Cornelius Gurlitt und die Mutter aller Kunstfunde

Cornelius Gurlitt und die Mutter aller Kunstfunde

Best of Kunstfunde: Im Juli 1999 buddeln Grabräuber die 3.600 Jahre alte, bronzene Himmelscheibe von Nebra aus, eine archäologische Sensation. Im Oktober 2002 finden Schaffner des ICE von Basel nach Freiburg im Gepäck von zwei syrischen Fahrgästen etwa 1.000 Kunstgegenstände aus Raubgrabungen in Wert von zig Millionen. Im Jänner 2011 taucht in New York ein jahrhundertelang verschollenes Jesusbild von Leonardo da Vinci auf. Schätzwert: rund 200 Millionen Dollar.

Doch das ist alles nichts gegen die Entdeckung einer 1.406 Werke umfassenden Kunstsammlung der Extraklasse in der verwahrlosten Dreizimmerwohnung des kauzigen 79-jährigen Cornelius Gurlitt in München-Schwabing – schon jetzt die Mutter aller Kunstfunde.

Der einzigartige Kunstschatz wurde zwar bereits Anfang 2012 von Münchener Zollfahndern gehoben, machte aber erst am 3. November 2013 durch eine „Focus“-Story weltweit Schlagzeilen. Zwei Tage später lüftete die zuständige Oberstaatsanwaltschaft Augsburg weitere Details, die bei Experten allerdings nur noch mehr Fragen zu diesem Kunst- Krimi aufwerfen.

Dürre Faktenlage

Laut Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz und der Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann handelt es sich bei dem Gurlitt-Fundus um Ölgemälde, Lithografien, Zeichnungen und Aquarelle von Künstlern der Klassischen Moderne wie Pablo Picasso, französischen Meistern wie Marc Chagall, Gustave Courbet, Henri Matisse, Auguste Renoir und Henri Toulouse-Lautrec. Sehr umfangreich sei weiters der Bestand von deutschen Expressionisten (Max Beckmann, Otto Dix, Ernst-Ludwig Kirchner, August Macke, Franz Marc, Emil Nolde oder Karl Schmidt-Rottluff).

Auch Werke des Österreichers Oskar Kokoschka sowie deutlich ältere Arbeiten von Canaletto (1808-1885) oder sogar Albrecht Dürer (1471-1528) befänden sich in der Sammlung. Laut inoffiziellen Schätzungen soll sich der Wert des Bestandes auf eine Milliarde belaufen.

Auch dieser Kunstfund nahm seinen Ausgang mit einer Fahrscheinkontrolle, und zwar am späten Abend des 21. September 2010 im Schnellzug Zürich- Lindau. Den Zollbeamten war die ungewöhnliche Barschaft von Gurlitt aufgefallen – 18 nagelneue 500-Euro-Scheine, um einen Tausender unterhalb der meldepflichtigen 10.000-Euro-Grenze. Sowas riecht nach Steuerhinterziehung, deutet auf einen Profi im Geldtransfer zwischen Deutschland und der Schweiz hin. Also heftete sich die Zollfahndung München an die Fersen von Gurlitt, der sich als U-Boot par excellence erwies – keine Sozialversicherungs- oder Steuernummer, kein Job, bloß ein österreichischer Pass.

Wovon dieser Eigenbrötler eigentlich lebte, begannen sie erst im Herbst 2011 zu erahnen. Damals hatte Gurlitt beim Kölner Auktionshaus Lempertz ein Gemälde von Max Beckmann – „Der Löwenbändiger“ – zur Versteigerung eingebracht, das tatsächlich um 684.000 Euro unter den Hammer kam. Aber erst, nachdem sich Lempertz und Gurlitt mit den Erben nach Alfred Flechtheim, einem jüdischen Nazi-Opfer, auf eine Entschädigung geeinigt hatten. Kurzum: Gurlitt hatte versucht, Raubkunst zu vergolden.

Ende Februar 2012 erwirkten die Beamten schließlich einen Hausdurchsuchungsbefehl und fanden ihn inmitten der säuberlich gestapelten Bilder im Bett liegend vor, angeblich stöhnend: „Wozu die Mühe, ich bin ohnehin bald nicht mehr.“ Drei Tage dauerte der Abtransport der beschlagnahmten Bilder. Von Cornelius Gurlitt fehlt seither jede Spur. Offene Fragen. Zweifellos handelt es sich beim Fund der Sammlung Gurlitt, die laut Expertin Hoffmann „ausnahmlos aus Werken außerordentlicher Qualität“ besteht, um eine kunsthistorische Sensation.

Ob sie tatsächlich den kolportierten Wert von einer Milliarde Euro hat, ist indes völlig unklar. „Das ist wahrscheinlich irrsinnig hoch gegriffen“, sagt Michael Kovacek, Miteigentümer des Wiener Auktionshauses „im Kinsky“. „Wir wissen ja nicht, welcher van Gogh dabei ist. Eine Preisnennung ist reine Kaffeesudleserei. Aber es wird schon viel Geld sein.“ Sobald der Restitutionsstatus der Kunstwerke geklärt sei, würden diese ganz sicher auf den Markt kommen und „die Preise in die Höhe schießen“, so Kovacek. „Die ersten Briefe von Sothebys und Christies sind sicher schon geschrieben worden.“

Rechtsansprüche

Daher fordert der Wiener Rechtsanwalt und Restitutionsexperte Alfred Noll, „alle Bilder schleunigst online zu stellen, um eventuelle Rechtsansprüche früherer Eigentümer zu ermöglichen“ (s. Interview Seite 36). Denn natürlich steht der Verdacht im Raum, dass es sich zumindest bei Teilen der Sammlung um Nazi-Raubkunst handeln könnte.

Tatsächlich hat Cornelius Gurlitt das komplette Konvolut von seinem Vater Hildebrand geerbt – und dafür offenbar nie Steuern bezahlt. Hildebrand Gurlitt wiederum war, so der Wiener Rechtsanwalt, Kunstsammler und Experte für „Entartete Kunst“ Ernst Ploil, „einer jener Kunsthändler, die in der Gunst des Dritten Reiches gestanden sind, für die eigene Tasche gearbeitet und einen großen Fundus aus größtenteils requirierter, also beschlagnahmter Kunst angehäuft haben.“ So dürfte auch zumindest ein Teil der Sammlung entstanden sein.

Entscheidend für eine mögliche Restitution ist folgende Frage: Stammen die Kunstwerke aus der berüchtigten Nazi-Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 oder nicht? Falls Gurlitt-Bilder Teil dieser 700 Werke starken Propaganda-Wanderschau waren, hätte Deutschland als Rechtsnachfolgerin des Nazi-Reiches Eigentumsansprüche darauf. Es würde diese nach Abzug von Gurlitts Steuerschuld wohl den Erben zurückerstatten.

Wurden die Kunstwerke von Hildebrand aber „normal“ erworben – also damals von jüdischen Mitbürgern meist gegen einen Bettel abgepresst –, dürften allfällige Erben durch die Finger schauen. Noll: „Leider sind Privatpersonen, die heute noch Raubkunst im Schlafzimmer, am Klo oder am Dachboden hängen haben, juristisch unantastbar.“

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