Insolventer Ölriese OGX: Milliarden-Schulden über Österreich-Tochter

Insolventer Ölriese OGX: Milliarden-Schulden über Österreich-Tochter

Der strauchelnde brasilianische Ölkonzern OGX kann seine Schulden nicht mehr bedienen. Das brisante aus österreichischer Sicht: 2,6 von 3,7 Mrd. Euro Schulden entfallen auf zwei Anleihen, die von der Österreich-Tochter OGX Austria GmbH begegeben wurden, wie APA-Recherchen ergeben haben.

Tochtergesellschaft mit nobler Wiener Adresse

Die hoch verschuldete Firma des Unternehmers und einstigen Multi-Milliardärs Eike Batista beantragte im Rahmen des brasilianischen Insolvenzrechtes nun Gläubigerschutz. Die österreichische Tochterfirma mit Sitz am Wiener Schwarzenbergplatz sei für die Kommerzialisierung des Ölhandels zuständig, hieß es aus dem OGX-Headquarter in Rio de Janeiro. Die Anleihen seien aus "Steuerspargründen" über OGX Austria emittiert worden. Gelistet sind die Schuldpapiere u.a. an den deutschen Börsenplätzen Frankfurt, Berlin und Stuttgart.

Die Stückelung beträgt 1.000 Euro, allerdings können nur Bündel von 200 Stück gehandelt werden, das Papier richtete sich damit in erster Linie an Großanleger wie Banken, Versicherungen oder Investmentfonds. Eine der beiden OGX-Austria-Anleihen, jene die 2018 auslaufen würde, hat ein Volumen von 2,563 Mrd. Dollar. Der zweite Bond, der bis 2022 läuft, hat ein Volumen von 1,063 Mrd. Dollar.

Seit Juli miserables Rating

Zuletzt setzte OGX die Zinszahlungen in Millionenhöhe für seine Milliarden-Schulden aus. Mit dem Insolvenzantrag will sich der Konzern eine Schonfrist vor Vollstreckungsmaßnahmen verschaffen. Bei der Ratingagentur Moody's sind die Anleihen schon im Juli auf das miserable Rating "Ca" gesenkt worden. Standard & Poor's (S&P) hat sein Rating nach verpassten Zinszahlungen mit 1. Oktober auf "D" für Default, also auf Zahlungsausfall, gesenkt.

Diesen Dienstag hatte der zur EBX-Gruppe gehörende OGX-Konzern die Gespräche mit den Gläubigern als erfolglos beendet erklärt. Der Insolvenzantrag wurde nach übereinstimmenden Medienberichten und Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Agencia Brasil am Mittwoch bei einem Gericht in Rio de Janeiro vom Anwalt des Unternehmens, Sergio Bermudes, eingereicht.

An der brasilianischen Bovespa-Börse schloss die OGX-Aktie am Mittwoch mit 0,17 Reais - einem Minus von 26,06 Prozent. Noch Anfang des Jahres hatte der Aktienkurs bei fast 5 Reais gelegen. Zu Hochzeiten notierte die Aktie 2010 sogar bei über 23 Reais. Wird der Antrag angenommen, wird der Börsenhandel ausgesetzt.

Maximal 180 Tage Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen

Mit dem nun erfolgten Schritt will OGX die im brasilianischen Insolvenzrecht vorgesehene Möglichkeit einer gerichtlichen Sanierung ("Recuperacao judicial") nutzen, die dem Schuldner OGX maximal 180 Tage Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen der Gläubiger gewährt. Die Frist läuft vom Zeitpunkt der Eröffnung des Sanierungsverfahrens. Die Firma muss binnen 60 Tagen ein Rettungskonzept vorlegen, der von den Gläubigern gebilligt werden muss. Andernfalls wird der Konkurs erklärt.

5,1 Milliarde Dollar Schulden

Die 2007 gegründete OGX ist laut Agencia Brasil mit 5,1 Mrd. US-Dollar verschuldet. 3,6 Mrd. US-Dollar entfallen auf die Anleihen aus Österreich. Anfang Oktober hatte die Firma fällige Zinszahlungen von 45 Mio. US-Dollar ausgesetzt und seitdem versucht, mit den Gläubigern eine außergerichtliche Einigung sowie zusätzliche Investitionen zu finden. Das anstehende Insolvenzverfahren ist nach Medienangaben das größte seiner Art in Lateinamerika.

Probebohrungen weit unter den Erwartungen

OGX erwarb in der Vergangenheit Förderrechte für mehrere Ölfelder vor der Küste Brasiliens und führte zahlreiche Probebohrungen durch. Die Ölförderung blieb weit hinter den Erwartungen zurück, wodurch der Konzern zunehmend unter Druck geriet. OGX war das Herzstück des EBX-Gruppe von Eike Batista, der seit Anfang 2012 fast sein gesamtes Vermögen von damals über 30 Mrd. US-Dollar verlor.

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