"Bitte zeichne mich zur Sau!"

Nach schöpferischer Pause lässt Gerhard Haderer wieder die Politpuppen tanzen. Der Starkarikaturist über den Reiz von Spindelegger und den neuen Haderer in Öl.

"Bitte zeichne mich zur Sau!"

Das Wahlergebnis ein Desaster, der Euro am Abgrund, unsere Sparbüchln nicht mehr anonym und Alfred Gusenbauer ein Spion und demnächst Dancing Star? Die politische Elite des Landes ist bruchlandungsreif. Deshalb sagt sie: ’Bye.Bye, Österreich’“ - so lautet kurz und knapp das Setting für die neue Politpuppenshow des Satirikertrios maschek im Wiener Rabenhof.

Was 2006 höchst erfolgreich mit "Bei Schüssels“ begann, findet nach "Beim Gusenbauer“ und "Bei Faymann“ damit nach dreijähriger Pause eine Fortsetzung. Entstanden sind die Puppen wieder nach den Entwürfen von Gerhard Haderer, umgesetzt werden sie von Puppenbauerin Brigitte Schneider. Ehe sich die Puppenprominenz im November auf der Bühne gebärden darf, wird ihr vom Schöpfer persönlich noch der letzte Schliff verpasst. "Eigentlich“, so der Cartoonist "bedeutet ja die Fertigstellung der Puppen das Ende meiner Arbeit. Aber in der Interaktion bekommen sie eine Lebendigkeit, die man der Zeichnung niemals zuordnen kann, eine neue Dimension!“

In eine absolut neue Dimension hat sich der 62jährige Karikaturist seit einem Jahr auch mit seinen großformatigen Ölgemäden begeben. Für FORMAT hat er erstmals eine Abbildung der bisher unter Verschluß gehaltenen Werke freigegeben.

FORMAT: Sie haben sich von der österreichischen Medienlandschaft ja nahezu zurückgezogen. Was hat Sie bewogen, nun doch wieder die Politpuppen tanzen zu lassen?

Gerhard Haderer: Ich habe viele Jahre mit 100prozentiger Leidenschaft die österreichischen Politiker gezeichnet und das mit der gleichen Leidenschaft auch eingestellt. Was das Puppenspiel angeht, hat die lange Pause auch damit zu tun, dass die ersten Staffeln sehr erfolgreich gelaufen sind und die jeweiligen Primgeiger der Republik meines Erachtens genügend besprochen waren. Es galt nachzudenken, welche Substanz das nächste Stück haben kann. Dieses Nachdenken habe ich mir mit meinen Freunden von maschek verordnet. Es hat drei Jahre gedauert. Jetzt ist die Lust wieder da.

Das Polittheater wird in Realität immer krasser. Ein gutes Angebot für einen Karikaturisten - oder gibt es eher, wie Ihr Kollege Peichl meint, nur mehr fade G’sichter?

Haderer: Es hat ja immer fade G’sichter gegeben, daher hat es solche Lichtgestalten wie Peichl und meine Wenigkeit gebraucht, um den fadesten Physiognomien etwas Interessantes zu entreißen. Wobei ich immer der war, der sich weniger um die Nomenklatura der Stars gekümmert, sondern sich mit den Menschen beschäftigt hat. Wenn man aber, wie jetzt, das Glück hat, einen Herrn Spindelegger zu haben, starten sämtliche Zeichnerreflexe voll durch.

Was macht denn den "Spindi“ zu so einem Supermodel? Die signifikante Nase?

Haderer: Es ist gar nicht die Nase, es ist die Gesamterscheinung. Es ist dieser bestimmte Ausdruck, der da schreit: ’Bitte zeichne mich zur Sau!’ Aber ich werde ja logischerweise auch altersmilde! Jetzt kommt auch noch die Nachwuchshoffnung Frank Stronach ins Puppenteam. Die Klientel wird also nicht jünger, aber sie ist bunt genug.

Bild: Ingo Pertramer

Lange Zeit war erklärtes Credo der Show, rechts stehenden Politikern keine Bühne zu geben. Nun gibt es eine Strache-Puppe.

Haderer: Die Entscheidung ist in Teamarbeit mit maschek gefallen. Ich habe diese Einstellung aber auch bei meinen Zeichnungen, immer konsequent gehalten und schon sehr früh damit aufgehört, Jörg Haider zu zeichnen. Ich wusste, der hängt sich meine Karikaturen in seine Privaträume. Das war kontraproduktiv. Bei Strache musste ich auch erst im Internet recherchieren, wie er jetzt aussieht, weil er mich null interessiert.

Ihr HC Strache strahlt penetrant…

Haderer: Das ist ein Grinser, den er zuletzt vor fünf Jahren gehabt hat. Heute ist er ja verbittert und längst nicht mehr eine strahlende Figur. In meinem Fall strahlt er aber wieder, weil ich der Meinung bin, man sollte den Figuren, die man nicht mag, das um die Ohren hauen, von dem sie selber glauben, damit können sie punkten. Wenn Strache meint, er könne mit diesem Schwiegermutter-Aufriss-Grinser noch irgendetwas gewinnen, dann sollte man ihm das Gegenteil beweisen. Das ist vielleicht eine verquere Auffassung, aber so habe ich es auch mit KHG gemacht und ihn noch schöner, noch klüger und unwiderstehlicher gezeichnet. Oder die Fekter: Ich bin ihren Äuglein ausgeliefert, obwohl man durch die Hängelieder schwer durchblicken kann.

Wie und wo beobachten Sie? Auf einem Spaziergang durch Linz, in TV-Sessions oder via Print? Was erregt Ihre Aufmerksamkeit?

Haderer: All das zusammen. Manche Menschen speichern Gespräche, ich persönlich speichere Gesichter und Körperhaltungen. Unbewusst. Das ist vermutlich eine Begabung. Der Arbeitsprozess selbst ist dann ja eher ein abturnender: Man hat ein Blatt Papier und einen leeren Schreibtisch und ruft den Speicher ab. Wenn jemand wie Michael Spindelegger sagt: ’Ich möchte Kanzler werden’ und gleichzeitig dabei fast weint, ist das ein rührendes Angebot. Spindelegger hat mich weich geklopft.

Die Premiere der Show ist erst nach den Wahlen. Wer wird der nächste Politpuppenkanzler?

Haderer: Da wird alles neu gemischt werden, die Großparteien wird es so nicht mehr geben. Für meine Karikaturistenkollegen würde ich mir Spindelegger wünschen. Rein politisch, kann ich nur sagen, dass es hierzulande einen bestimmten Prozentsatz von Menschen gibt, die immer wieder bereit sind, die groteskesten Figuren zu wählen. Wenn man sich überlegt, dass einmal sogar Hans-Peter Martin 15 Prozent bei einer Nationalratswahl bekommen hat! Und jetzt bekommt ein Herr Stronach die Stimmen. Das ist der Background, vor dem wir arbeiten. Das hat nichts mit Politik zu tun, das ist eine Art von Demokratieverweigerung, die scheußlich ist. Da geht es um Entertainment. Aber wir spielen auf einem Eis, das immer dünner wird. Plötzlich sind sogar Figuren wie der Dosenspringer Felix Baumgartner interessant, der Forderungen nach einer gemäßigten Diktatur von sich gibt und Beifall findet! Da kommt berechtigter Zorn auf!

Haben Sie sich in den letzten 40 Jahren in Eigentherapie die Wut vom Leib gezeichnet?

Haderer: Wenn es um österreichische Politkasperln geht, hat das nix mit Eigentherapie zu tun. Die Arbeit geht ja in eine andere Richtung. Man beschäftigt sich mit Menschen, die versuchen ihren eigenen Platz zu finden. Dazu gehöre ich auch. Das hat mit Eigentherapie zu tun. So gesehen habe ich mir wahrscheinlich die letzten 40 Jahre den Psychiater erspart.

Die aktuelle Show heißt "Bye-Bye, Österreich“. Darin stürzt ein Flugzeug, in dem die österreichische Elite sitzt, in der Eiswüste ab, wo ein neues Österreich aufgebaut wird…

Haderer: Erstmals wird es dazu auch eine Bühne geben, die absolut Haderer ist, Comic pur! Alles was dargestellt wird, sind schräge Comics. Es gibt keinen Naturalismus.

Bis auf die hyperrealistischen Puppen von Spindelegger, Stronach, Niki Lauda…

Haderer: Maria Fekter muss eine Rolle spielen und ohne den Bundespräsidenten wird es auch nicht gehen. Der ist eine österreichische Marke. Selbstverständlich bin ich der Meinung, dass man diese Position nicht braucht, aber wenn sie einer ausfüllen kann, dann ist es Heinz Fischer: Man merkt, der Mann ist glücklich, er strahlt das aus. Wenn man auf einer Bank die klassische österreichische Klientel versammelt - den Lipizzaner, die Wiener Sängerknaben mit Sachertorte auf dem Knie, Niki Lauda und Hermann Maier, dann gehört auch Bundespräsident Fischer dazu.

Gibt es den persönlichen Haderer-Kodex, eine Grenze zur Geschmacklosigkeit?

Haderer: Das ist eine Diskussion, die man sehr ernsthaft führen muss. Wo sind die Grenzen der Satire? Da gibt es am Ende für jeden Künstler Eigenverantwortung. Der Haderer-Kodex ist natürlich nicht festgeschrieben. Aber es gibt Themen, denen ich mich deswegen nicht zuwende, weil sie mir im Positiven etwas wert sind. Man räumt ja zuerst einmal den Müll weg, der sich angehäuft hat. Ich habe keinen Grund Nelson Mandela zu zeichnen oder Bob Dylan zu verarschen.

Wie viel Sprengkraft kann denn ein politisches Kasperltheater auf der Bühne entwickeln, wo tagtäglich in jeder ZIB größeres Theater angesetzt ist?

Haderer: Ich tue mir schwer, wenn Kabarettisten anfangen, Politik zu machen. Das ist nicht ihre Aufgabe. Ihre Aufgabe ist es, präzise Fragen zu stellen. Politik ist ein Geschäft. Das muss man gelernt haben. Aber ich bin sicher, dass so ein Abend wie unserer eine Haltung bestätigt und Gedanken verstärken kann, die andere Menschen auch haben.

Sie arbeiten für den "Stern“. Ist in Deutschland alles soviel anders?

Haderer: In Deutschland ist sehr vieles gleich. In einigen Facetten unterscheidet sich die politische Landschaft aber deutlich. Zum Beispiel im übertriebenen Sauberkeitsfanatismus der Deutschen. Ein Politiker, der sich blöd aufführt, ist in wenigen Wochen aus dem Amt genommen - In Österreich ist das oft erst der Start einer Karriere. Gleich ist, wie sich die Menschen dort und da verhalten. Ich werde oft gefragt: ’Warum zeichnen Sie ständig meinen Nachbarn?’ Aber meine Models sind alle in Linz vor der Haustür. Es gibt eben universelle Figuren.

Demnächst erscheint ein Band, in dem sie einen Turrini-Text zeichnerisch auf den Punkt bringen …

Haderer: Literarische Texte haben mich immer schon angeregt. Wenn sich Peter Turrini mit einem vierjährigen Mädchen unterhält und daraus einen reizenden Text macht, dann muss man dazu zeichnen, eine leichtfüßige Übung und ein Umarmen des Peter Turrini, den ich seit Jahrzehnten schätze. Die Themen stellen sich jetzt etwas anders. Ich möchte auch endlich damit aufhören, einen Maler zu schwänzen. Ich habe in all den Jahren als Karikaturist immer den Eindruck gehabt, ich muss endlich einmal richtig malen. Das mache ich jetzt auch.

Haderer in Öl?

Haderer: Karikatur ist eine Sparte der Kleinformatigkeit. Jetzt male ich in der Tat Riesenschinken, in schwerem Öl auf Leinwand.

Altmeisterliche Schule?

Haderer: Meisterlich nehmen wir weg, alt bleibt! Man hat Lust, sich selber zu überprüfen. Das sind aufwendige Arbeiten, die Bilder erfordern monatelange Zuwendung, in denen ich täglich zehn Stunden im Atelier verbringe. Der erste Zyklus ist fertig. Ich bin bei meinen Grundthemen geblieben: Politik, Geschichte und Religion.

Wo werden die Arbeiten zu sehen sein?

Haderer: Das findet erstmals ohne Öffentlichkeit statt. Ich möchte einfach sehen, wo es hinführt, wenn man das Genre wechselt. Normalerweise arbeiten Karikaturisten ja nach dem Prinzip "Hit and run“.

"Bye-Bye, Österreich!

Die Rabenhof-Haderer-maschek-Puppenshow ist zurück und lässt die politische Elite des Landes diesmal im Eismeer notlanden. Die Puppenbauerin Brigitte Schneider hat die Gerhard Haderer-Entwürfe umgesetzt, das Medien-Satiriker-Trio maschek liefert Buch & Stimmen. "Bye-Bye Österreich“, Premiere: 21. 11., Karten ab sofort! www.rabenhof.at

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