Das Ende von Max Bahr

Das Ende von Max Bahr

Der Plan, Max Bahr an ein Konsortium um den Dortmunder Konkurrenten Hellweg und den ehemaligen Max-Bahr-Chef Dirk Möhrle zu verkaufen, sei auf der Zielgeraden gescheitert, gab der Insolvenzverwalter am Freitag bekannt und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters.

Hellweg habe sich nicht mit der Royal Bank of Scottland (RBS) über die Mietverträge für 66 Standorte geeinigt, auf denen die Hand der britischen Bank liegt. Der Insolvenzverwalter will die insgesamt 73 Baumärkte von Max Bahr - nach dem nun beginnenden Ausverkauf der Ware - einzeln losschlagen. Dazu lägen bereits konkrete Interessenbekundungen von namhaften Unternehmen aus der deutschen Baumarktbranche für zahlreiche Standorte vor.

Die Beschäftigten reagierten schockiert. "Jetzt ist Rohrbruch. Die letzte Hoffnung ist geplatzt", sagte Max-Bahr-Gesamtbetriebsratschef Ulrich Kruse zu Reuters. "Alle haben darauf gesetzt, dass RBS uns noch eine Chance gibt." Zusammen mit der Schwestermarke Praktiker, die nach der Pleite bereits abgewickelt wird, weil sich keine Käufer fanden, müssten über 15.000 Beschäftigte um ihren Arbeitsplatz bangen. "Das ist bitter, ganz ganz traurig", zeigte sich Kruse betroffen.

Dagegen reiben sich die Rivalen auf dem hart umkämpften Markt für Bohrer, Schrauben, Dübel oder Gartengeräte bereits die Hände: Für mehr als die Hälfte der Läden stehen Insidern zufolge schon Konkurrenten wie Obi, Rewe/Toom oder Hagebau als Mieter bereit. Teilweise darf in die Gebäude nur ein Baumarkt einziehen. "Nun schlägt wieder die Stunde von Globus", sagte ein Insider. Der saarländische Handelskonzern war bei Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder und der RBS abgeblitzt, da sein Angebot zu niedrig war. Am Donnerstag hatte Globus aber sein Interesse bekräftigt - an rund 60 Max-Bahr- und weiteren Praktiker-Standorten sowie der Firmenzentrale.

Die Gläubiger des einstigen Aushängeschilds des Praktiker -Konzerns hatten Hellweg bis Freitag Zeit gegeben, sich mit der RBS zu einigen. Praktiker hatte im Juli bereits Insolvenz angemeldet und Max Bahr mit in die Pleite gerissen.

Schröder hatte sich erst Ende Oktober für die Offerte des Hellweg-Konsortiums entschieden. In rund 230 Praktiker- und Max-Bahr-Häusern läuft der Ausverkauf bereits. Für Praktiker arbeiteten einst 20.000 Menschen, einen Käufer haben die Insolvenzverwalter aber bisher nur für drei Märkte in Luxemburg mit 200 Mitarbeitern gefunden. Die RBS werde die Max-Bahr-Standorte nun einzeln zu vermieten versuchen, hieß es in den Verhandlungskreisen.

Die Max-Bahr-Mitarbeiter müssen nun hoffen, dass sie bei einem neuen Betreiber der Märkte unterkommen können. Hellweg wollte sich nicht äußern.

Kein Vertrauen in das Konzept

Aus dem Umfeld der Gespräche hieß es, die Verhandlungen mit Hellweg seien nicht an der Höhe der Mieten gescheitert. Vielmehr habe die RBS eine Bürgschaft von Hellweg gefordert, die das Familienunternehmen nicht stellen konnte oder wollte. "Keiner hat sich aus der Komfortzone bewegt", sagte ein Insider. Die Bank habe das Konzept des potenziellen Käufers skeptisch gesehen und im Falle eines späteren Scheiterns Verluste befürchtet. Denn dann wären Banken und Warenkreditversicherer besser abgesichert gewesen als der Vermieter. Ein Konsortium um die Commerzbank war bereit gewesen, die Übernahme mit einem Kredit von 65 Millionen Euro zu finanzieren.

Die RBS war erst im vergangenen Jahr zum De-facto-Vermieter der Immobilien geworden. Denn die Familie Möhrle hatte beim Verkauf von Max Bahr an Praktiker 2007 nur den Geschäftsbetrieb an den Konkurrenten abgegeben, die Immobilien waren damals aber für fast 800 Millionen Euro an den Finanzinvestor Moor Park gegangen. Dieser hatte sich dafür Kredite bei der Bank ABN Amro besorgt, die später in der RBS aufging. Seither hatten die Immobilien stark an Wert verloren, der Fonds von Moor Park ging 2012 Pleite. Globus habe die Immobilien zuletzt gerade noch mit 420 Millionen Euro bewertet, hieß es in den Kreisen.

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