Firmenpleiten gehen weiter zurück, dafür trifft es mehr Private

Firmenpleiten gehen weiter zurück, dafür trifft es mehr Private
Firmenpleiten gehen weiter zurück, dafür trifft es mehr Private

In Österreich gingen in den ersten neun Monaten 2015 die Firmenpleiten um sieben Prozent zurück. Die 68-Millionen-Euro-Pleite des Landmaschinenherstellers BISO Schrattenecker ist die bisher größte des Jahres.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen geht in den ersten neun Monaten 2015 weiter zurück. Große Unterschiede gibt es im Bundesländer-Vergleich: In Tirol und Vorarlberg gehen die Firmenpleiten am stärksten zurück. Dies liegt aber auch an fehlender Dynamik. Im Gegensatz dazu steigt die Zahl der Privatkonkurse.

Der Trend rückläufiger Insolvenzen - wie im ersten Halbjahr - hat sich auch im dritten Quartal fortgesetzt: Von Jänner bis September verzeichnete der KSV1870 3.820 Unternehmensinsolvenzen in ganz Österreich - sieben Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Die Gesamtpassiva belaufen sich auf 1,515 Milliarden Euro, ein Viertel weniger als 2014. Insgesamt waren 14.000 Mitarbeiter von Firmenpleiten betroffen, ein Rückgang von 14 Prozent. Auch die Zahl der Gläubiger nahm ab: Von 58.000 auf 48.800, was einem Rückgang von 15,9 Prozent entspricht.

Soweit die allgemeinen Zahlen. Große Unterschiede zeigen sich allerdings auf Bundesländerebene. Während Vorarlberg (-28%), Tirol (-30%) und Oberösterreich (-14%) starke Rückgänge verzeichnen, steigt in Wien die Zahl der Gesamtinsolvenzen um 0,1 Prozent leicht an. In Niederösterreich und Kärnten hingegen gibt es kaum Bewegung. KSV1870 Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner erklärt die Unterschiede einerseits mit einem unterschiedlichen Branchenmix. Zum anderen spiele auch die individuelle Dynamik in den Bundesländern hinein, so Kantner.

Wenig Neugründungen, wenig Insolvenzen

Während österreichweit von 1995 bis 2014 die Zahl der Kammermitglieder bei der Wirtschaftskammer um 84 Prozent steigt, liegen Tirol und Vorarlberg mit 56 beziehungsweise 59 Prozent deutlich unter dem Schnitt. Wo wenig gegründet wird, gibt es demnach auch weniger Insolvenzen.

Wie bereits zum Halbjahr prognostiziert Insolvenz-Experte Kantner für das laufende Jahr insgesamt weniger Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings dürfte die Talsohle durchschritten sein. Insolvenzen verlaufen nicht parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung sondern treten mindestens um ein halbes Jahr verzögert auf. Nicht selten würde ein Insolvenzzuwachs in eine anspringende Konjunktur hineinfallen, so Kantner.

Die zehn größten Insolvenzen nach drei Quartalen 2015
Unternehmen Passiva Bundesland
BISO Schrattenecker GmbH 68,3 Mio. Oberösterreich
FMT Firmengruppe 47,8 Mio. Oberösterreich
Hanlo Firmengruppe 44,3 Mio. Steiermark
Bäckereigruppe Pan & Co 39,0 Mio. Oberösterreich
Teak Holz International AG 30,3 Mio. Oberösterreich
Rosenthal KG 30,0 Mio. Wien
IASON GmbH 25,3 Mio. Steiermark
HB Austria electronic products Vertriebs GmbH 19,4 Mio. Wien
RZ Holzindustrie GmbH 15,6 Mio. Kärnten
Gloriette Bekleidungswerk Ges.m.b.H. 15,2 Mio. Burgenland
Quelle: KSV1870

Im Gegensatz zu den Unternehmensinsolvenzen ist die Zahl der Privatkonkurse um fünf Prozent angestiegen. In den ersten neun Monaten wurden 6.618 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Die Passiva stiegen um elf Prozent auf insgesamt 847 Millionen Euro an. Durchschnittlich handelt es sich um Passiva von 128.000 Euro pro Fall - wobei hier auch ehemalige Unternehmer und Unselbstständige zusammengenommen wurden. Bei den "echten" Privaten betragen die Verbindlichkeiten rund 55.000 Euro.

Wien ist bei den Bundesländern der Spitzenreiter, wenn es um Privatinsolvenzen geht: Bisher gab es in der Hauptstadt 2.877 Fälle, ein Anstieg von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wien steuert Jahr für Jahr überdies deutlich über 40 Prozent aller Insolvenzen bei. Prozentuell ist Niederösterreich mit 783 Fällen und 16,5 Prozent Zuwachs an der Spitze. Allerdings ist dies auf einen Nachholeffekt zurückzuführen. "Jedes Bundesland hat seine eigene 'Insolvenzphänomenologie', dadurch sind die Entwicklungen voneinander unabhängig und nicht monokausal zu deuten", sagt Insolvenzexperte Kantner.

Niederösterreich und Salzburg haben die größten Zuwächse bei den Privatinsolvenzen.

Der Rückgang der Insolvenzzahlen Privater scheint nun gestoppt zu sein, daher rechnet man beim KSV1870 mit einem weiteren moderaten Anwachsen im vierten Quartal 2015. Bis zum Jahresende werden rund 8.800 Fälle - und damit knapp fünf Prozent mehr als 2014 - zu registrieren sein.

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