"Das deutsch-griechische Beziehungsproblem ist groß"

"Das deutsch-griechische Beziehungsproblem ist groß"

Der Umsatzeinbruch könnte sich auf zehn bis 15 Prozent summieren, sagte Verbandschef Andreas Andreadis der Nachrichtenagentur Reuters. Die Hotelbetreiber stimmen in die Klagen ein.

"Es wäre schon ein Erfolg, wenn der Rückgang nicht viel höher als zehn Prozent liegt", sagte der Chef der Hoteliervereinigung, Yannis Retsos. "Wir haben bereits die Hälfte der Saison verloren und kämpfen um Juli, August und September."

Gift für das Gewerbe ist vor allem die politische Unsicherheit. Vor den Wahlen am 17. Juni, die nach Auffassung vieler über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone entscheiden dürften, halten sich viele Urlauber mit Buchungen zurück. Das gilt insbesondere für die Touristen aus Deutschland, die wichtigste Klientel für das Mittelmeerland. Im vergangenen Jahr waren es 2,2 Millionen deutsche Gäste. Viele davon kommen dieses Jahr nicht wieder, sondern sonnen sich lieber an den Stränden Spaniens oder der Türkei.

Der Grund dafür wird auch darin gesehen, dass die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Griechenland scharf kritisiert wird. Zahlreiche Griechen werfen der Bundesregierung ein Spardiktat vor, das für die Misere im eigenen Land mitverantwortlich sei. Medienberichte über soziale Unruhen und wachsende Ressentiments in der Bevölkerung gegenüber den Deutschen schrecken viele ab. "Das deutsch-griechische Beziehungsproblem ist groß", sagte Retsos. "Nur die Zeit kann diese Wunden heilen."

“Deutsche warne gute Freunde“

Davon kann auch Michalis Minadakis ein Lied singen, der einen Hotelkomplex mit Strand in der Nähe der antiken Stadt Olympia leitet und nun auf leere Sonnenliegen schaut. "Die Deutschen waren gute Freunde des griechischen Tourismus, aber jetzt haben sie Angst hierherzukommen", sagte Minadakis. Für das laufende Jahr beklagt er einen Buchungsrückgang von 25 Prozent. Bei den Gästen aus Deutschland belaufe sich der Einbruch gar auf 50 Prozent. Doch manche lassen sich von der schlechten Stimmung nicht abhalten. "Ich war etwas ängstlich, wegen der Medienberichte, dass die Griechen die Deutschen hassen", sagte etwa die deutsche Touristin Britta Missler. "Wenn ich zurück nach Deutschland komme, werde ich allen erzählen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt."

Gerade in Zeiten der Dauerrezession und der Rekordarbeitslosigkeit wird der Tourismus besonders wichtig für Griechenland. Er steht für 15 Prozent der Wirtschaftsleistung und ein Fünftel der Jobs. In den Jahren 2009 und 2010 schrumpfte die Branche bereits um 25 Prozent, erholte sich dann aber wieder. Viele Urlauber, die Reisen nach Ägypten und Tunesien wegen der dortigen Aufstände scheuten, entschieden sich für die Badeorte und historischen Sehenswürdigkeiten in Hellas. 16,5 Millionen Touristen zählte das Land 2011, so viele wie nie zuvor.

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