Rückgang bei Firmenpleiten, Anstieg bei Privatkonkursen

Rückgang bei Firmenpleiten, Anstieg bei Privatkonkursen
Rückgang bei Firmenpleiten, Anstieg bei Privatkonkursen

In Österreich gab es im ersten Halbjahr um 10 Prozent weniger Firmeninsolvenzen. Grund zum Jubeln ist es jedoch keiner. Die "Ring-Brot"-Pleite war die bislang größte des Jahres.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im ersten Halbjahr leicht gesunken. Für den Insolvenzexperten Hans-Georg Kantner des KSV1870 ist das aber nur eine "vermeintlich gute" Nachricht. Der Rückgang sei ein Zeichen der wirtschaftlichen Inaktivität. Die Zahl der Privatkonkurse ist gestiegen, doch der Weg ins Schuldenregulierungsverfahren habe "hohe Erfolgsaussichten".

Hans-Georg Kantner, Insolvenzexperte von KSV1870, hat eine "vermeintlich gute" und eine "vermeintlich schlechte" Nachricht. Die vermeintlich gute zuerst: Die Unternehmensinsolvenzen gingen im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,3 Prozent zurück - ein Trend nach mehreren rückläufigen Jahren. Insgesamt gab es in den ersten sechs Monaten des Jahres 2.537 Unternehmensinsolvenzen. Die geschätzten Verbindlichkeiten sanken um 25,8 Prozent von 1,09 Milliarden Euro auf 811 Millionen Euro - was den Trend zu kleineren Insolvenzfällen sehr deutlich zeigt. Die Insolvenzen betrafen auch weniger Dienstnehmer: Ihre Zahl ging um 22,1 Prozent von 11.300 auf 8.800 zurück.

Die statistischen Zahlen klingen positiv, doch Kantner relativiert sie. Die Insolvenzzahlen würden die Wirtschaft widerspiegeln: Je dynamischer die Wirtschaft, desto mehr Insolvenzen kommen vor. "Wir haben eine Zeit ohne nennenswertes Wachstum und mit niedrigen Zinsen", so Kantner. So niedrige Zinsen gestatten auch hoch verschuldeten Unternehmen ein Weiterwirtschaften, da die Zinslast erträglich ist. "Der Rückgang ist ein Zeichen für Inaktivität und mangelnde Dynamik." Sobald die Zinsen wieder ansteigen, würde es zu einem Nachholeffekt kommen, so Kantner.

KSV1870 Insolvenzstatistik 1. Halbjahr 2015

2015 wird es weniger Pleiten als im Vorjahr geben

Weniger Insolvenzen gibt es grundsätzlich in allen Bundesländern, die stärksten Rückgänge verzeichnen aber Vorarlberg (-34,8%) und Tirol (-34,7%), die schwächsten Rückgänge haben Wien (-4,2%) und Niederösterreich (-3,2%). "Keine Überraschungen" sind laut Kantner die betroffenen Gewerbe: Die meisten Insolvenzen gibt es in der Baubranche (467), der Gastronomie (417) und bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (373).

Die Millionen-Pleite der Bäckereigruppe "Ring" mit acht beteiligten Unternehmen ist mit rund 41 Millionen Euro die mit Abstand größte Pleite im ersten Halbjahr. Davon sind rund 500 Mitarbeiter und 1.000 Gläubiger betroffen. Die Insolvenz der Hanlo Fertigbau GmbH in Graz war mit 22,2 Millionen Euro die zweitgrößte Pleite. Auf Platz Drei liegt die Insolvenz der Gloriette Bekleidung mit 15,2 Millionen Euro. Das Tiroler 5-Sterne-Hotel "For Friends" schlitterte mit 15,1 Millionen Euro in die Pleite und belegt Platz vier.

Für das Gesamtjahr 2015 prognostiziert Kantner aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen und dem geringen Wirtschaftswachstum einen weiteren Rückgang. "Das Jahr 2015 wird spürbar unter den Zahlen von 2014 liegen", so Kantner.

Privatkonkurse seit mehreren Jahren erstmals im Steigen

Im Gegensatz zu den Unternehmensinsolvenzen ist die Zahl der Privatkonkurse im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 um 5 Prozent angestiegen - für Hans-Georg Kantner die "vermeintlich schlechte" Nachricht. Denn: "Gerade für Private ist das nicht der Beginn der Zahlungsunfähigkeit, sondern der Rehabilitation. Die meisten Konkursverfahren wurden von den Schuldnern selbst beantragt, das bedeutet auch für den Gläubiger eine gewisse Sicherheit", so Kantner. Der Weg in das Schuldenregulierungsverfahren habe "hohe Erfolgsaussichten".

Im ersten Halbjahr wurden 4.459 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Eine Kehrtwende, da seit mehreren Jahren die Zahlen der Privatkonkurse in Österreich rückläufig war. Die Schulden stammen bei etwa 30 Prozent aus ehemaliger unternehmerischer Tätigkeit. Daher handelt es sich hierbei oft um sechsstellige Beträge, fallweise sogar um Millionen. 70 Prozent stammen von wirklich Unselbstständigen mit einer durchschnittlichen Pro-Kopf-Verschuldung von etwa 55.000 Euro. Der Medianwert der "echten" Privatkonkurse liege aber deutlich niedriger, nämlich bei 33.000 Euro pro Kopf

Die Zahl der Privatkonkurse verteilt sich uneinheitlich über die Bundesländer. Wien hat rund 40 Prozent aller Privatkonkurse, mit einem Zuwachs von 11 Prozent. Auch das bevölkerungsreiche Niederösterreich legt mit 24 Prozent zu. In der Steiermark gingen die Privatkonkurse um fast 11 Prozent zurück. Insgesamt hat sich das Schuldenvolumen bei den Privatkonkursen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sechs Prozent erhöht.

Wien und Niederösterreich haben die größten Zuwächse bei den Privatinsolvenzen.

Die Gründe, warum Menschen mit ihren Schulden nicht mehr zu Gange kommen, sind vielfältig: Unfähigkeit, unternehmerische Schulden in Millionenhöhe zu tilgen, Verlust des Arbeitsplatzes und somit des Einkommens, Scheidung, Krankheit und Spielleidenschaft.

Für das Gesamtjahr wird eine weitere leichte Steigerung der Zahlen erwartet: Es sei mit einer Summe von rund 8.800 Schuldenregulierungsverfahren im Gesamtjahr 2015 zu rechnen, so Kantner.

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