Die Liebe zum FC Gratkorn dürfte die Gemeinde zum Betrug verleitet haben

Die Liebe zum FC Gratkorn dürfte die Gemeinde zum Betrug verleitet haben

Die Gemeinde Gratkorn kämpft mit einem handfesten Skandal. Der Gemeinderat um Bürgermeister Ernst Kupfer (SPÖ) steht im Verdacht den FC Gratkorn über Jahre mit Millionen versorgt zu haben und das Geld dafür durch vorgeschobene Bauten wie eine Lärmschutzwand, finanziert zu haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die schwer verschuldete Gemeinde bei Graz.

Der Gratkorner Gemeinderat ist offenbar recht kreativ. Statt eine lange Lärmschutzmauer zu bauen, haben sie, laut Infos der Kleinen Zeitung, einen Gutteil der Mittel in den Kunstrasen des Stadions des FC Gratkorn umgeleitet. Ausgezahlt wurden die Mittel dafür ungeniert mit Bank-Codes des verstorbenen Alt-Bürgermeisters. Laut dem Grünen Fraktionsführer Martin Holzer sollen auch Zahlungen an eine Reinigungsfirma geflossen sein, die Sponsor des Fußballvereins war und 13 mal mehr verrechnet habe als im Vertrag mit der Gemeinde vereinbart war.

Zudem sollen im Gemeindeamt manche Bedienstete, laut Kleine Zeitung, nicht nur 15 Gehälter, sondern zusätzlich eine eigene Motivationszulage erhalten.

"Wenn der Verein Geld brauchte, haben sie halt was gebaut"

Und es gibt noch ein weiteres Schmankerl aus Gratkorn: Innerhalb von 15 Jahren wurden sämtliche Aufträge der Gemeinde an zwei Baufirmen vergeben. "Wenn der Verein Geld brauchte, haben sie halt was gebaut oder asphaltiert", schilderte Gemeinderat Holzer. Der FC Gratkorn spielte 2004 bis 2011 in der Ersten Liga, schlitterte dann in die Insolvenz und ist seit einem im Herbst d.J. angenommenen Sanierungsplan als reiner Amateurklub aktiv.

Jetzt kämpft die Gemeinde nicht nur mit einem Riesen-Finanzloch, auch die Staatsanwaltschaft den Fall ins Visier. Ein Prüfbericht wurde nun von der Gemeindeaufsicht des Landes an die Staatsanwaltschaft übermittelt, zumal der Verdacht auf strafbare Handlungen besteht.

Staatsanwalt legt Prüfbericht vor

Mittwochabend stand im Gratkorner Gemeinderat die Vorlage des Prüfberichts durch Bürgermeister Ernest Kupfer (SPÖ) auf dem Programm. Dieser liegt der Anklagebehörde seit der Vorwoche vor, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, Hansjörg Bacher bestätigte. Drinnen steht - zumindest teilweise -, warum es zu 38 Mio. Euro an offenen Krediten plus 10 Mio. Euro an Leasingverpflichtungen und einem Loch in der laufenden Gebarung von 4,5 Mio. Euro kommen konnte. Der Amtskassenleiter hatte ja Manipulationen gestanden und war vor einem Jahr entlassen worden. Gegen ihn laufen Ermittlungen.

Um über die Runden zu kommen, wurden Kredittilgungen - 2,8 Mio. Euro im Jahr - ausgesetzt, die im Dezember wieder schlagend werden und wofür die Gemeinde Hilfe vom Land benötigt. Kürzlich wurde auch ein Sanierungspaket vorgelegt, das den Verkauf der Gemeindewohnungen, des Alten- und Pflegeheims sowie kräftige Gebührenerhöhungen beinhaltet.

Gemeindeaufsicht wird Fahrlässigkeit vorgeworfen

Bürgermeister Kupfer war am Mittwochvormittag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Für die Grünen warf Abg. Lambert Schönleitner der Gemeindeaufsicht in einer Aussendung vor, viel zu spät und damit fahrlässig gehandelt zu haben und verlangte eine Prüfung durch den Bundesrechnungshof. Außerdem forderte er den Rücktritt des Bürgermeisters, da dieser das "System" über Jahre mitgetragen habe, sowie die Einsetzung eines Regierungskommissärs und Neuwahlen.

Schwer verschuldet, hat sich die Marktgemeinde bisher auf einen schmerzhaften Sparkurs geeinigt. So sollen in den nächsten Jahren 20 Millionen Euro durch Verkäufe und Kürzungen aufgebracht werden.

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