Arbeit bei Amazon kann krank machen

Arbeit bei Amazon kann krank machen

Rudersdorf im Südburgenland hat knapp über 2.000 Einwohner, und auf einen Schlag könnten hier knapp 2.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Ein Betriebsansiedler hat sich im Sommer in der strukturschwachen Gegend umgesehen, die Marktgemeinde hat sich vorsorglich eine Option für ein geeignetes Grundstück gesichert.

Direkt neben der künftigen Schnellstraße S7, zehn Hektar groß. Der Grund: Der Online-Händler Amazon war auf der Suche nach einem neuen Lagerstandort, und Rudersdorf kam offenbar dafür in Frage.

"Bisher ist unseres Wissens nichts entschieden“, sagt Bürgermeister Franz Eduard Tauss. In den vergangenen Wochen hat Amazon aber eine Reihe neuer Standorte in Osteuropa bekannt gegeben. In Brünn und Prag in Tschechien sowie in der Nähe von Polens Hauptstadt Warschau sollen 2014 neue Großlager eröffnen. Während Rudersdorf nur das Hoffen bleibt, können diese Städte jubeln. Amazon, das bedeutet gute Nachrichten in Krisenzeiten, Foto-Termine mit strahlenden Politikern und vor allem: Tausende Arbeitsplätze.

Allerdings bei einem Unternehmen, das stark in der Kritik steht - für seine Arbeitsbedingungen und Steuermoral.

Alles für den Kunden

Wie nahe Beliebtheit und Schelte für Amazon beeinander liegen können, zeigt sich gerade am Beispiel Deutschland, von wo aus Österreich beliefert wird. In seinem wichtigsten Auslandsmarkt stieg der Umsatz allein von 2011 auf 2012 um 60 Prozent. Die Imagewerte waren über Jahre top, und das hessische Bad Hersfeld, zum Beispiel, gab sieben Millionen Euro an Förderungen aus, um einer von neun deutschen Lager-Standorten zu werden. Dass Amazon durch ein gefinkeltes Geschäftsmodell in unserem Nachbarland trotz hoher Umsätze kaum Steuern bezahlt, störte lange niemanden. Jetzt hat die EU-Kommission die kreativen Steuerlösungen von Internetunternehmen zu ihrer Aufgabe gemacht. Der immer wieder aufflackernde Ärger von kleinen Unternehmen, die dem Preisdruck Amazons nicht nachgeben wollten, verpuffte wirkungslos. Eine Fernsehdokumentation über die skandalöse Unterbringung von Leiharbeitskräften hat zu Jahresbeginn zwar Politiker auf die Palme gebracht und an seinem Image gekratzt, doch der Erfolg des Unternehmens scheint anzuhalten: Als Amazon-Mitarbeiter am Montag in den Streik traten, äußerten sich etwa viele Kommentatoren verärgert über Twitter. Sie wollten nicht länger auf ihre Bestellung warten.

Denn Kunden lieben Amazon, vor allem wegen seiner Geschwindigkeit: Wer via Mausklick bestellt, kann meist schon am nächsten Tag ein braunes Päckchen in der Post erwarten. Damit das so gut und günstig funktioniert, hat das Unternehmen ein spezielles System ausgetüftelt. Computerprogramme haben den Überblick über Bestellungen, Ware, Lager, Logistik und sogar die Wetterbedingungen, die Lieferungen verzögern können. Sie ermitteln den idealen Ablaufplan. Lagermitarbeiter sind dann vor allem für zwei Dinge zuständig: So genannte "Picker“ suchen die Bestellungen zusammen, so wie ihnen das das Computerprogramm auf ihrer Scannerpistole vorgibt. "Packer“ machen das ganze versandfertig. "Jeder Arbeitsschritt ist genormt“, berichtet ein Mitarbeiter aus Bad Hersfeld. Für alles gibt es Regeln. Eine davon: Während der Arbeit wird nicht geredet.

Offiziell fordern die deutschen Mitarbeiter mehr Geld. Noch mehr als über die niedrigen Löhne wird weltweit allerdings über den hohen Druck gestöhnt.

Amazon sagt, die Sicherheitsanforderungen werden erfüllt und Mitarbeiter gewarnt, es könne anstrengend werden. Die Berichte von ehemalige Amazon-Leuten und Undercover-Journnalisten lesen sich dramatischer: "Wir sind Maschinen, wir sind Roboter“, beschreibt zum Beispiel Adam Littler seine Erfahrung. Für die britische BBC hat er seine Arbeit als "Picker“ mitgefilmt. Bis zu 20 Kilometer pro Schicht legen Picker durch die Lagerhallen zurück. Alle dreißig Sekunden sammeln sie ein Produkt ein, jeden Tag gibt es neue Produktivitätsziele - und sofortige Verwarnungen für jene, die dahinter zurückbleiben.

Aus dem größten französischen Amazon-Lager berichtet auch der Journalist Jean-Baptiste Malet über enormen Druck. Die Scannerpistole speichert nicht nur die Produktivität jedes einzelnen, sondern auch, wo sich er sich befindet. Die Daten sollen die Effizienz erhöhen - und Diebstähle verhindern. Vor und nach jeder Schicht werden die Mitarbeiter durchsucht. Bis zu 40 Minuten könne das laut Malet dauern. Zur Arbeitszeit zählt das nicht.

Der britische Stressforscher Michael Marmot sagt: "Diese Arbeit erhöht das Risiko von psychischen Krankheiten.“ Die physische Belastung ist ebenfalls groß und wird von Amazons Spardiktakt verschärft: Aus Bad Hersfeld gibt es Berichte von Frauen, die unter der Sommerhitze erschöpft zusammenbrachen, weil Klimaanlagen fehlen. Im französischen Montélimar führten im Winter 2011 erst Streiks dazu, dass die Heizung angestellt wurde.

Kostendruck und Verbesserungen

Keine Frage, die Konkurrenz im Handel ist hart. Amazon steht auch deshalb unter besonderer Beobachtung der Gewerkschaften, weil sie fürchten, dass solche Praktiken Schule machen. Denn trotz seiner Marktmacht steht auch Amazon unter Gewinndruck. Mögliche neue, strengere Steuerregeln in Europa, aber auch in den USA könnten in Zukunft den Gewinn weiter drücken. Auch Amazons Konkurrenz kann ein bisschen aufatmen: das Unternehmen darf Händler nicht mehr dazu zwingen, Produkte nirgends billiger als auf amazon.com anzubieten. Zunehmend begehren auch Markenartikler auf: Johnson & Johnson etwa verweigert Amazon, seine Medikamente zu verkaufen, weil auch abgelaufene Ware in den Handel kam.

Doch Amazon zeigt, dass es schnell lernt. In Deutschland etwa wird heuer erstmals Weihnachtsgeld ausgezahlt.

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