Andreas Vitásek: "Man wird nicht jünger und nicht schöner"

Andreas Vitásek: "Man wird nicht jünger und nicht schöner"

FORMAT : "Sekundenschlaf" ist Ihr zwölftes Soloprogramm. Was hat sich über die Jahre am meisten verändert?

Andreas Vitásek: Der Text ist für mich immer wichtiger geworden. Was soll ich noch viel herumhüpfen auf der Bühne? Man wird nicht jünger und nicht schöner. Die Zeiten, wo ich einen Salto im Programm hatte oder mit Bällen jongliert habe, sind vorbei. Das ist Ballast, den man abwerfen kann, um zum Wesentlichen zu kommen: Zu einer guten Geschichte. Ich war diesmal in der glücklichen Lage, viel mehr Material zu haben, als ich brauchen kann. Ich könnte 240 Minuten spielen, das wäre aber dann "Ben Hur“. Also habe ich versucht, das Wesentliche bei jeder Geschichte herauszuarbeiten, die Essenz.

Hat Sie die Muse diesmal so intensiv geküsst?

Vitásek: Die Muse lässt sich nicht einplanen, die küsst, die küsst nicht, die geht vorbei, die winkt, aber man muss zumindest da sein, wenn sie küssen will, dann sollte man bereit sein und die Zähne geputzt haben: Aber Garantie gibt es nicht. Drei Monate vor Premierenbeginn verordne ich mir daher Bürostunden: 11 bis 16 Uhr. Wenn man Pech hat, starrt man da nur Löcher in die Luft. Ich habe während der Vorbereitung zu den letzten Programmen immer noch Dreharbeiten oder Theaterproben gehabt, diesmal habe ich meinen Hauptberuf nicht geschwänzt und konnte mich gut konzentrieren.

Ihr Alltags-Management mit Patchwork-Family - drei Kinder von drei Frauen - war immer wieder Programm-Thema. Seit Mai sind Sie auch Großvater und pendeln mit Familie und Hund zwischen Wien und dem Südburgenland. Das aktuelle Plakatsujet zeigt Sie als Engerl: Ist die ehemalige Szenefigur Vitásek so brav geworden oder die Angst vor dem Alter so dominant?

Vitásek: Da ist alles mit drinnen. Dieses Engerl ist ja ein Zitat auf die bekannten Raffael-Engel, die ein Protest vom Künstler gegen den Papst waren. Engel haben ja immer etwas zu tun gehabt - Wolken schieben usw. Raffaels Bild ist ein Statement für Entschleunigung. Er zeigte das erste Mal in der Kunstgeschichte Engel, die nur herumlümmeln.

Obwohl der Titel "Sekundenschlaf“ auch ein bisschen an einen Autounfall gemahnt …

Vitásek: Bei mir geht es auch um den positiven Sekundenschlaf, das Powernapping, das kurze Weggleiten und Dösen, wie beim Theaterschlaf - bei einem Nickerchen in einer mehrstündigen Wiener Festwochen-Produktion ist mir auch der Titel eingefallen. Es geht um den Zwischenbereich, das brüchige Eis der Realität. Diese Metaebene hat mich in meinen Programmen immer schon interessiert, mehr als das Tagespolitische.

Und Selbstironie war Ihnen immer wichtiger als Tabubruch. Sie haben in Ihren Programmen Probleme der Spät-68er-Generation bis zu jenen der Generation "Supradyn 50plus“ aufgearbeitet …

Vitásek: Was wiederum durchaus sehr politisch ist. Politik ist ja nicht nur das den Zeitungskommentaren Hinterherhecheln. Kabarett muss die Realität nicht toppen, kann sie aber kritisch abbilden, was bei mir vorkommt: Ich erzähle von mir selbst in Bezug auf eine Welt, die sich immer schneller dreht, mit immer schnelleren Erneuerungen - und stelle mir die Frage: "Wie halte ich in meinem Alter Schritt?“ Da wird nichts kaschiert. Ich versuche auch einen neuen Mann-Typus zu skizzieren. Es gibt etwa eine Nummer, in der ich dem Woody Allen vorwerfe, dass er ein Männerbild geschaffen hat, das eine ganze Generation in die Irre geleitet hat: Nämlich die Annahme, dass irgendwelche neurotischen, schusseligen Verlierertypen totalen Erfolg bei jungen Frauen haben können - was sich natürlich nicht ausgeht. Bis man auf diesen Irrtum draufkommt, sind Legionen von Frauen vorbeimarschiert. Deshalb plädiere ich in dieser Nummer für ein neues Männerbild.

Sie sind 57 Jahre, heute gilt ja: 50 ist das neue 40 …

Vitásek: Man hält ja nicht immer Schritt mit all den Vorgaben. Mir macht das aber immer weniger Probleme. Ich habe auch diesen Sportwahn nicht mehr. Während ich im Sommer geschrieben habe, habe ich ordentlich zugenommen, weil ich nicht Tennis gespielt habe. Aber was ist passiert? Mir tut nichts mehr weh. Kein Knie, kein Kreuz. Es geht mir wunderbar. Das Alter spielt natürlich im Programm eine große Rolle. In Zeitungsartikeln steht jetzt hinter jedem Namen gleich die Altersangabe in Klammer dahinter. Was bringt das? Ich plädiere vor allem bei Selbstmordattentätern für ein Mindestalter von 65 Jahren und für die allgemeine Wehrpflicht ab 65. Das würde auch Fragen der Pensionsvorsorge lösen. Aber im Programm geht es auch um meine Beziehung zu Tieren, zu meinem Hund und zu meiner griechischen Landschildkröte namens Messi. Es kommen auch Geschichten über die Einstellung des Brockhaus vor und über den chinesischen Fluch "Mögest du in interessanten Zeiten leben“, dann natürlich was über die NSA und die "stupid economy“, wo sich im Vergleich zu Genussscheinen und Immofinanz-Aktien zeigt, dass der Lottoschein wohl das Wertpapier mit der realistischsten Chance ist.

Künstler nehmen im aktuellen Wahlkampf zur Politik kaum Stellung, aber auch die Politik interessiert sich kaum für die Künstler …

Vitásek: Künstler decken keinen großen Querschnitt der Bevölkerung ab, sind vielen Leuten suspekt und den Politikern selbst unheimlich. Es gibt auch immer weniger Quereinsteiger aus der Kunst in der Politik. Aber der prinzipielle Argwohn von Kunst und Politik schadet der Kunst auf keinen Fall. Ich hab es bis jetzt auch geschafft, in keinem Personenkomitee zu sein.

Neben den "Staatskünstlern" haben alle Kollegen ihr Programm eher privatisiert. Warum gibt es kaum politisches Kabarett in Österreich?

Vitásek: Weil die geeigneten Texter und Protagonisten rar sind. Das Genre und das Thema wären durchaus aktuell, das sieht man in Deutschland an Leuten wie Georg Schramm, Bruno Jonas oder Sigi Zimmerschied, das ist direktes politisches Kabarett. Da herrscht bei uns ein Vakuum. Auf dem Feld wäre noch einiges zu tun, vorausgesetzt es bringt jemand den Willen und das Talent dafür mit.

Im ORF sind Sie aktuell einmal im Monat in "Was gibt es Neues“ zu sehen, die Wiederholung der Serie "Vitásek!“ brachte gute Quoten. Gibt es auch neue Projekte?

Vitásek: Aktuell gibt es keine Anfragen. Aber ich mach mir da keinen Stress. Man muss halt manchmal am Ufer sitzen und warten, bis die Leichen der Feinde vorbeischwimmen. Nur beim ORF schwimmen immer wieder dieselben Leichen vorbei. Da frage ich mich schon: wer fischt die unten raus und haut die oben wieder rein?

Haben Sie als Kabarettist eine Art Mission?

Vitásek: Die Leute sollen sich gut unterhalten. Man kann von den Leuten nicht mehr verlangen, als dass sie Eintritt zahlen, die Handys abdrehen und nicht laut mitreden. Die Illusion, dass einer verändert raus geht, habe ich nicht, aber man kann Solidarität zeigen und Mut geben. Oft fühlt man sich doch sehr allein mit Problemen. Und da tut es gut zu sehen, dass da oben auf der Bühne einer mit denselben Problemen steht. Ich bin ein sehr durchschnittlicher Mensch. Das ist vielleicht meine Stärke. Vieles was mich betrifft, betrifft auch alle anderen.

Was garantiert Vitásek heute?

Vitásek: Vitásek garantiert Vitásek. Man verändert sich nicht wirklich, man wird nur älter. Das ist schon mehr Veränderung als einem lieb ist.

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Rabenhof – Sekundenschlaf

Eine Navigationshilfe zwischen Himmel und Hölle, Mann und Frau, Mensch und Tier - Aktuell erprobt Andreas Vitásek die Finessen seines neuen Kabarettprogramms in Einspielvorstellungen in Tirol. Wien-Premiere ist am 8. 10. im Rabenhof Theater, 20 Uhr.

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