Zahl der Insolvenzen in Europa geht weiter zurück

Zahl der Insolvenzen in Europa geht weiter zurück

Eine Filiale der Pleite-Bank "Banco Madrid": In Spanien gingen die Insolvenzen im ersten Halbjahr 2015 um 25 Prozent zurück.

Der Trend rückläufiger Insolvenzzahlen ist nicht nur in Österreich zu beobachten: In Westeuropa sowie in den mittel- und osteuropäischen Ländern gibt es 2014 laut KSV1870 weniger Insolvenzen als im Vorjahr. Allerdings täuscht das Bild, denn sobald die Wirtschaft mehr an Dynamik gewinnt, steigen auch die Zinsen und somit auch die Zahl der Pleiten.

Die Zahl der Insolvenzen in Westeuropa geht weiter zurück: 2014 sind die Zahlen im Vergleich zu 2013 um 5,5 Prozent zurückgegangen, das zeigt die Internationale Insolvenzstatistik des KSV1870. In den ersten sechs Monaten 2015 setzte sich dieser Trend sogar fort, wenn auch etwas abgeschwächt mit 4,1 Prozent. Noch stärker gefallen sind die Zahlen in Mittel- und Osteuropa mit einem Minus von 8,3 Prozent - allerdings weisen die Länder größere Unterschiede untereinander auf. Ursache für die sinkenden Insolvenzzahlen ist das niedrige Zinsniveau.

Am stärksten zurückgegangen sind die Zahlen in den Ländern, die unter der Finanzkrise 2008 am meisten gelitten haben. Spanien weist ein Minus von 25 Prozent im ersten Halbjahr 2015 auf (2014: -29 Prozent), in Irland gingen die Zahlen um 19 Prozent zurück, nach 15 Prozent Minus im vergangenen Jahr.

Insolvenzen sind zwar ein Spiegel der Wirtschaft, dennoch hinken sie der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung mindestens ein halbes Jahr hinterher. Setzt etwa ein konjunktureller Aufschwung ein, kann gleichzeitig auch die Zahl der Insolvenzen steigen. Denn oftmals halten sich Unternehmen bis zum Ende einer Krise über Wasser. Danach geht ihnen aber die Luft aus und sie können am Aufschwung nicht mehr teilnehmen.

Ausreißer Dänemark

Weniger spektakuläre Zahlen kann etwa Exportweltmeister Deutschland vorweisen: In der Bundesrepublik gibt es ein Minus von 3,9 Prozent (-7,3 Prozent 2014). Unter den westeuropäischen Ländern tanzt einzig Dänemark mit einem satten Plus von 28 Prozent aus der Reihe. Grund hierfür ist vermutlich eine Novelle des Insolvenzrechts im vergangenen Jahr.

In der CEE-Region gibt es im Gegensatz zu Westeuropa starke Unterschiede zwischen den Ländern. Während große Volkswirtschaften wie Rumänien und Bulgarien deutliche zweistellige Rückgänge zu verzeichnen haben, gibt es in Ländern wie Tschechien (+15 %), Slowenien (+44 %) und der Slowakei (+3,0 %) Zuwächse. In Ungarn legten die Pleiten um knapp 30 Prozent zu: Das Land hat in den vergangenen Jahren laut KSV1870 ausländische Investoren abgeschreckt.


Insolvenzen hinken der Wirtschaftsentwicklung ein halbes Jahr hinterher

Der Blick über den großen Teich zeigt ein ähnliches Bild: Die USA als eine der größten Volkswirtschaften der Welt haben ebenso rückläufige Zahlen. 2014 gingen die Insolvenzen um 18,8 Prozent zurück, im ersten Halbjahr 2015 bereits um 13,7 Prozent. Die USA profitieren im Gegensatz zur EU von einem fast doppelt so hohem Wirtschaftswachstum und sinkenden Arbeitslosenzahlen. Der Internationale Währungsfonds erwartet für die USA heuer ein Wachstum von 2,6 Prozent, 2016 soll es auf 2,8 Prozent leicht ansteigen. Auch Japan meldet rückläufige Insolvenzzahlen: Von Jänner bis Juni gingen die Insolvenzen um 7,5 Prozent auf 4.400 zurück.

Trend rückläufiger Zahlen auch 2016

Auch im kommenden Jahr dürften die Insolvenzzahlen weiter fallen. Grund hierfür sind einmal mehr die historisch niedrigen Zinsen, die noch einige Zeit auf dem gegenwärtigen Niveau verbleiben dürften. Außerdem wirken sich die niedrigen Energiepreise - allen voran der tiefe Ölpreis - positiv aus. Das ist nicht unbedingt ein Grund zum Jubeln, denn sobald das Wachstum wieder anspringt und die Zinsen auf ein "normales" Niveau steigen, wird auch die Zahl der Insolvenzen wieder anziehen.

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