OGX-Pleite – Aufstieg und Fall des reichsten Mannes Brasiliens

OGX-Pleite – Aufstieg und Fall des reichsten Mannes Brasiliens

Eike Batista köderte Investoren für das boomende Schwellenland. Jetzt ist er selbst fast pleite. Seine Ölfirma OGX beantragte Gläubigerschutz.

Der Traum des Eike Batista, vom reichsten Mann Brasiliens zum reichsten Mann der Welt aufzusteigen, ist mit der Pleite seiner Ölfirma OGX geplatzt. Das Unternehmen des Deutsch-Brasilianers beantragte am Mittwoch in Rio de Janeiro Gläubigerschutz. Die Ratingagentur Moody's schätzt die Schulden des Ölriesen auf bis zu 5,4 Mrd. Dollar (3,93 Mrd. Euro) - damit dürfte das Insolvenzverfahren das größte in Lateinamerika seit 1990 sein.

Batista, der am Sonntag seinen 57. Geburtstag feiert, steht für die weltweite Begeisterung für das boomende Schwellenland Brasilien. Zu seinem Firmenimperium EBX gehören Energie- und Bergbaufirmen, und Batista köderte Investoren für seine grandiosen Ölprojekte. Das Wachstum seiner Firmen an den Finanzmärkten war rasant - doch es basierte auf Ölförder-Versprechungen, die nie umgesetzt wurden. Deshalb blieben die Investoren schließlich wieder weg.

"OGX hat sich gut verkauft, ohne ein einziges Barrel Öl verkauft zu haben"

sagt der Analyst Marcelo Pereira von der Beratungsfirma Tag Investimentos in Sao Paulo. Batista sagte dazu im September in einem Interview mit dem "Wall Street Journal": "Ich habe daran geglaubt! Wenn man in einem Land lebt, in dem gigantische Ölreserven entdeckt werden, warum hätte ich nicht mit einer gesegnet sein können?"

Vor etwas mehr als einem Jahr war Batista noch der reichste Mann seines Landes und rangierte unter allen Milliardären der Welt auf dem siebenten Platz. Sein Vermögen wurde auf 30 Mrd. Dollar geschätzt. Doch inzwischen ist es dem Magazin "Forbes" zufolge auf 900 Mio. geschrumpft. Weil ein Großteil seines Vermögens aus Unternehmensanteilen besteht, könne es noch weiter zusammenschmelzen, schätzt "Forbes". Dem Magazin hatte Batista vor einigen Jahren anvertraut, er wolle "die wohlhabendste Person auf dem Planeten" werden.

Doch Anfang Oktober wurden Batistas Träume zum Alptraum: OGX verkündete, seinen internationalen Gläubigern 44,5 Mio. Dollar Zinsen nicht zahlen zu können. Am Dienstag scheiterten Gespräche mit den Gläubigern über eine Umschuldung.

Mann mit deutscher Mutter gilt als abergläubisch

Der Sohn eines ehemaligen Bergbau- und Energieministers und einer deutschen Mutter gilt als exzentrisch und abergläubisch. Mit der Veröffentlichung eines Buches mit zehn Rezepten wollte er einst den Grundstein für ein Millionärs-Dasein legen. Er hat eine Vorliebe für Rennboote, in seinem Wohnzimmer steht angeblich ein makelloser silberner Sportwagen, den niemand fahren darf. Der Industriekapitän glaubt zudem fest an die Zahl 63, und alle Firmentöchter seines Imperiums beinhalten den Buchstaben X - "X für die Multiplikation des Profits".

Großzügiger Spender

Batista gilt aber auch als großzügiger Spender und half bei der Finanzierung verschiedener Kultur-, Sport- und Umweltschutz-Projekte in ganz Brasilien. Außerdem steht er einem Konsortium vor, das auf umstrittene Weise den Zuschlag für die Renovierung des Maracana-Stadions in Rio de Janeiro bekam, in dem mehrere Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr ausgetragen werden sollen. Für seine Finanzprobleme macht er "die Sterne" sowie einige seiner Berater verantwortlich.

Mit Mercedes SLR McLaren im vergangenen Jahr einen Radfahrer überfahren

Das Symbol der brasilianischen Erfolgsgeschichte heiratete 1991 eine Schönheitskönigin, die auch den Titel des "Playboy" schmückte. Das Paar bekam zwei Söhne, Thor und Olin, bevor es sich 2004 scheiden ließ. Mit seinem Sohn Thor teilt Batista die Begeisterung für schnelle Rennboote und schnelle Autos. Weil Thor mit seinem Mercedes-Benz SLR McLaren im vergangenen Jahr einen Radfahrer überfuhr und tötete, musste er dessen Familie 500.000 Dollar Schmerzensgeld zahlen und gemeinnützige Arbeit leisten. Batistas jüngerer Sohn Olin tourt als DJ durch die ganze Welt.

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