Bundesrechenzentrum – Die Wolke der Nation

Bundesrechenzentrum – Die Wolke der Nation

Das Bundesrechenzentrum ist zum international angesehenen IT-Dienstleister geworden. Jetzt soll es eine Bundes-Cloud für die gesamte Verwaltung etablieren.

Es gibt einige österreichische Besonderheiten, um die uns das Ausland beneidet. Neuerdings gehört neben der Sozialpartnerschaft oder etwa den Lipizzanern auch die Bundes-IT dazu. In Sachen E-Government hat Österreich in den einschlägigen Benchmark-Studien der EU seit Jahren Platz eins gepachtet. Flaggschiff der E-Government-Errungenschaften ist FinanzOnline, ein Portal, über das seit 2003 Bürger und seit 2004 auch Unternehmen alle Steuerangelegenheiten elektronisch abwickeln können. Auch ob des elektronischen Grundbuchs schielt man neidvoll auf die Alpenrepublik, insbesondere aus Deutschland, wo es so etwas noch immer nicht gibt.

Viel internationale Beachtung bekommt auch das Dokumenten- und Workflow-Management der Verwaltung - Stichwort "Elektronischer Akt“ (ELAK). Hauptverantwortlich für diese Erfolge ist die Bundesrechenzentrum GmbH, kurz BRZ. "Unsere Expertise ist im Ausland hoch anerkannt und gefragt“, freut sich BRZ-Geschäftsführer Roland Jabkowski. Kürzlich sei sogar eine Delegation aus Saudi-Arabien zu Besuch gewesen. "Dort will man uns kopieren.“

Entstanden ist das BRZ 1997 durch die Ausgliederung der IT des Finanzministeriums - mit dem Ziel, die IT-Ressourcen des Bundes zu konsolidieren und Synergien zu schaffen. Ein Vorhaben, bei dem man vor allem in den letzten Jahren immer erfolgreicher agierte. Heute betreibt das BRZ nicht nur über 350 E-Government-Anwendungen, sondern auch die IT des Bundeskanzleramts, aller Ministerien und obersten Staatsorgane, der Universitäten und vieler ausgegliederter Organisationen. "Wir haben Serviceumfang und Servicequalität sukzessive ausgebaut. Trotzdem konnten wir die Servicepreise seit 2008 kontinuierlich senken und so dem Bund 130 Millionen Euro IT-Kosten ersparen“, betont Jabkowski.

Das BRZ beschäftigt 1.200 Mitarbeiter, von denen allerdings zwei Drittel nicht mit dem profanen Betrieb, sondern mit der Neu- und Weiterentwicklung von Systemen beschäftigt sind. Dem Umsatz nach ist der Staatsdienstleister drittgrößter IT-Serviceprovider des Landes. In Marktanalysen wurde dieser Umstand nie so recht ernstgenommen, da das BRZ ausschließlich Services für den Eigentümer, also die Republik, erbringt. Exklusivrechte hat es dabei allerdings keine, betont Jabkowski: "Wir müssen uns in Preis und Servicequalität gegen die Konkurrenz am freien Markt behaupten.“ Aktuell kassiert das BRZ für die oben aufgezählten Leistungen 55 Prozent des Bundes-IT-Budgets.

Gesetzlich verordnete Cloud

Dieser Anteil wird sich in Zukunft wohl deutlich erhöhen, denn unter den Gesetzen, die dieses Frühjahr unter dem Titel "Konsolidierungspaket“ den Ministerrat passiert haben und bis 2016 ein Einsparungsvolumen von knapp 27 Milliarden Euro realisieren sollen, befindet sich auch das IKT-Konsolidierungsgesetz. Medial blieb es aufgrund anderer legistischer Aufreger eher unbeachtet. Nichtsdestotrotz ist es von erheblicher Tragweite und für die Verwaltungs-IT nicht nur organisatorisch, sondern auch technologisch richtungsweisend. Jabkowski bezeichnet es sogar als "epochal“: "Meinen Kollegen von den deutschen Landes-IT-Organisationen blieb bei einer Tagung in Hamburg der Mund offen, als ich ihnen den Gesetzestext vorgelegt habe.“ Ziel des Bundesgesetzes ist eine "Vereinheitlichung bestehender und neu zu schaffender IKT-Lösungen und IT-Verfahren des Bundes“.

In § 4 heißt es: "Ist die Entwicklung, Weiterentwicklung und der Betrieb von IKT-Lösungen und IT-Verfahren geplant, ist vom Auftraggeber von der Bundesrechenzentrum GmbH vor Durchführung eines förmlichen Vergabeverfahrens ein Angebot einzuholen.“ Ist dieses "nachvollziehbar marktkonform …, ist die BRZ GmbH zu beauftragen“.

Eine klare Stärkung der Position des BRZ also - und eine Beschneidung der Verantwortlichkeiten vieler öffentlicher Körperschaften, die nun per Gesetz zur IT-Effizienz verdonnert werden. Darüber hinaus finden sich schon in den Begriffsbestimmungen des Gesetzestextes Formulierungen, die darauf hinweisen, dass der Gesetzgeber zukünftig auf Cloud-Technologien und -Standards setzen will (siehe Faksimile), mithilfe deren allen Verwaltungsorganen IT-Infrastruktur und Anwendungen aus einer vom BRZ betriebenen Bundescloud über das Internet bereitgestellt werden sollen. Welche Standards konkret zur Anwendung kommen, wird ausschließlich vom Bundeskanzler im Einvernehmen mit dem Finanzminister per Verordnung entschieden. Dass jedes Ministerium sein eigenes System-Süppchen kocht, wird es in Zukunft also nicht mehr spielen.

Verwaltungsreform über die Bande. Michael Zettel, Experte für öffentliche Verwaltung beim Beratungshaus Accenture, findet großen Gefallen an dem Gesetz: "Es stellt eine Intensivierung der schon bisher vorangetriebenen Bemühungen dar, durch eine behördenübergreifende Zusammenarbeit einerseits Effizienzpotenziale, aber auch Nutzenpotenziale im Sinne von mehr Bürgernähe und besserem Bürgerservice zu heben.“ Bisher sei diese Zusammenarbeit aufgrund von Hoheitsgrenzen zwischen den Körperschaften, insbesondere zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, noch sehr eingeschränkt, räumt er ein.

Ob der ewige Papiertiger "Verwaltungsreform“ durch die technologische Hintertür doch noch scharfe Klauen und Zähne bekommen könnte? Bei Accenture glaubt man jedenfalls daran und hat auch schon einen Begriff für das neue Phänomen kreiert: "technologiegetriebene Verwaltungsreform“. "Die politischen Rahmenbedingungen müssen dann irgendwann an die gelebten Prozesse angepasst werden“, so Zettel.

Jabkowski bestätigt: "Ziel ist die Umsetzung einer vertrauenswürdigen Government-Cloud, die der Verwaltung skalierbare, flexible Ressourcen zur Verfügung stellt.“ Die ersten Vorboten der Bundescloud wurden kürzlich im Rahmen des Euro Cloud Award ausgezeichnet.

Platz eins gewann "portal.at“, ein Cloud-Service, der 130.000 Usern in Bund, Ländern und Gemeinden 180 Anwendungen zur Verfügung stellt, unter anderem Apps für die zentrale Haushaltsverrechnung und das Personalmanagement des Bundes, Firmenbuch, Grundbuch oder Melderegister. Ein weiteres Cloud-geeignetes Vorhaben ist der "Bundes-Client“, ein einheitlicher IT-Arbeitsplatz für die Bundesverwaltung, der zukünftig als "virtueller Desktop“ auf die Beamtenbildschirme gestreamt werden soll.

Auch in Sachen zentrales Content-Management für öffentliche Websites drängt sich die Cloud als Sparprogramm auf, da viele Bundes-, Landes- und Bezirksbehörden ähnliche oder idente Inhalte an den Bürger bringen müssen. Jabkowski sieht die Gebietskörperschaften als "Zukunftsmarkt“ des BRZ: "Die Government-Cloud könnte die IT-Ressourcen von Bund, Ländern und Gemeinden zusammenwachsen lassen.“ Das IKT-Konsolidierungsgesetz könnte den Vorgang erheblich beschleunigen. Obwohl es erst Jänner 2014 in Kraft treten soll, zeigt es jetzt schon Wirkung. Laut Insidern regt sich in den Ministerien und Körperschaften teils erheblicher Widerstand. Mit etwas Zynismus kann das als gutes Zeichen gewertet werden. Denn eine Reform, die niemandem Schmerzen bereitet, bringt auch nichts.

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