitert. Nebst Büchern heißt dies, dass es auch Filme, DVD-Sammelboxen und Musik zu kaufen gibt. Selbst die Möbel, mit denen das Phil bestückt ist, kann man bei Gefallen erstehen. "Im Grunde kann man bei uns alles, was man sieht, kaufen und mitnehmen. Außer die Kaffeemaschine und die Kellner“, scherzt der 37-Jährige. Die Gastronomie ist natürlich der Frequenz-und Umsatzbringer. Das Buch ist aber fest verankert und entwickelt sich immer besser. "Es ist bei mir sogar im Steigen begriffen. Am besten gehen bei uns kreative, schön gemachte bibliophile Bücher. Mit der ORF-Bestenliste korrespondiert unsere Bestenliste jedenfalls nicht.“

"Es gibt kein Buchhändlersterben“, betont Gerhard Schantin vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels, der sich vor allem über Neueinsteiger und Neueröffnungen in der Branche freut. Eine dieser Neueröffnungen ging Anfang September über die Bühne: Unternehmerin Petra Hartlieb hat eine Zweigstelle ihrer Buchhandlung eröffnet und zwar in der Wiener Porzellangasse, in unmittelbarer Nähe des französischen Lycee. "Wir haben den Ort bewusst gewählt und bieten ein umfangreiches, französischsprachiges Sortiment an.“ Denn man braucht, so die leidenschaftliche Buchhändlerin, "das gewisse Etwas, um bestehen zu können. Man muss zudem Marketingexperte sein, Veranstaltungen organisieren und networken.“

Das kann die heimische Branche offenbar. Nach den Zahlen des ersten halben Jahres 2013 zeigt sich eine erfreulich stabile Entwicklung des Marktes, der in Österreich um 2,1 Prozent gewachsen ist. Dies geht aus dem länderübergreifenden Branchen-Monitor BUCH hervor. Unterschiedlich fiel dabei die Performance der einzelnen Warengruppen aus. Während die Belletristik wuchs, ist beim Sachbuch ein Rückgang zu verzeichnen. Dennoch gilt, so Schantin: "Die Buchhändler in Österreich müssen weiter ihre Netzpräsenz verstärken und sich auch als funktionierende Online-Shops erweisen, um der Konkurrenz von ausländischen Internetbetreibern entgegenwirken zu können. Was vom stationären Handel durchaus schon gemacht wird: Der Klick auf den Warenkorb ist längst auch auf den Homepages der Buchhändler möglich, die Lieferung erfolgt genauso prompt wie bei Internethändlern à la Amazon, oftmals wird portofrei zugestellt.

Herausforderung eBook

"Das gedruckte Buch ist keinesfalls tot, und es wird auch gut neben dem eBook leben können“, bezieht sich Branchenkenner Schantin auf die letzte eBook-Studie. "Der eBook-Markt ist für österreichische Verhältnisse noch nicht wirklich relevant, er beträgt erst ein Prozent des Gesamtmarktes. Aber er wird wachsen.” Branchenkenner gehen davon aus, dass bis 2015 dieses Buchmarktsegment bei zehn bis 15 Prozent liegen wird.

Anders in den USA. Die US-Verleger konnten schon im vergangenen Jahr mit eBooks knapp ein Viertel ihres Gesamtumsatzes erzielen, das entspricht 1,54 Milliarden US-Dollar. Eine Beschleunigung des Wachstums konnte aber nicht mehr festgestellt werden.

Bei Thalia setzt man zur Zeit voll auf die Möglichkeiten, die eBooks mit sich bringen. Thalia ist der Marktführer in Österreich. 35 Buchhandlungen und rund 800 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, das zum deutschen Konzern Douglas Holding gehört. Thalia-Österreich-Chef Josef Pretzl sieht am digitalen Markt großes Wachstumspotenzial: "Klassische Belletristik wird am häufigsten auf E-Reader geladen. Dann folgt die Ratgeberliteratur.“ Nach einer hausinternen Studie lesen bereits 19 Prozent der Österreicher eBooks. Thalia hat demgemäß in seinen größeren Filialen E-Reading-Zonen eingerichtet.

Branchen-Veteranin Rotraut Schöberl rät zu einem entspannten Umgang mit der Herausforderung eBook: "Auch als das Taschenbuch auf den Markt kam, hat man den Tod des gebunden Buches geortet, das Fernsehen wurde als Tod des Kinos gesehen. Der Käufer wird entscheiden, wie er was wo und wann liest bzw. kauft“, so resümmiert Anna Jeller. Sie sieht in Buchhandelsketten wie Thalia oder Morawa keine wirkliche Konkurrenz: "Das sind verschiedene Arten, Buchhandel zu betreiben. Der Kunde soll die Möglichkeit haben, sich zu entscheiden, hat er es lieber anonym und großflächig - oder persönlicher.”

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