"Auch in Europa gibt es Städte, die verwaisen, vergreisen und verarmen"

"Auch in Europa gibt es Städte, die verwaisen, vergreisen und verarmen"

FORMAT: Wie kam es dazu, dass Sie einen Monat lang in der „Shithole“ genannten ehemaligen Autostadt Detroit gelebt haben?

Katja Kullmann: Zum einen bin ich ein großer Musikfan, und aus Detroit kommen unter anderem Motown-Soul, Funk und Techno, Madonna, Eminem und die White Stripes. Zum anderen kennen wir seit den späten 1980ern die Fotos des verlassenen Bahnhofs. Das hat zwei fast widersprüchliche Bilder ergeben. Aktuell gibt es Investoren und Stadtplaner, die hoffen, dass Detroit das neue Berlin wird. All das hat mich interessiert.

Welche Erkenntnisse haben Sie durch den Besuch dieser schrumpfenden Stadt gewonnen?

Kullmann: Auch in Mitteleuropa gibt es Städte, vor allem in alten Industriezonen, die verwaisen, vergreisen und verarmen. Auf der anderen Seite steigen die Mieten in Städten wie Wien und Berlin. Im Grunde sind diese Entwicklungen zwei Seiten derselben Medaille. Vielleicht können wir in Detroit schon ein bisschen unsere Zukunft betrachten.

Eine düstere Zukunft?

Kullmann: Nein, nicht nur. Ein Beispiel: Jeder Dritte in Detroit lebt von Lebensmittelmarken. Daraus ist eine Non-Profit-Farming-Bewegung entstanden. Auf mehr als 70 Farmen in der Stadt wird Gemüse angebaut, Rezepte werden ausgetauscht. Das hat nichts mit Ökoträumerei zu tun – anders kommen die Menschen nicht zu Lebensmitteln.

Sie schreiben in Ihrem Buch „Rasende Ruinen“, dass Sie Unternehmertum entdeckt haben?

Kullmann: Ja, ein Beispiel: Die junge Design-Studentin Veronika Scott hat einen Wintermantel entwickelt, den man auch als Schlafsack verwenden kann und konnte die Textilfirma Carhartt als Sponsor gewinnen. Sie hat sechs Frauen angestellt, die sie von der Straße, also aus der untersten Verliererschicht wieder ins Boot geholt hat. Was man aber nicht vergessen darf: All diese Initiativen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und kein Rezept, um die Stadt zu retten.

Von unten bewegt sich also etwas, aber was wird von oben, von der Politik getan?

Kullmann: Elemente eines sozialen Auffangnetzes sind wichtig. Der amerikanische Traum ist mehr als „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Auch die Siedlungsgeschichte Amerikas hat einen solidarischen Kern, das war keine Einzelkämpferbewegung. Das Brutale ist nur, dass Sie mit Initiativen wie Urban Farming alleine in der heutigen Welt nicht mehr durchkommen: Sie können kein Argument sein, soziale Errungenschaften, die über Jahrzehnte erkämpft wurden, über Bord zu werfen.

Könnte man Städte wie Detroit nicht auch sterben lassen?

Kullmann: Man versucht, den Raum zu verkleinern, lässt bewusst Teile der Stadt sterben und gibt sie an die Natur zurück. Es wird versucht, Leute zu bewegen, ihre Häuser aufzugeben und in einen anderen Stadtteil zu ziehen. In der Innenstadt gibt es drei sogenannte Demonstration Areas: Dort werden Bushaltestellen erhalten und das Straßenlicht nicht abgedreht. Es sollen kleine Villages entstehen, wo wieder Bäcker oder Gemüseläden aufmachen. Für jene, die außerhalb dieser Viertel leben, ist es natürlich übel: Oft sind nicht einmal die Umzüge in Sozialwohnungen finanziert. Wenn es aber gelingt, die Stadt auf ein Drittel zu verkleinern, wäre Detroit eine grüne Stadt mit vielen Fahrradwegen.

Was können andere Städte von Detroit lernen?

Kullmann: In Detroit gibt es dieselben Probleme wie in Europa und anderen Ländern: Die Schere zwischen Arm und Reich geht auf, die Jugend ist arbeitslos. Gerade die Jüngeren haben aber keine Scheu mehr, mit Leuten, die aus anderen Schichten kommen, zusammenzuarbeiten. Das macht die Welt von beiden Teilen größer. Ich will nichts romantisieren, aber ich appelliere gegen die Statusangst, also die Angst, abzustürzen, denn sie macht die Welt noch ein bisschen feindlicher und neurotischer.

Zur Person: Katja Kullmann ist Essayistin und Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt erschien 2012 „Rasende Ruinen – Wie Detroit sich neu erfindet“. Sie verbrachte dafür ein Monat in der Stadt, die völlig pleite ist und daher mit Einwohnerschwund kämpft.

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