Das Butler-Bootcamp

Das Kasteel ist ein spätmittelalterliches Schlösschen in Valkenburg aan der Geul, ganz im südöstlichsten Zipfel der Niederlande. Hier residiert die International Butler Academy, die strengste Butlerausbildung der Welt.

Das Butler-Bootcamp

Seit vier Minuten ist mein Teller leer - räum endlich ab! Und zieh deine Handschuhe an, verdammt!“ Douglas zuckt zusammen. Schweiß steht auf seiner Stirn. Nervös streift er seine weißen Handschuhe über und entfernt geräuschlos den Teller vom Platz seines erbosten Herrn. Von rechts selbstverständlich, wenigstens dieses Detail hat sich Douglas merken können. Eine Szene, die im Kasteel Oost am laufenden Band stattfindet.

Das Kasteel ist ein spätmittelalterliches Schlösschen in Valkenburg aan der Geul, ganz im südöstlichsten Zipfel der Niederlande. Hier residiert die International Butler Academy, die strengste Butlerausbildung der Welt. Wer hier landet, besser, wessen Bewerbungsunterlagen die gnädige Zustimmung des Hausherrn finden, wird die wahrscheinlich anstrengendsten sechzig Tage seines Lebens verbringen. Wenn er durchhält. Er wird morgens um fünf aufstehen, pausenlos lange Theorie- und Praxiseinheiten lernen, sich immer wieder anpflaumen lassen - und das stets steif, aber freundlich mit "Yes, Sir!“ parieren. Wenn der Tag einmal früh endet, ist es 22 Uhr, dann wird vielleicht die erste Zigarette geraucht, bevor noch ein paar Stunden Hausaufgaben warten. Freie Tage lassen sich an einer Hand abzählen. Das hier, das Bootcamp für Butler, ist wirklich nur etwas für geduldige Geister.

Dienendes Management

Butler - im Regelfall blinken bei der Nennung dieses Berufs erst mal die Klischeelämpchen auf. Treu ergebener Diener eines Herrn, unterwürfig, ein lebenslang vermietetes Leben; jederzeit auch den größten Marotten seines Arbeitgebers willig Folge leisten, wie James, der beim Silvestersketch "Dinner for one“ für Miss Sophie alle abwesenden Gäste des Abends spielen muss - inklusive des dazugehörigen Alkoholkonsums. Unentwegte Opferbereitschaft, wie sie vielen aus der Erfolgsserie "Downton Abbey“ bekannt ist.

Robert Wennekes hält all das für viel zu schablonenhaft. Der bullige Niederländer, die Glatze eingefasst von seiner randlosen Brille, ist der Gründer der Butler Academy. Seit Anfang des Jahrtausends hat er gut 250 Diener ausgebildet: "Das Spannende ist, dass kein Job dem anderen gleicht. Einer mag Chef von zig Hausangestellten, ein anderer nur für Speisen und Getränke zuständig sein.“ Letztere geben dem Beruf auch seinen Namen: Butler kommt von Boutellier, der französischen Bezeichnung für den Kellermeister. Seit damals hat das Berufsbild jedoch eine enorme Wandlung durchgemacht. Aus einst eher einfachen Bediensteten sind hochqualifizierte Manager geworden. Oft mehrsprachig sind sie vor allem für Organisatorisches zuständig, für Termine, Post, Reisebuchungen und -vorbereitungen. Sie überwachen Logistik und Einkauf, Reinigung und Kinderbetreuung, stellen Personal ein und entlassen es. Sie müssen gegenüber Hilfsarbeitern ebenso den richtigen Ton treffen wie als Toastmaster beim edlen Gala-Dinner.

Auch das lässt Akademiechef Wennekes seine elf männlichen und zwei weiblichen Aspiranten üben bis zum Abwinken. Nach jedem Essen - das selbstverständlich von einem Teil der Schüler vorbereitet, serviert und abgeräumt wird - muss einer aus dem Stegreif eine Rede halten nach einem Stichwort, das ihm ein anderer hingeworfen hat. Bei beruflichen Begriffen wie "Besteck“ tun sich die Studenten leicht, bei politischen wie "Syrien“ eher nicht. "Ihr müsst zu jedem Thema reden können - ihr seid auch zur Unterhaltung da!“, donnert Wennekes dann.

Saures verteilt der Mitfünfziger meist in der Rolle des exzentrischen Milliardärs Mr. Leigh, in die er für seine Schüler schlüpft. Das soll den späteren Arbeitsalltag bestmöglich simulieren - wie auch alles andere während der zwei Trainingsmonate, wie der haarklein durchorganisierte Tagesablauf, wie der ständige Stress, wie die formvollendete Umgebung des Schlosses. Mr. Leigh streift zwar gerne selbst in Jogginganzug und Pelzhausschuhen durch die Gänge des Kasteels, von seinen Untergebenen erwartet er hingegen Perfektion. Alleine das Servieren des morgendlichen Kaffees in seinem Büro besteht aus 50 Einzelschritten, die sitzen müssen. Wer hier zwei-statt dreimal klopft, wem "May I offer you coffee?“ statt "May I serve you coffee?“ herausrutscht, wird von Mr. Leigh hart rangenommen. Für Colin, den drahtigen jungen Kanadier, war das bisher das schlimmste Erlebnis. Er nimmt es gelassen. Wie seine Mitstudenten. Denn trotz aller Strenge, trotz aller Etikette, trotz des ununterbrochenen Diensteifers - den man als Gast besonders genießt - herrscht im Schloss auch eine Aufbruchstimmung und eine Art ruhiger Stolz. Geduldig lernen sie, wie man Schuhe spiegelblank poliert (mit einem Nylonstrumpf), wie schnell man ein Hemd bügeln kann (in zwei Minuten) oder wie oft man im Notfall an die Tür seines Arbeitgebers klopfen soll (fünfmal).

Das Glück der anderen

Warum tut sich das jemand an? Zahlt knappe 14.000 Euro, um sich zwei Monate fertig machen zu lassen? Um am Ende vielleicht durch die Prüfung zu rasseln - ohne Wiederholungsmöglichkeit? Die Motive dafür sind fast so unterschiedlich wie die anwesenden Schüler. Freilich, einige unter ihnen haben ähnliche Lebensläufe, hatten in der ein oder anderen Form schon mit entsprechenden Dienstleistungen zu tun. Seppe ist so einer, der Belgier, der mit Mitte zwanzig schon Koch, Kellner und Sommelier gelernt, noch einen Bachelor in Hotel Management nachgeschoben und die ganze Bandbreite von Edelrestaurant bis Kreuzfahrtschiff erlebt hat. "Butler, da wächst man rein“, sagt Seppe, dem man seine Bereitschaft zu Dienen schon an seinem anhaltenden sanften Lächeln anmerkt. "Andere glücklich zu machen macht mich glücklich“, ist sein Motiv, eines, das man hier immer wieder hört.

Andere jedoch betreten mit der Ausbildung komplettes Neuland. Weil sie jung sind, nicht einmal 20, wie der füllig-fröhliche Südafrikaner Dillan. Sein Großvater habe Jahrzehnte als Butler in Monaco gedient, erzählt der Farbige, ihm zu Ehren wolle er das auch. Auch Csaba hat keinerlei Vorerfahrungen, trägt aber als Student-Headbutler gerade die gesamte Verantwortung. Er macht die Tagesplanung, er vergibt die Aufgaben. Er ist dem unwirschen Mr. Leigh jederzeit Rechenschaft schuldig. Jeder Student muss diese Rolle für ein paar Tage übernehmen, dem Enddreißiger aus Budapest merkt man an, mit welch enormem Druck das verbunden ist. Seine Hände zittern oft, seine Augen fliegen umher. "Ich bin eben nicht so der Leader-Typ“, entweicht es ihm beschämt. Douglas, 60, hilft in solchen Situationen zumindest seine karibische Entspanntheit. Er könnte in seiner Heimat Trinidad und Tobago weiter als Baukonsulent arbeiten. Aber, sagt er, nachdem er vor Rührung ein paar Mal nach Luft geschnappt hat: "Ich möchte meiner Tochter noch ein Studium ermöglichen. Soviel Geld verdiene ich nur als Butler.“

Monetär kann sich das Diener-Dasein durchaus lohnen. Im Schnitt verdient man gute 100.000 Euro im Jahr - Kost und Logis oft inklusive. Es gibt zwar Staaten, in denen die Bezahlung nicht ganz so gut ist - darunter etwa Österreich - in Einzelfällen kann jedoch auch ein Millionensalär dabei herausschauen. Und: Die Berufsaussichten sind bestens. Denn der Markt für derartige Dienstleistungen wächst ebenso rapide wie die Zahl der Reichen. Besonders gute Chancen gibt es in aufstrebenden Märkten. China soll Schätzungen zufolge einen jährlichen Butler-Bedarf von 100.000 Personen haben, weswegen die Schule dort bald ihre erste Zweigstelle eröffnen wird. Wachstum verzeichnen auch die arabischen Ölstaaten, vor allem für weibliche Butler. Nancy, die forsche ehemalige Eisenbahningenieurin aus Washington, sieht dort dennoch nicht ihre Zukunft: "Als Amerikanerin? Mit solch jüdischen Gesichtszügen? Unwahrscheinlich.“

Boss statt Butler

Nancy hofft, dass Schulchef Wennekes sie auf einen guten Platz in den USA vermittelt. Wennekes Netzwerk ist für viele Schüler entscheidend. Der 54-Jährige hat - wie alle anderen Lehrer hier - selbst viele Jahre als Butler gearbeitet, anfangs in den USA, später auch in Österreich. Natürlich sagt der Niederländer nicht, wer hierzulande sein Arbeitgeber war, nicht einmal das Bundesland ist ihm zu entlocken. Diskretion ist alles. Später bekam Wennekes ein Angebot aus dem arabischen Raum: 200.000 Euro Jahressalär, eigener Chauffeur und zwei Privatassistenten. Seine Frau war trotzdem wenig angetan, weswegen er dem Scheich jemand anderen vermittelte - wie kurz danach auch dessen Freunden. So wurde Wennekes schließlich sein eigener Boss, auch wenn er heute sagt, dass zwischen Butler-Dasein und Unternehmertum nicht wirklich ein Unterschied besteht. "Beides ist Management. Statt eines Arbeitgebers habe ich heute eben mehrere Kunden - die aber kaum weniger anspruchsvoll sind.“ Bald erhielt er dermaßen viele Anfragen, dass er beschloss, selbst auszubilden.

Anekdoten hasst Wennekes, weil sie so gar nicht zur Verschwiegenheitspflicht seiner Branche passen. Es gibt trotzdem eine, die erzählt werden muss, weil sie zeigt, was neben der ganzen professionellen Dienstbarkeit und der steifen Etikette noch zum Berufsbild gehört: ein gehöriges Maß an Improvisationstalent.

Als Chefbutler in der amerikanischen Botschaft in Bonn musste Wennekes dort Mitte der Neunziger den ersten Deutschland-Besuch Bill Clintons managen. Er schuftete drei Nächte durch und hatte vor dem Servieren des abschließenden Dinner-Gangs so geschwollene Füße, dass er nicht mehr in seine Schuhe passte. Ersatztreter waren trotz verzweifelter Suche keine aufzutreiben. Wennekes fuhr kurzerhand die Beleuchtung herunter, entzündete ein paar Cognacschwenker auf der Dessertplatte und servierte. Auf seine Füße achtete dabei niemand. Zum Glück. Denn in Socken sollte man als Butler niemals bedienen - schon gar nicht den amerikanischen Präsidenten.

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Asse des Alltags
Pausen haben die Schüler an der Butler Academy keine. In der Früh werden Tagesaufgaben vergeben, denen sie sich widmen müssen, wenn gerade keine Theorie- oder Praxiseinheit ansteht. Das kann Putzen sein, in der Küche aushelfen, oder das Servieren zu den Essenszeiten. So lernen sie den Alltag ihres späteren Arbeitslebens von der Pike auf. Dazu gehört auch, dass jeder der Aspiranten mehrere Tage den Posten des Headbutlers einnimmt und damit für das gesamte Haushaltsmanagement zuständig ist. Dauerstress, dem man nur mit einer guten Portion Humor gewachsen ist.

Perfektion als Maßstab
Jeder Handgriff eines Butlers verlangt Formvollendung. Das gilt auch für die eigene Kleidung, etwa den Sitz der Krawatte. Und für die Vorbereitung einer festlichen Hochzeitstafel: Das Tischtuch gehört gebügelt, die einzelnen Gänge geplant und schließlich Besteck, Teller und Gläser millimetergenau ausgerichtet. Ohne Deko sind das für die 18-Personen-Tafel immerhin 324 einzelne Elemente, deren Abstände akkurat berechnet und vermessen werden müssen. Die 13 Schüler haben für diese Aufgabe zwei Stunden Zeit. "Fucking crap!“, lautet am Ende die harsche Bewertung des Chefs.

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