Wiens Durchschnittsschuldner mit rund 40.000 Euro in der Kreide

Wiens Durchschnittsschuldner mit rund 40.000 Euro in der Kreide

Arbeitslosigkeit, falscher Umgang mit Geld und ehemalige Selbstständigkeit sind die Hauptgründe für Privatkonkurs. Die Schuldnerberatung gibt es seit 25 Jahren. Eine Bilanz.

Der durchschnittliche Wiener Schuldner, der Hilfe in der Schuldnerberatung sucht, steht mit rund 40.000 Euro in der Kreide und hat ein monatliches Einkommen zwischen 800 und 1.300 Euro, legte die Einrichtung anlässlich ihres 25-Jahr-Jubiläums am Donnerstag in einer Pressekonferenz dar. Zu den häufigsten Gründen für die finanzielle Misere zählen Arbeitslosigkeit, der falsche Umgang mit Geld sowie ehemalige Selbstständigkeit.

18.700 Privatkonkurse in 25 Jahren begleitet

Bisher habe die Einrichtung 18.700 Privatkonkurse begleitet, zog der Geschäftsführer der Schuldnerberatung, Alexander Maly, Bilanz. Der Gesamtschuldenstand, der verwaltet worden sei, habe sechs Milliarden Euro betragen. Weiters seien knapp 80.000 Menschen beraten worden, davon 57 Prozent Männer. Fast die Hälfte der Klienten hat nur einen Pflichtschulabschluss.

Im Vorjahr haben laut AMS-Wien-Chefin Petra Draxl rund 9.000 Personen bei der Schuldnerberatung Rat gesucht, davon seien mehr als 4.000 direkt vom AMS zugewiesen worden. "Der Verlust des Arbeitsplatzes und des Einkommens ist einer der häufigsten Gründe für Verschuldung - und zugleich machen es die Schulden sehr schwer, wieder ins Erwerbsleben zurückzukehren", berichtete sie. Man habe gesehen, dass Betroffene keine Motivation mehr hätten, eine Arbeit anzutreten, wenn das Einkommen in der Schuldentilgung aufgehe anstatt dass sich der Lebensstandard verbessere.

Aneinanderreihung kleiner Fehlentscheidungen als Ursache

Neben Arbeitslosigkeit und ehemaliger Selbstständigkeit zählt vor allem der falsche Umgang mit Geld zu den Gründen für Überschuldung - wobei: "Es gibt nicht eine Ursache, sondern vielmehr eine Aneinanderreihung von kleinen Entscheidungen", so Maly. Im Grunde werde mehr ausgegeben als eingenommen: "Die Wohnung wird zu teuer eingerichtet, das Auto zu groß gekauft, ein zu teures Smartphone."

Wer keine Erfahrung im Umgang mit Geld hat und auch kein (familiäres) Umfeld, das finanziell aushilft, dem droht schließlich, in der Schuldenfalle zu landen. Auch mithilfe der Schuldnerberatung ist die Problematik aber nicht leicht zu lösen, denn: "Rund die Hälfte kann ihre Schulden nur regeln, in dem sie Beträge aus dem Unpfändbaren, also dem Existenzminium, leisten."

Privatverschuldung liegt bei 47 Prozent des BIP

Laut Maly ist zwar die Zahl der Privatkonkurse gesunken, doch dies bedeutet keine Entspannung. Denn vielmehr sei der Schuldenstand im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) gestiegen. Die Gesamtverschuldung der privaten Haushalte habe 2001 bei 28 Prozent des BIP gelegen, im Vorjahr waren es 47 Prozent.

10-Prozent-Mindestquote bei Privatkonkur

Grund dafür ist, dass die Betroffenen aufgrund der rechtlichen Situation, die für einen Privatkonkurs eine 10-Prozent-Mindestquote vorsieht, keine Entschuldung "zusammenbringen". Aus diesem Grund fordert er eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Bleiben diese gleich, so rechnet Maly weiterhin mit einer sinkenden Beratungsnachfrage. Sollte es zu einer Reform des Privatinsolvenzverfahrens kommen, dann rechnet er mit einem "Boom" für die Beratungsstellen. Dieser sei aber bewältigbar, versicherte er.

Monatlich 500 bis 700 Neuanmeldungen

Die Wiener Schuldnerberatung ist eine staatlich geprüfte, gemeinnützige Einrichtung. Dort wird kostenlose Beratung für in der Bundeshauptstadt wohnende Privatpersonen angeboten. Die Finanzierung erfolgt über Mittel des Fonds Soziales Wien (FSW), des AMS Wien und der Stadt Wien. "Es werden monatlich 600 bis 700 Neuanmeldungen verzeichnet", berichtete Gemeinderatsmandatar Kurt Wagner (SPÖ), Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Soziales.

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