"Die Zeiten sind nicht rosig für die Hotellerie"

"Die Zeiten sind nicht rosig für die Hotellerie"
"Die Zeiten sind nicht rosig für die Hotellerie"

Franz Hartl, Geschäftsführer der Österreichischen Tourismusbank (ÖHT), sieht große Herausforderungen auf die heimische Hotellerie zukommen.

Die Tourismusbranche ist im Umbruch. Rekordnächtigungszahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Hotellerie durch Online-Plattformen wie Airbnb eine neue, starke Konkurrenz bekommen hat. Klassische Konzepte reichen oft nicht mehr aus. Franz Hartl, Geschäftsführer der Österreichischen Tourismusbank, beklagt im Interview, dass zu wenig in mutige Projekte investiert wird. Die anstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer, die Krise in Russland, der Investitionsdruck und die geringe Größe vieler Betriebe erschweren es, erfolgreich zu wirtschaften.

FORMAT: Was bereitet dem Tourismus derzeit die größten Probleme?
Franz Hartl: Die Zeiten sind nicht rosig für die Hotellerie, auch wenn immer von "Rekordnächtigungszahlen" die Rede ist. Zwar hat die Auslastung der Hotelzimmer die Wirtschaftskrise gut überstanden, aber es ist der Branche nicht gelungen, die eigenen Kosten auf die Preise umzulegen. Die Energiekosten sind im Zeitraum von 2004 bis 2014 von 4,6 auf 5,2 Prozent gestiegen, das hat an den Erträgen genagt. Ein immer größerer Teil des Umsatzes fließt darüber hinaus in den Internetauftritt und Social Media. Unterm Strich bleibt den Hotels daher immer weniger übrig: Von 2004 bis 2014 stiegen die Anlagevermögen um 67, der Umsatz um 58 und das GOP, die Einnahmen über die laufenden Kosten, pro Zimmer um 37 Prozent. Diese Schere geht immer weiter auseinander. Und Preisvergleichsportale im Internet wie Tripadvisor.com oder Booking.com führen zu Kampfpreisen.

FORMAT: Stichwort Sharing Economy: Wie sehen sie Airbnb in diesem Umfeld?
Hartl: Airbnb ist eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Hotellerie. Private Wohnungen sind für viele Gäste attraktiver, man ist dem Land und den Menschen viel näher und es ist oft preiswerter. (Anm.: Lesen Sie dazu auch den Artikel: "Airbnb: Vermieter im Visier der Finanz") Diesen Trend darf man nicht vernachlässigen. Ein 0815-Zimmer ist nicht mehr das, was der Gast sucht. Je individueller, desto spannender ist ein Hotel. Gute Beispiele in Wien sind etwa das Hotel Daniel oder das 25Hours Hotel.

FORMAT: Wie wirkt sich die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes von zehn auf 13 Prozent ab 2016 auf die Hotellerie aus?
Hartl: Alleine die Ankündigung der Erhöhung hat sich dämpfend auf die Branche ausgewirkt, das drückt enorm auf das Ergebnis. Aufgrund der internationalen Konkurrenzsituation können die Hotels die Preise nicht einfach um drei Prozent anheben. Das EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) betrug 2004 2,3 Prozent, 2014 lag es bei zwei Prozent. Die Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozent wird das EGT auffressen.

FORMAT: Werden sie die Erhöhung auf die Hotelgäste umwälzen?
Hartl: Ich glaube nicht, dass es so einfach ist, aber eine Preisanhebung von ein bis zwei Prozent ist ohnedies schon aus Inflationsgründen erforderlich. Aus Mehrwertsteuer-Gründen wird es zu einer weiteren Anhebung kommen müssen, die allerdings nicht die gesamte Mehrwertsteuer umfassen wird. Ein Teil wird von den Unternehmen geschluckt werden müssen.

FORMAT: Die Zinsen sind nach wie vor sehr niedrig. Was passiert, wenn das Zinsniveau wieder steigt?
Hartl: Von 2004 bis 2014 nahm der Anteil des Umsatzes der für die Zinstilgung aufgewendet werden muss von sechs auf rund fünf Prozent ab. Jetzt sind die Hotels im grünen Bereich, aber wir haben eine Prognose gemacht: Wenn die Zinsen um zwei Prozent steigen, befinden sich sowohl Drei- als auch Vier-Sterne-Hotels in der Problemzone.

FORMAT: Im Schnitt gibt es rund 45 Betten pro Betrieb. Ihrer Meinung nach zu wenig?
Hartl: Wir hatten Ende 2014 im Schnitt 46 Betten pro Betrieb in allen Kategorien. 2004 waren es 43 Betten - das ist nicht gerade ein Knaller. Der EU-Schnitt liegt bei 57 Betten, große Ketten haben durchschnittlich 200 Betten. Österreich entwickelt sich ganz langsam in die richtige Richtung. Denn Geld verdienen lässt sich nicht mit einem Hallenbad oder einem Saunabereich, sondern mit der Anzahl der Betten. Die Zahl der Unternehmen ist kleiner geworden, dafür ist die Größe der Betriebe gewachsen. Der Trend geht zu größeren Hotels.

Zahl der Betten und Unternehmen
2004 2014 Veränderung in %
Anzahl der Unternehmen der Hotellerie 14.063 12.425 -12%
Betten in der Hotellerie 605.700 573.600 -5%
Durchschnittliche Betten in der Hotellerie/Betrieb 43 46 +7%
Quelle: ÖHT

FORMAT: Rentiert es sich für Hotels, ganzjährig offen zu haben oder ist es besser, in der Nebensaison zuzusperren?
Hartl: In Zürs zum Beispiel macht eine Sommersaison keinen Sinn. Die Zahl der Touristen reicht nicht, um alle Kapazitäten zu füllen. Man muss sich als Hotel die Frage stellen, ob es sich noch auszahlt, einen Monat länger geöffnet zu haben. Letztlich muss das GOP positiv sein. Am Wörthersee gibt es etwa sehr mutige Betriebe, die zwei bis drei Monate im Winter offen hatten. Wieso schaffen wir es in Österreich nicht, den Herbst zu einer Hauptsaison zu machen? In Südtirol ist das gelungen, bei uns fehlt die Tradition.

FORMAT: Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und der schwache Rubel ließ die Nächtigungen russischer Gäste in Österreich um 30 Prozent einbrechen. Können dies Gäste aus anderen Ländern kompensieren?
Hartl: Der russische Marktanteil ist nicht sehr groß, es hat natürlich trotzdem Auswirkungen. Ein Skihotel mit einem Anteil russischer Gäste von 30 Prozent bekommt das Fernbleiben schmerzlich zu spüren. Allerdings gleicht ein Plus von zwei Prozent mehr deutscher Gäste das Fernbleiben der Russen aus. Schweizer Gäste - sie machen zusammen mit den Gästen aus Liechtenstein rund 3,5 Prozent aus - kommen vermehrt, weil der Franken so stark ist. Und es kommen vermehrt US-Amerikaner, weil der Dollar gegenüber dem Euro sehr stark ist.

FORMAT: In letzter Zeit häufen sich Großinsolvenzen bei österreichischen Hotels. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?
Hartl: Die Gründe sind sehr individuell. Die Pleite des "For Friends Hotel" in Telfs war eine reine Baupleite, die Kosten wurden überzogen und die das Projekt war nicht ausfinanziert. Das Sanotel in Bad Gastein hingegen ist ein sehr altes Hotel, dessen Besitzer versäumt haben, zu reinvestieren. Im Grunde gibt es aber immer Insolvenzen. Von 100 Tourismusbetrieben werden jedes Jahr ein bis 1,5 Prozent insolvent. Ich sehe das nicht so tragisch. Oft handelt es sich dabei um Restaurantpleiten. Hotelleriepleiten sind in der Regel vom Volumen her sehr klein. Das Volumen einer durchschnittlichen Pleite in der Gesamtwirtschaft beträgt rund 890.000 Euro, in der Gastwirtschaft sind es 310.000 Euro. Drei Pleiten in der Gastwirtschaft machen somit erst eine Pleite in der Gesamtwirtschaft aus.

FORMAT: Was können oder müssen Hotel heute tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
Hartl: Die Konkurrenzfähigkeit in den einzelnen Bereichen ist sehr unterschiedlich. WLAN ist selbstverständlich. Die Frage nach einer Klimaanlage wird immer wichtiger, vor allem bei solchen Hitzeperioden wie heuer. Die Karten werden aber neu gemischt, durch den Klimawandel ist der Winter benachteiligt. Denn in der kalten Jahreszeit sind 75 Prozent der Nächtigungen schneesportbedingt und einige davon, etwa Gebiete unter 1500 Meter Seehöhe, sind gefährdet, weil es noch zu wenige Einrichtungen gibt, die vom Schnee unabhängig sind. Im Sommer wird der Vorteil der Mittelmeerländer sinken, weil die Hitze unerträglich sein wird und die Gäste in die kühleren Bergregionen flüchten. Außerdem sollten künstliche geschaffene Einrichtungen wie der Wellness-Bereich up to date sein. Ein zehn Jahre altes Hallenbad muss erneuert werden. Unverzichtbar ist ein benutzerfreundlicher Webauftritt, vor allem die mobile Darstellung der Website, am besten noch barrierefrei. Der Service steht im Mittelpunkt.

FORMAT: Die ÖHT fördert doch auch Jungunternehmer aus der Tourismusbranche.
Hartl: Die Jungunternehmerförderung wird gut nachgefragt, die großen Investitionen bleiben aber aus. Man muss wissen, dass die Tourismusbank nur einen Teil finanziert. 2014 haben wir 800 Millionen Euro an Förderungen vergeben, das waren rund eintausend Projekte. Das Problem der Branche ist aber: Zurzeit wird nur repariert, statt in mutige Dinge zu investieren.

Zur Person

Franz Hartl, geboten 1952, ist Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT), einer Spezialbank zur Finanzierung und Förderung von Investitionen im Tourismus. Hartl gilt als Experte im Bereich Investitionen und Finanzierung. Er schreibt auch auf dem Blog der ÖHT.

Bonität

Designer muss nach Privatkonkurs nur 10 Prozent zurückzahlen

Bonität

Kreditversicherung schützt vor Zahlungsausfall

Teakholz-Plantage der TEAK HOLZ INTERNATIONAL AG

Bonität

Teak Holz zieht Sanierungsplan zurück - jetzt Konkursverfahren