Alltägliche Folter und sexuelle Gewalt in Südafrika

Alltägliche Folter und sexuelle Gewalt in Südafrika

Nachdem sich am Dienstag im Township Diepsloot die Details des Verbrechens wie ein Lauffeuer verbreitet hatten, wütete der Mob. Kommunale Einrichtungen wurden beschädigt, Brände gelegt, Barrikaden errichtet. "Wir sind wütend, Eltern sind verängstigt, aber die Polizei ignoriert uns", begründete Gemeinderat Masechaba Tsimo die Ausschreitungen in lokalen Blättern.

Präsident Jacob Zuma äußerte sich "entsetzt" und "schockiert" über die "grauenhaften Vorfälle extremer Folter". Dabei gehört Gewalt gegen Kinder seit Jahren zum Alltag am Kap. Offizielle Statistiken zeigen, dass durchschnittlich jeden Tag drei Kinder in Südafrika getötet werden. Erst vor wenigen Wochen war ebenfalls in Diepsloot die Leiche eines fünfjährigen, missbrauchten Mädchens im Müll gefunden worden.

Anfang September wurde im Township Kathlehong ein vierjähriges Mädchen, tot und halbnackt, an einem Baum aufgehängt gefunden. Ein 25-Jähriger wurde im August in Johannesburg wegen der Vergewaltigung eines vier Monate alten Mädchens verhaftet. Und ein 32-Jähriger ist angeklagt, im Juli in Veres (Westkap) einen Siebenjährigen und das vier Monate alte Baby, das er auf dem Arm trug, vergewaltigt zu haben.

"Gewalt gegen Kinder gibt es überall in der Welt, allein das Ausmaß bei uns ist erschreckend", meint Prof. Cathy Ward (Universität Kapstadt). Gemeinsam mit Kollegen soll nun im Regierungsauftrag wissenschaftlich der Hintergrund ausgeleuchtet werden, warum - neben der verheerenden Gewalt gegen Frauen - auch viele Kinder Opfer von Verbrechen werden. "Bisher gibt es zu wenige Zahlen, kaum Untersuchungen", klagt Ward.

64.000 Anzeigen wegen sexueller Gewalt pro Jahr

Das Land hat seit langem eine traurige Spitzenposition in der Welt, wenn es um Gewalt und Vergewaltigungen geht. Die Friedrich-Naumann-Stiftung in Südafrika spricht in einem Papier von einem "unfassbaren Ausmaß der Kultur sexueller Gewalt". Jährlich werden etwa 64.000 Anzeigen wegen sexueller Gewalt registriert - etwa zehnmal so viel wie in Deutschland, das aber mit 82 Millionen mehr Einwohner als Südafrika (51 Millionen) hat. Frauenverbände in Südafrika schätzen die Dunkelziffer bei sexueller Gewalt auf das 10-bis 25-fache der offiziellen Zahlen.

Fast die Hälfte aller Opfer sind demnach minderjährig. Oft sind Familienangehörige und Lehrer die Täter. Fast 500 von 1.500 befragten Schulkindern im Township Soweto erklärten laut dem Gesundheitsinstitut "Medical Research Council" (MRC), dass ihre erste sexuelle Erfahrung erzwungen worden sei. Bei einer anderen MRC-Umfrage sagte 2010 jede vierte Frau, sie sei schon einmal vergewaltigt worden.

Es gebe ein ganzes Bündel von Ursachen für die Gewaltkultur, betont Ward. Auf der Gesellschaft laste das Erbe des rassistischen Apartheidsystems. Die Frustration alltäglicher Demütigungen hätten viele schwarze Männer an ihren Familien ausgelassen. Heute erlebten Millionen in den Townships angesichts hoher Arbeitslosenzahlen Armut und Hoffnungslosigkeit. Krasse soziale Gegensätze, Drogen und "das schockierend schlechte Bildungssystem" verschlimmerten die Perspektiven der Armen. Hinzu kämen "tief patriarchalische Strukturen", in denen Frauen und Kinder leicht Opfer von "Männern ohne jede Hoffnung" würden.

"Männer vergewaltigen, weil sie niemand daran hindert"

Wissenschafter sind sich einig, dass auch zerrüttete Familien in Südafrika Hintergrund der Gewalt sind. Millionen Kinder sind in dem Land mit einer enorm hohen HIV-Rate Waisen oder Halbwaisen. Laut einer Studie des Politikinstituts SAIRR wachsen etwa 70 Prozent der schwarzen Kinder ohne Vater auf.

Die Führerin der Oppositionspartei DA, Helen Zille, warnt aber davor, vor allem Armut und Elend für sexuelle Gewalt verantwortlich zu machen. Das sei eine Beleidigung von Millionen armer Südafrikaner, die Gewalt und Verbrechen verabscheuten. Um die Gewaltkultur zu verändern, müssten vor allem die Männer gezwungen werden, volle Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen. Denn Frauenorganisationen klagen, dass vermutlich nur jeder 200. Vergewaltiger in Südafrika letztlich vor ein Gericht komme und auch verurteilt werde. "Männer vergewaltigen, weil sie niemand daran hindert", meinte Zille.

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